Digitalisierung und Nachhaltigkeit: Freund oder Feind?

Digitalisierung und Nachhaltigkeit: Freund oder Feind? 

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Zwei Themen sind heute in aller Munde: Digitalisierung und Nachhaltigkeit – egal in welcher Branche. Beide versprechen Veränderungen für die Zukunft. Doch arbeiten sie mit- oder gegeneinander?

Digitalisierung macht das Leben leichter: Früher mussten wir tagelang auf Briefe mit wichtiger Post warten, heute erhalten wir eine E-Mail innert Sekunden, zahlen unsere Rechnungen mit der Mobile-Banking-App und buchen im Internet unser Hotel für den nächsten Urlaub. Wir können Dinge schneller erledigen und gewinnen Zeit. Zeit, die wir wiederum reinvestieren – in neue Aktivitäten und den Konsum. Doch das schlägt sich in unserem ökologischen Fussabdruck nieder.

Wir sind kleine Nimmersatts

Der Rebound-Effekt beschreibt dieses „Nimmersatt-Phänomen“ ganz gut: Hat ein Verbraucher dank einer Effizienzsteigerung weniger Ausgaben, kann er weitere Produkte kaufen. Macht er das, dann geht sein gespartes Potenzial, zum Beispiel eine Energiereduktion, verloren. Ein Beispiel: Im 20. Jahrhundert befürchteten beispielsweise viele Elektrizitätswerke einen Einbruch ihres Umsatzes, als Kohlefadenlampen gegen Wolframwendel-Glühlampen ausgetauscht wurden. Die neuen Lampen verbrauchten nur noch einen Viertel so viel Energie bei gleicher Leuchtleistung. Folglich hätte der Ressourcenverbrauch um 25 Prozent abnehmen sollen – doch das Gegenteil passierte: Mehr Menschen nutzten die effizienteren Lampen. Der Stromverbrauch stieg sogar.

Der Rebound-Effekt ist also keine neue Erfindung der Digitalisierung. Denn wir sind grundsätzlich kleine Nimmersatts. Dank der Digitalisierung haben wir nun einfach noch mehr freie Ressourcen, die wir verbrauchen. Im Grossen und Ganzen bedeutet das zum Beispiel in der Industrie, dass Fabriken dank der Digitalisierung ihre Produktivität und damit ihren Output steigern können. Sie können ihre Produkte billiger verkaufen und kurbeln damit die Nachfrage an. Die Wirtschaft wächst und mit ihr der Energie- und Ressourcenverbrauch. So geht historisch gesehen jedes Prozent Wachstum des globalen BIPs mit einer Steigerung des Ressourcenverbrauchs um 0.4 Prozent und der CO2-Emissionen um 0.5 Prozent einher. Um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, braucht es deshalb die Entkoppelung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum.

Innovative Geschäftsmodelle

Die Digitalisierung ist also nicht per se nachhaltig, aber wir können sie nachhaltig nutzen, indem wir neue innovative und zugleich nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln – wie die Circular Economy. Unternehmen, die diesem Ansatz folgen, lassen das klassische „Take, make and dispose“-Modell hinter sich. Sie widmen sich einer zirkulären Wirtschaft. Sie produzieren mit erneuerbaren, wiederverwertbaren oder biologisch abbaubaren Materialien – wie Procter & Gamble – oder bieten Dienstleistungen und Plattformen an – wie Airbnb –, mithilfe derer die Nutzung bereits existierender Güter optimiert werden kann. Aus ihren innovativen Geschäftsmodellen ergeben sich Chancen für Wirtschaftswachstum, das nicht oder nur mit einem geringen höheren Ressourcen- oder Energieverbrauch verbunden ist.

Transparenz schaffen

Die Circular Economy ist ein vielversprechender Ansatz für Unternehmen, die Produkte produzieren. Doch welche Möglichkeiten bestehen im Dienstleistungssektor – zum Beispiel in der Finanzindustrie –, um die Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung zu nutzen? Abgesehen von einer Vielzahl an Möglichkeiten, die Unternehmen generell zur Verfügung stehen, um ihr Geschäft digital und nachhaltig zu gestalten – Stichwort Klima- und Ressourcenschutz –, sollten wir den Fokus auf das Kerngeschäft legen.

Dank der Digitalisierung ist es uns bei der LGT gelungen, Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit bei Anlagen zu schaffen. So vernetzten und analysieren wir für unser LGT Sustainability Rating Informationen und Daten von Unternehmen oder Ländern, die verschiedenen Anlageinstrumenten zugrunde liegen. Unsere Kunden können dank des Ratings auf einen Blick erkennen können, wie nachhaltig ihre Investitionen sind. Eine wichtige Orientierungshilfe. Ganz bewusst können wir nämlich heute beispielsweise in Unternehmen investieren, die dem Circular-Economy-Ansatz folgen. Als Privatkunde ist das natürlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein, doch bereits heute berücksichtigen institutionelle Investoren und Finanzinstitute wie die LGT Nachhaltigkeitskriterien bei Geldanlagen. Gemeinsam können wir so Einfluss auf die weltweiten Finanzströme nehmen, diese mit unseren bewussten Investitionen in Richtung Nachhaltigkeit lenken und dazu beitragen, das Wirtschaftswachstum vom Energie- und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Und das geht nur, weil uns hochentwickelte Software zur Verfügung steht, mit derer Hilfe wir die entsprechenden Auswertungen durchführen können.

Fazit: Die Digitalisierung ist für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft Herausforderung und Chance zugleich. Wir müssen verantwortungsvoll mit ihr umgehen – und umdenken. Ziemlich sicher bleiben wir kleine Nimmersatts. Wir sollten uns jedoch überlegen, wie wir unsere freien Ressourcen einsetzen, ohne die Umwelt noch mehr zu belasten.

Hier finden Sie weitere Informationen Nachhaltigkeit bei LGT

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Nachhaltiges Investieren“, die LGT auf ihrer Nachhaltigkeitsseite im Internet veröffentlicht. Folgen Sie uns auf Linkedin und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Beitrag erscheint.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 6. Dezember 2017 | Die Börsenblogger

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