Diskreter Wohlstand: Luxus unter Tarnkappen

Diskreter Wohlstand: Luxus unter Tarnkappen 

Bildung, Gesundheit und Fitness – das ist für immer mehr reiche Menschen der wahre Luxus. Keine schlechten Prioritäten für 2020, selbst wenn man kein sieben- oder achtstelliges Depotvolumen sein Eigen nennen darf.

Wer über besonders skurrile Ausprägungen des Geizes spricht, landet oft augenzwinkernd bei der legendären Comicfigur Dagobert Duck. Die wahrscheinlich reichste Ente der Welt soll nach dem Willen ihrer Schöpfer zum Beispiel abends in den Mülltonnen gewühlt haben, um sich die bereits entsorgten Tageszeitungen als kostenlose Lektüre zu sichern.

Doch auch in der realen Welt gibt es viele Anekdoten über angeblich kauzige Superreiche, deren exaltierte Sparmarotten abwechselnd für Erheiterung und Kopfschütteln sorgen. Da wundert man sich, dass der inzwischen verstorbene Gründer eines bekannten schwedischen Möbelhauses nicht mit einer Luxus-Limousine, sondern einem uralten Volvo durch die Gegend gurkte. Und man erzählt sich, der Gründer und Inhaber eines der weltweit grössten Discounters ermahne Besucher in der Hauptverwaltung, beim WC-Besuch bitte nach Möglichkeit nur ein Papierhandtuch zu benutzen.

Wohlstand unterhalb des Radars

So amüsant derartige Anekdoten auch sein mögen, die meisten von ihnen sind doch an den Haaren herbeigezogen. Was manche als exzentrische Sparsamkeit interpretieren, ist lediglich eine Prioritätenverschiebung von Menschen, die sich und anderen nichts mehr beweisen müssen. An die Stelle von Bling-Bling sowie Pomp und Protz tritt das, was Wissenschaftler als „Tarnkappen-Luxus“ bezeichnen. Der Begriff stellt eine Analogie zu den militärischen Stealthflugzeugen her, die aufgrund ihrer ausgeklügelten Technik vom gegnerischen Radar nur sehr schwer erfasst werden können. Heisst im übertragenen Sinne: Menschen mit sehr grossem Vermögen bleiben gern unter dem Radar ihrer Mitmenschen.

Sie bevorzugen zum grossen Teil die Produkte kleiner Manufakturen und denken zunehmend nachhaltig. Ganz im Sinne von Pierre-Alexis Dumas, seines Zeichens Kreativdirektor von Hermès. Für ihn ist Luxus, „was man reparieren kann“. Die US-amerikanische Sozialforscherin Elizabeth Currid-Halkett spricht von „unauffälligem Konsum“. Auch bei vielen wohlhabenden Millennials im Alter bis Mitte 30 steht der „unauffällige Konsum“ höher im Kurs als bei den reichen Babyboomern.

In die Gesundheit investieren

Wohlhabende investierten vor allem in Bildung, Rente, ihre Gesundheit und Fitness, weiss Currid-Halkett. Kein Wunder also, dass eine Mitgliedschaft im exklusiven New Yorker Fitnessstudio Performix House mittlerweile schon mal bis zu 900 Dollar pro Monat kostet.

Eine solche Summe können oder wollen selbst gut verdienende Zeitgenossen sicher nicht auf Dauer aufbringen. Doch in die eigene Gesundheit zu investieren, ist bestimmt kein schlechter Vorsatz für das neue Jahr. Immerhin: Auch Dagobert Duck betätigte sich sportlich – indem er im Geld schwamm.

Leselink
Soziologische Gedanken zum „neuen Luxus“ von Ragnar Willer

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