Die Finanzmärkte trauen der Bank of Japan-Troika wirksame Schritte zu 

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Obwohl viele Aktienmärkte seit Mitte Februar stabil sind oder korrigierten und der Yen (vorerst) nicht weiter abwertete, zeigten sich japanische Aktien weiter von der stärkeren Seite. Seit Anfang März die Zusammensetzung der Troika bekannt gemacht wurde, legten japanische Aktien weiter kräftiger zu als amerikanische und europäische Titel, während in Asien und den Schwellenländern sogar teilweise Verluste verbucht wurden – ein Performancemuster, das seit einigen Monaten ersichtlich ist. Auch die Turbulenzen rund um das Rettungspaket für die Banken Zyperns haben an diesem Muster nichts geändert.

Der Markt für inflationsgeschützte Nippon-Staatsanleihen signalisiert seit September 2012 stetig (moderat) steigende Inflationserwartungen – ein Trend, der mit dem Beginn des Unterhauswahlkampfs im November auch seit den Nominierungen anhält (die implizierten zukünftigen Inflationsraten notieren allerdings immer noch deutlich unter dem BoJ-Ziel von 2 Prozent). Bei normalen japanischen Staatsanleihen erreichten die Renditen aber gleichzeitig teilweise neue Rekordtiefs – der Markt traut der Notenbank zu, in naher Zukunft wirksame Massnahmen zu ergreifen. Erwartet wird eine deutliche Ausweitung des BoJ-Käufe auf längerfristige Staatsanleihen (bisher werden nur kurzfristige Staatsanleihen gekauft) sowie auf andere Finanzanlagen, wie beispielsweise börsennotierte Aktienfunds.

Potenzieller Effekt auf japanische Finanz- und Realanlagen ist gross

Die Geldpolitik allein kann die anderen wichtigen Strukturprobleme Japans (insbesondere die Demografie) natürlich nicht aus der Welt schaffen. Dennoch sollte die kurz- bis mittelfristige Wirksamkeit konsequenter und gezielter als bisher eingesetzter monetärer Expansionsmassnahmen nicht unterschätzt werden.

Zu hoch ist der potenzielle Effekt auf japanische Finanz- und Realanlagen sowie auf den Yen. Ein schwächerer Yen hat einen sehr positiven Effekt auf die ausländischen Finanzerträge und Vermögenswerte der japanischen Unternehmen und Privathaushalte, welche die Bedeutung der Exporte (und auch der Importe) um ein Vielfaches übersteigen (vgl. LGT Beacon, 16. Januar 2013 und 21. November 2012). Es ist auch nicht auszuschliessen, dass nach erfolgreich initiierter «Reflation» z.B. nach den Oberhauswahlen langfristig wichtige strukturelle Reformen angekündigt werden. Der koordinierte und politisch überzeugende Versuch, die Deflation (und insbesondere die deflationäre Erwartungshaltung der Bevölkerung) zu überwinden, stellt jedenfalls einen ersten Schritt in die richtige Richtung dar.

Entscheidung der Bank of Japan übertrifft die hohen Erwartungen des Marktes

Inzwischen hat die «neue» Bank of Japan nach ihrer ersten geldpolitischen Sitzung vom 04.04.13 die wirtschaftspolitischen Weichen für die nächsten Jahre gestellt (siehe LGT Beacon vom 10.4.2013). Die Entscheidung hat die hohen Erwartungen des Marktes und der meisten Beobachter übertreffen können. Seitdem hat der Nikkei 225, trotz einer volatilen, weltweiten Konsolidierungsphase an den Finanzmärkten, noch einmal um knapp 7 Prozent zulegen können und der S&P 500 ist um 1.3 Prozent gestiegen. Der Yen hat zwar abgewertet, aber in geringerem Ausmass: So hat der Nikkei 225 auch in USD um 1.8 Prozent zulegen und damit auch den S&P 500 schlagen können. Der Stoxx Europe 600 ist im gleichen Zeitraum in Euro um 2.3 Prozent gefallen (und war in USD gemessen stabil). Daten per 17. April 2013.

Klar ist: der Markt hat diese Entscheidung willkommen geheissen.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Regimewechsel in der Bank of Japan « LGT Finanzblog
  2. Pingback: «Abenomics» hat ein Gesicht bekommen « LGT Finanzblog

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