Die Irrationalität der Märkte als Renditequelle 

Artikel bewerten

Die Irrationalität der Märkte ist für viele Ökonomen ein Schreckgespenst. Für Hedge-Funds-Manager bietet sie jedoch oft ausgezeichnete Investitionsgelegenheiten. Aber wie lässt sich die Irrationalität konkret nutzen? Grundsätzlich gibt es hier zwei mögliche Ansätze: man folgt den irrationalen Märkten oder man nimmt eine gegensätzliche Position ein. Schauen wir uns folgende zwei Beispiele an.

a) Trendfolger

Trendfolger wenden regelbasierte Strategien an, welche so konstruiert sind, dass sie von aufkommenden positiven und negativen Trends in den verschiedenen Anlageklassen profitieren. Wie ausgeprägt und beständig solche Trends sind, wird oft nicht mehr nur durch rein fundamentale ökonomische Faktoren bestimmt, sondern sind es die übertriebenen Ängste und Hoffnungen der Markteilnehmer, welche als die wahren treibenden Kräfte hinter den Trends wirken. Die Negativspirale, die sich im Jahr 2008 nach der Lehman-Pleite entwickelt hat, und die jetzige Rally an den japanischen Aktienmärkten sind zwei gute Beispiele dafür, dass Angst und Euphorie markante Trends zur Entfaltung bringen, die von Trendfolgern positiv umgemünzt worden sind.

b) Distressed Kredit-Manager

Der Ansatz solcher Manager ist, Wertschriftenpapiere zu kaufen, welche ihrer Ansicht nach so unterbewertet sind, dass sie ein sehr attraktives Aufwertungspotential bieten. Eine solche Unterbewertung kommt oft zustande, wenn Märkte eine drastische, panikartige Sicht der Dinge einnehmen und in Folge dessen Preise exzessiv nach unten gedrückt werden. Distressed Manager erwerben in solch einer Situation Positionen zu einem günstigen Preis und werden hohe Gewinne erzielen können, wenn ihre Sicht durch sich beruhigende und wieder zur Vernunft kommende Märkte bestätigt wird. Ein Beispiel aus der jüngsten Euro-Krise veranschaulicht diesen Ansatz: Im Sommer letzten Jahres – als die Verzweiflung und Angst um die Euro-Zone am höchsten war – entschieden sich einige Manager, griechische Staatsanleihen zu erwerben, sie konnten sich über eine Erholung dieser Papiere von über 50 Prozent freuen.

Um die Irrationalität der Märkte auszuschöpfen, handelt der Investor entweder bewusst irrational und folgt den Trends wie die Trendfolger, oder bleibt rational und erkennt ein Aufwertungspotential, wo die Märkte nur Abgründe sehen.

 

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Jann Mallendorff at 12:01

    Sie sprechen im Zusammenhang mit Lehman und der aktuellen Japan-Rallye von „Angst“ und „Euphorie“ der Märkte, also von klassischen Emotionen, die Märkte „irrational“ werden lassen und damit je nach Investmentphilosophie Chancen oder Risiken eröffnen. Brauchen wir so etwas wie eine methodische Psychologie der Märkte, mit der sich statt Trends auch solche Emotionen abbilden lassen? Kostolanys Börsenpsychologie als fundierte Methode?

  2. Stefano Lecchini
    Stefano Lecchini at 13:57

    Die Komplexität der Märkte lässt sich sehr wahrscheinlich nicht durch ein einziges Modell erklären. Ein psychologisches Erklärungsmodell ist deshalb eine bereichernde Perspektive neben den klassischen ökonomischen Ansätzen. Denken Sie nur an die Erfolge von Behavioral Finance.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.