Die zwei Seiten der Inflation

Die zwei Seiten der Inflation 

Allgemein möchte man möglichst wenig Inflation; im Moment steht trotzdem eine höhere Inflation auf der Wunschliste mancher Ökonomen.

«Inflation ist, wenn Sie 50 Dollar für einen 30-Dollar-Haarschnitt bezahlen – den sie üblicherweise für 15 Dollar bekommen haben, als sie noch Haare hatten», bringt der US-amerikanische Humorist Sam Ewing diese Erfahrung auf den Punkt. Wirtschaftsfachleute drücken sich technischer aus: Inflation ist demnach der Prozess anhaltender Steigerungen der Geldmenge gegenüber dem Warenangebot, der aus einem Ursachenkomplex im ökonomischen System entsteht und wieder auf diesen zurückwirkt.

Die humoristische Zuspitzung verweist deutlich auf die negativen Auswirkungen – die mitunter gar rasante und unkontrollierte Preissteigerung. Diese ist nicht erst heute ein Problem. Schon der römische Kaiser Diokletian sah sich mit explodierenden Preisen konfrontiert. Mit einem Höchstpreisedikt versuchte er die Preissteigerungen zu unterbinden und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Niedergang des römischen Reiches zu stoppen. Dass ihm das misslang, hinderte auch demokratisch gewählte Nachfolger nicht daran, das gleiche Mittel einzusetzen. Der Lohn- und Preisstopp, mit dem der US-amerikanische Präsident Nixon die hohen Inflationsraten der 1970er-Jahre bekämpfen wollte, blieb ebenfalls wirkungslos.

Berechnet wird das Preisniveau mit dem Lebenshaltungskosten-Index, dem ein fiktiver Warenkorb zugrunde liegt. Das ist nicht unproblematisch, denn das Konsumverhalten ändert sich permanent, und die Einkommensgruppen unterscheiden sich in ihrem Konsumverhalten. Zudem gibt es Preissteigerungen auch in Bereichen, die vom Index der Lebenshaltungskosten nicht berücksichtigt werden. Genau genommen handelt es sich beim Anstieg der Lebenshaltungskosten nicht um Inflation, sondern um Teuerung. Korrekt versteht man unter Inflation die Ausweitung der Geldmenge. Neu geschaffenes Geld gelangt von der Zentralbank zu den Marktteilnehmern. Bei gleichbleibender zur Verfügung stehender Gütermenge führt die durch das «billige Geld» hervorgerufene zusätzliche Nachfrage zu steigenden Preisen.

Inflation wird nicht in jedem Fall negativ betrachtet. So ist es das erklärte Hauptziel der Europäischen Zentralbank (EZB), für eine Inflationsrate zu sorgen, die knapp unter zwei Prozent liegt. Nur so sei ein stetiges und beständiges Wirtschaftswachstum möglich. Verschiedene Ökonomen kritisieren das als zu niedrig und fordern sogar bis zu 3.5 Prozent Inflation. Je höher die Inflationsrate ist, desto leichter fällt den Staaten das Abtragen ihrer Schuldenlast. Der Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft, ein Think-Tank der österreichischen Industriellenvereinigung, sah schon vor einigen Jahren den Umschwung zum «gemeinsamen EU-politischen Willen des Weginflationierens», wie sein Gründer Helmut F. Karner, Professor an der Donau-Universität Krems, feststellte. Die Weichen zu höheren künftigen Inflationsraten scheinen demnach bereits gestellt

Leselinks:

  • Inflationsrate.com, bietet News und Informationen zum Thema.
  • Das Handelsblatt zeigt, dass das Zwei-Prozent-Ziel der EZB willkürlich ist (Bezahl-Inhalt).
  • Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jan Hatzius findet, dass die EZB entgegensteuern muss, wenn das Inflationsziel weit entfernt ist.
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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 3. März 2015 | Die Börsenblogger

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