Die negative Goldpreisspirale

Die negative Goldpreisspirale 

Gold ist aktuell so günstig wie zuletzt vor fünf Jahren. Der Preis einer Unze notiert aktuell unter 1100 US-Dollar. Ein Aspekt, welchen ich bereits in meinem letzten Beitrag über Gold angesprochen habe, wirft aktuell erneut die Frage auf: Gold als «sicherer Hafen»? 2010 verhalf unter anderem die Zuspitzung der Krise rund um Griechenland und dessen möglicher GREXIT dem Goldpreis zu einem temporären Höhenflug.

Heute sieht die Situation anders aus. Das Thema Griechenland ist – neben weiteren geopolitischen Spannungen – zwar noch immer nicht vom Tisch. Aber weder aufgrund dieser Tatsache noch auf den Ausverkauf an Asiens Aktienmärkten im Juni und Juli hin flüchteten die Anleger in Gold.

Beleuchten wir die möglichen finanzwirtschaftlichen und ökonomischen Gründe, die aktuell den Goldpreis belasten:

Starker US-Dollar: Rohstoffpreise verhalten sich tendenziell invers zum US-Dollar. Für den Fall eines starken Dollars bedeutet das, dass Rohstoffe zu einem tieferen Preis des Basiswertes neigen. Der Hintergrund ist, dass Gold und weitere Rohstoffe mehrheitlich in US-Dollar gehandelt werden und so die US-Dollar-Entwicklung ausgeglichen wird.

Goldreserven der chinesischen Notenbank: Die chinesische Notenbank hat erstmals seit 2009 Informationen zu ihren Goldreserven veröffentlicht: 1657 Tonnen, ein Anstieg um 600 Tonnen über einen Zeitraum von sechs Jahren. Auf diese Meldung folgte ein regelrechter Preiseinbruch im chinesischen Handel. Viele Anleger hatten wohl einen höheren Bestand erwartet und mit höheren Zukäufen gerechnet, da die Zentralbanken vieler Schwellenländer als aktive Goldkäufer gelten. Ob dies wirklich der Auslöser für die zeitweise starke Korrektur war oder eher dem spekulativen Anlegerverhalten zuzuschreiben ist, bleibt offen.

Niedrige Inflationserwartungen: Die globalen Inflationserwartungen verharren auf einem tiefen Niveau oder sind sogar erneut leicht zurückgefahren worden. Somit ist von dieser Seite mit keiner unterstützenden Wirkung für Gold als Reservewährung zu rechnen.

Erwarteter Zinsanstieg in den USA: Am Rutsch des Goldpreises dürfte die Erwartungshaltung der Anleger in Bezug auf die bevorstehende Zinserhöhung durch die US-Notenbank eine massgebliche Rolle spielen. Sind die Zinsenhoch, verblasst die Attraktivität des Goldes, da es keinen Ertrag im Sinne von Zinsen abwirft. Über den Zinserhöhungszyklus der FED wird spekuliert. Falls im aktuellen Goldpreis eine (zu) aggressive Zinspolitik eingepreist ist, könnte nach Bekanntgabe des Zinsniveaus erneut Bewegung in die Goldpreisentwicklung kommen.

Spekulationen der Anleger: Die pessimistische Stimmung vieler Grossinvestoren zum Thema Gold hat sich über die vergangenen Monate verschärft. Die negativen Einflussfaktoren auf den Goldpreis trugen dazu bei, dass der Aspekt des «sicheren Hafens» in den Hintergrund trat. Die Zunahme der spekulativen Short-Positionen zeigen diese Entwicklung deutlich (Grafik).

Grafik_Gold_Spekulative_Shortpositionen

Quelle: Bloomberg, CMXOGNCS Index

Die Stimmung in Bezug auf Gold ist bereits jetzt sehr negativ, viele Anleger rechnen mit weiter fallenden Preisen. Die Grafik zeigt aber auch, dass die Positionierungen seit 2013 starken Schwankungen unterworfen waren. Normalerweise bedeuten derartige Extremsituationen Wendepunkte an den entsprechenden Märkten, insbesondere, falls sich die oben angesprochenen Faktoren ändern. Vor allem der erwartete Zinsanstieg in den USA wird den Wert des Goldes beeinflussen. Bei einem stärkeren Zinsanstieg als erwartet dürften die Aktienmärkte unter Druck geraten, was sich positiv auf den Goldpreis auswirken würde. Im heutigen Umfeld spielen jedoch mehrere Faktoren zusammen. So ist nicht auszuschliessen, dass die Debatten um Griechenland doch noch eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Goldpreises spielen werden. Gold könnte dann wieder stärker in seiner Funktion als «sicherer Hafen» wahrgenommen werden und Anleger anziehen; denn Gold ist und bleibt die wohl emotionalste Anlage.

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Andreas Kindler at 19:03

    Gold ist ein sicherer Hafen und ich glaube, dass wir kurz vor einer langfristigen Trendwende nach oben stehen.

    Das Problem:
    Der Goldabbau ist eine der schlimmsten Untaten, die der Erde und vermutlich auch einem Großteil der dort beschäftigten Menschen, zugefügt werden.

    Für mich ein unmoralisches Investment, als kann ich persönlich nicht investieren.

    • Silvan Ehrmann at 10:10

      Sehr geehrter Herr Kinder

      Besten Dank für Ihr Feedback. Historisch betrachtet hat das Gold sich als sicherer Hafen bewiesen. In meinem letzten Beitrag über Gold (Oktober 2013) scheint dieser Zusammenhang bei kürzerem Betrachtungszeitraum stark ausgeprägt zu sein. Mir geht es in diesem Beitrag in erster Linie um die Gründe, warum dieser Zusammenhang in der aktuellen Situation nicht wirklich zutrifft.

      Freundliche Grüsse
      Silvan Ehrmann

  2. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 2. August | Pipsologie

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