Die Finanzierung der Zukunft: Investieren in Smart Cities

Die Finanzierung der Zukunft: Investieren in Smart Cities 

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Die Stadt der Zukunft wird von der Google-Holding Alphabet in Kanada erbaut. Deren Tochterunternehmen Sidewalk Labs entwickelt gemeinsam mit der Stadtverwaltung von Toronto ein futuristisches Stadtviertel, in dem bereits 2020 das Stadtleben der Zukunft erlebt werden kann. „Quayside“ ist nicht nur ein nachhaltiges urbanes Zukunftslabor, sondern auch ein Planungsszenario für Investoren.

Google-City oder: Konturen der Stadt der Zukunft

In der kanadischen Metropole entwickeln die Sidewalk Labs, eine Art Smart City-Zwilling von Google, die urbane Zukunft auf einem 50 000 Quadratmeter großen Areal nahe des Hafens. Rund 10 000 Bewohner werden in den kommenden Jahren in ein Stadtviertel ziehen, das die Stadt mit dem Internet verschmilzt und zu einem neuen, technologiebasierten Lebensraum formt: Die Smart City, die intelligente, sich selbst steuernde Stadt.

Zwei wesentliche technologische Innovationen bilden eine Art Hirn und Nervenzentrum dieser High-Tech-Metropole: Das so genannte Internet der Dinge, eine stadtweite Infrastruktur aus vernetzten Sensoren, die wie eine Art innere Wahrnehmung der Stadt agieren. Ihre Informationen fliessen von jedem Ort kontinuierlich in ein allumfassendes digitales Netzwerk, dass nicht nur Reaktion und Steuerung in Echtzeit ermöglicht, sondern sogar eine Zukunftsplanung ohne Reibungsverluste: Vernetzte Verkehrsmittel vermeiden Staus, Brücken melden den eigenen Verschleiss, Müll wird entsorgt und wiederverwertet, sobald er entsteht, exakter Personalbedarf der Stadtverwaltung an jedem Ort vorhergesagt und vieles mehr. Diese Intelligenzleistung wird durch so genannte Künstliche Intelligenz möglich: Die Echtzeitverarbeitung und das Management aller Datenflüsse in der Stadt in einem System, das steuert, lernt, denkt und plant.

Die Google-City Quayside ist nur die plakative Speerspitze einer weltweiten Entwicklung. Europäische und Schweizer Leuchttürme dieser Entwicklung wie Barcelona, Stockholm, Amsterdam, Talinn oder Lausanne wachsen aus der analogen Tradition heraus in die digitale Moderne.

Selbstverständlich: Keine Zukunft ohne Nachhaltigkeit

Seit Jahrzehnten arbeiten Forscherteams weltweit an einer Stadtgestaltung, die die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte digital bewältigen kann: Mega Cities, Ressourcenknappheit, Klimaschutz, Bevölkerungsexplosion im Süden, Alterung im Norden.

Deshalb ist Nachhaltigkeit in der Smart City Teil der städtischen Genetik: kein moralisches Prinzip mehr, sondern selbstverständlicher Bestandteil aller Facetten des städtischen Lebens. Das „digitale Über-Ich“ der Zukunftsstadt löst zumindest in der Theorie die Verbrauchs- und Verteilungsprobleme, mit denen die Städte von heute kämpfen: Möglichst alle Güter werden möglichst regional erzeugt, verbraucht und wieder in den natürlichen oder wirtschaftlichen Kreislauf zurückgeführt: Energie wird innerhalb der Stadtarchitektur erzeugt, Produkte bereits im Hinblick auf ihre Recyclingfähigkeit produziert und der entstehende „Müll“ wie ein innerstädtischer Rohstoff wieder in den Erzeugerkreislauf zurück geführt. Selbst Nahrungsmittel sollen durch intelligente Flächennutzung möglichst stadtnah oder sogar innerstädtisch erzeugt werden.

Die ausgefeilte und allgegenwärtige Technologie soll den Bewohnern ermöglichen, ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse weit besser einzubringen bzw. zu befriedigen, indem sie auch das innerstädtische Sozialleben beflügelt: Bürgerbeteiligung wird per Mausklick möglich, häusliche Pflege leichter organisierbar und die Fahrzeuge, Werkzeuge, Gärten oder Solaranlagen einfach gemeinsam nutzbar. Vor allem öffentliche Güter werden in der digitalen Stadt „smart“ – effektiv digital organisiert: Bildung, Mobilität, Sicherheit, das Gesundheitssystem oder die Stadtverwaltung.

Die Finanzierung der Zukunft: Ein Szenario

Die Smart City ist heute keine Zukunftsvision mehr, sondern ein konkretes und notwendiges Szenario, das finanziert werden muss – und als neuer Markt nachhaltige Investitionschancen bietet. Einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Persistance Market Research zufolge werden Investitionen in Smart City Projekte bereits im Jahr 2019 die Schallmauer von einer Billion US- Dollar (USD) durchbrechen und bis 2026 auf rund 3.5 Billionen anwachsen.

In die Entwicklung intelligenter regenerativer Energiesysteme fließen der Studie gemäss heute rund 18 Prozent allen investierten Smart-City-Kapitals. Dieser Bereich wird in den kommenden Jahren moderat wachsen, aber anteilig abnehmen, da die Basistechnologien wie Geothermie, Abwärmenutzung oder Photovoltaik bereits weit entwickelt sind.

Auch die Entwicklung smarter Mobilitätssysteme wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Fahrzeug-Sharing, autonome öffentliche Verkehrsmittel und neue Transportroboter haben heute einen Investitionsanteil von rund 14 Prozent. Auch wenn dieses Segment in den kommenden Jahren weiter kräftig wächst, werden andere Bereiche bis 2026 prozentual deutlich schneller zulegen.

Die Boom-Segmente der Zukunft sind smarte Gebäudetechnik und Sicherheitstechnologien. Die intelligenten Gebäude und Quartiere, die nicht nur Wohnraum bieten, sondern Energie erzeugen, zum Stadtklima beitragen und neue Beteiligungs- und Arbeitsmöglichkeiten eröffnen sollen, werden bis 2026 zwischen 15 Prozent und 16 Prozent aller Investitionen ausmachen, geschätzt rund 520 Milliarden USD, und kontinuierlich zweistellig wachsen.

Sicherheitstechnologien schützen vor allem die Archillesverse der Smart City, denn mit der allumfassenden Vernetzung wird die Stadt nicht nur intelligenter, sondern auch hackbar. Investitionen in Cybersicherheit und Sicherheitstechnologien werden alleine bis 2020 jährlich um rund 20 Prozent wachsen.

Die Smart City ist eine Projektionsfläche und sicher auch ein Marketing-Vehikel der Creme der globalen Hochtechnologieunternehmen. Planspiele zu ihrer Finanzierung sind keineswegs gesichert. Sicher ist aber, dass die neuen, technologiebasierten Lösungen unserer urbanen Herausforderungen finanziert werden müssen und in den kommenden Jahren einen Investitionsboom auslösen werden – und sicher wird auch das Investieren smarter, als wir es uns heute vorstellen.

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Dieser Gastbeitrag von Florian Semle ist Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Nachhaltiges Investieren“, die LGT auf ihrer Nachhaltigkeitsseite im Internet veröffentlicht. Folgen Sie uns auf Linkedin, und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Beitrag erscheint.

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 14. November 2017 | Die Börsenblogger

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