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Die liebe Steuerrechnung

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10.08.2017 - Gesellschaft:

Niemand bezahlt gerne Steuern – so könnte man meinen. Dem ist aber nicht zwingend so: Schweizer, Österreicher und Deutsche haben ein sehr unterschiedliches Verhältnis zu ihrem Fiskus und zu anderen Institutionen – das zeigen die Ergebnisse des LGT Private Banking Report.

Steuern sind für den Grossteil der Bevölkerung ein grosser und fixer Posten auf der Ausgabenseite. „Nur zwei Dinge auf Erden sind uns ganz sicher: der Tod und die Steuern“, kommentierte schon Benjamin Franklin. Viele Schweizer scheinen es aber gar nicht so schlimm zu finden, Abgaben an ihren Staat zu leisten. Hohe 58 Prozent der vermögenden Schweizer, die im Rahmen des LGT Private Banking Report befragt wurden, sind froh in ihrem Land Steuern zu zahlen. Ganz anders sieht es im Nachbarland Österreich aus. Hier freuen sich nur 27 Prozent darüber, in Österreich Steuern zu zahlen, in Deutschland sind es immerhin 35 Prozent. Ein ähnliches Bild – wenn auch auf insgesamt niedrigerem Niveau – ergibt sich bei der Frage nach der Verwendung der Steuergelder. 38 Prozent der Schweizer sind zufrieden damit, wie die Steuergelder eingesetzt werden, in Deutschland sind es 21 Prozent und in Österreich gar nur 7 Prozent.

Ernüchternd sind auch die Aussagen der Befragten zur Schulden- und Eurokrise. Nur 12 Prozent der Schweizer haben das Gefühl, dass man aus diesen Krisen gelernt habe, in Österreich sind es gar nur 9 Prozent. Etwas optimistischer zeigen sich die deutschen Befragten mit 24 Prozent. Trotzdem geht ein Grossteil der Studienteilnehmer nicht davon aus, dass die Eurozone auseinanderbrechen wird, nur 24 der Schweizer glauben an ein Ende der Eurozone und lediglich 23 Prozent der Österreich sowie 11 Prozent der Deutschen.

Wenig Vertrauen in Österreich

Die Österreicher zeigen insgesamt ein besonders hohes Mass an Skepsis und Misstrauen. Auch was das Vertrauen gegenüber Systemen und Organisationen anbelangt, bestätigt sich dieses Bild. Während die Schweizer und Deutschen ihrem jeweiligen politischen System durchaus Vertrauen schenken – auf einer Skala von 0 bis 10 erreichen sie einen Mittelwert von 7 bzw. 6.3 – strafen die Österreicher ihre Politik mit einem Mittelwert von nur 3.2 regelrecht ab. Etwas besser sieht es beim Vertrauen gegenüber der heimischen Wirtschaft aus, hier geben die Österreicher eine 5.9. Die Werte der Schweiz und Deutschlands liegen mit 6.7 und 7.6 aber auch hier deutlich höher. Die Weltwirtschaft schneidet wieder schlechter ab. Mit einem Mittelwert von 5.4 äussern die Deutschen dabei noch das höchste Vertrauensniveau, die Werte der Schweizer (4.0) und Österreicher (4.3) sind signifikant niedriger.

Österreichische Skepsis und deutscher Optimismus

Auch was die Finanzwelt anbelangt, sehen die Österreicher wesentlich schwärzer als ihre Nachbarn. Sie schenken sowohl dem globalen Finanzsystem, als auch den Banken generell und der Bankenaufsicht signifikant weniger Vertrauen als die Schweizer oder Deutschen. Letztere sehen die Finanzwelt wesentlich optimistischer, sie zeigen sich gegenüber Bankenaufsicht und globalem Finanzsystem als besonders vertrauensvoll. Und auch der Europäischen Zentralbank bringen sie ein durchaus beachtliches Vertrauen entgegen, während Schweizer und Österreicher der Institution skeptisch gegenüberstehen.

Die Ergebnisse des letztjährigen LGT Private Banking Report geben spannenden Einblicke in das Meinungsbild vermögender Privatpersonen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Alle zwei Jahre gibt die LGT eine breit angelegte wissenschaftlich fundierte und repräsentative Studie in Auftrag, um wichtige Erkenntnisse über das Anlageverhalten und die Einstellungen von Private-Banking-Kunden zu erfahren. Dies nicht zuletzt aus der Überzeugung heraus, dass ein Finanzunternehmen seine Kunden nur dann optimal betreuen und beraten kann, wenn es die Erwartungen, Bedürfnisse und Ziele seiner Kunden kennt und versteht. Im letztjährigen Report wurde zudem einige allgemeine Fragen zu Finanzthemen und Vertrauen in Institutionen gestellt.

Weitere Beiträge von Karin Brigl zum LGT Private Banking Report:

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