Die Rechenspiele des Charles Dow 

Artikel bewerten

Wie das erste und berühmteste Börsenthermometer erfunden wurde.

Wie will man bei all dem Auf und Ab das Geschehen an der Börse messen? Das fragte sich 1896 der amerikanische Journalist Charles Dow – und errechnete kurzerhand einen Index der zu dieser Zeit wichtigsten amerikanischen Aktien. Die trugen Namen wie aus dem Wilden Westen: Da waren die American Cotton Oil Company, die Distilling & Cattle Feeding Company oder die U.S. Leather Company. Charles Dow zählte die Kurse dieser zwölf an der New Yorker Börse gehandelten Unternehmen zusammen und dividierte ganz einfach wieder durch zwölf. Damit war er geboren, der Dow Jones Industrial Average, benannt nach Charles Dow und seinem Kollegen Edward Jones, beide Herausgeber des renommierten Wall Street Journal. Das so berechnete Börsenthermometer wurde zum Vorbild einer Vielzahl von Börsenindizes, etwa für den deutschen DAX oder den schweizerischen SMI.

Heute setzt sich der Dow Jones aus 30 der grössten US-Unternehmen zusammen und misst sozusagen den Puls der amerikanischen Wirtschaft. Er macht vor allem von sich reden, wenn er fällt. Sein tiefster Sturz an einem einzigen Tag war um 508 auf 1738 Punkte oder mehr als 20 Prozent – an jenem schwarzen Montag, dem 19. Oktober 1987, den wir als Börsencrash kennen. Innert zweier Tage kletterte er wieder um zehn Prozent in die Höhe – ein anschauliches Beispiel dafür, wie irrational sich die Aktienkurse zuweilen verhalten.

Der Dow Jones ist heute gewichtet. Nicht alle Aktien haben bei der Berechnung das gleiche Gewicht, aber zusammen lesen sie sich wie das Who’s Who der US-Wirtschaft: von Disney, McDonald’s und Coca-Cola bis hin zu IBM, Hewlett-Packard und Microsoft. Mit über elf Prozent stellt IBM das unangefochtene Schwergewicht des Index dar; HP zählt mit weniger als einem Prozent zu den Federgewichten. Und obwohl professionelle Anleger den Dow Jones aufgrund der relativ wenigen Titel und seiner einfachen Berechnung mittlerweile als überholt betrachten, ist er beim Durchschnittsanleger immer noch Kult.

Der allererste Dow Jones, am 26. Mai 1896, lag bei 40,94 Punkten, doch schon am 8. August desselben Jahres fiel er auf den tiefsten Wert aller Zeiten, auf 28,48 Punkte. Mehr als 1000 Punkte beträgt der Dow Jones auf Dauer erst seit Anfang der achtziger Jahre. Zurzeit pendelt er um die 15‘000 Punkte. Und ein Fall unter 10 000 Punkte würde bereits als Vorbote des Weltuntergangs gelten. Dabei ist er doch nur ein Durchschnittswert, der manchmal mit Wirtschaft weniger zu tun hat als mit angewandter Psychologie.

Leselink:
Erst kürzlich wurde der DJIA wieder umgebaut. Mehr dazu finden Sie hier.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 8. Oktober 2013 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Wall Street: Die Kapitale des Kapitals « LGT Finanzblog

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.