Diskretionäre und systematische Manager: ein Prolog zur Debatte

Diskretionäre und systematische Manager: ein Prolog zur Debatte 

Artikel bewerten

Nehmen wir an, zwei Manager mit unterschiedlichen Investmentphilosophien möchten für ihre jeweilige Strategie werben. Ein Manager bietet eine systematische Strategie an, während der zweite als diskretionärer Manager von Fall zu Fall und situationsabhängig entscheidet. Beide haben erst vor kurzem angefangen, ihre Strategien umzusetzen. Sie können kaum auf eine genügend lange Reihe von bereits realisierten Renditen verweisen. Welche Mittel stehen den beiden Managern zur Verfügung, um potenzielle Investoren von der Wirksamkeit ihrer Strategien zu überzeugen?

Der systematische Manager

Eine Vermutung, welche der systematischen Strategie zugrunde liegt, wird in Form einer Regel formuliert. Zum Beispiel: Aktiengesellschaften mit einem tiefen „Buchwert/Preis“-Verhältnis (BV/P) werden diejenigen Aktiengesellschaften outperformen, die ein höheres BV/P-Verhältnis haben. Um eine solche Regel zu testen, berechnet man eine Reihe von fiktiven Renditen, die aus der Anwendung der Regel an historischen Daten entsteht. Diese sogenannten pro-forma Renditen sind äusserst attraktiv: Die zugrundeliegenden Regeln erzielen sehr gute Ergebnisse bei historischen Szenarien und legen insofern nahe, einen ähnlichen Erfolg auch in Zukunft erreichen zu können. Das verwundert nicht, denn wer würde in eine Strategie investieren, die rückblickend keine überzeugenden Ergebnisse liefern konnte? Das Vorgehen der systematischen Manager ist zwar berechtigt, aber gleichzeitig ein wenig irreführend. Allerdings hat man keinen anderen Weg, als eine historische Simulation heranzuziehen, um das Erfolgspotenzial der Strategie, das heisst die Gültigkeit der Vermutung, zu testen.

Der diskretionäre Manager

Wie versucht der diskretionäre Manager für seinen Ansatz zu werben? Er kann – im Gegensatz zum systematischen Manager – nicht auf eine simulierte Rendite-Reihe verweisen. Oder doch? Kann ein diskretionärer Manager sich fragen, welche Ergebnisse hätte ich erzielt, wenn ich ein Portfolio zum Beispiel mit Aktien X,Y,Z, usw. in den letzten 10 Jahren verwaltet hätte? Nein, Entscheidungen von Fall zu Fall können nicht rückwirkend auf ein virtuelles Portfolio angewendet werden. Wenn die Preisentwicklung bekannt ist, wird jeder Versuch seitens des diskretionären Managers, die Ergebnisse zu modellieren, unglaubwürdig. Für ihn bleibt nur der wahre, reelle Erfolg seiner Strategie als überzeugendes Argument für seine Fähigkeiten, Geld erfolgreich verwalten zu können.

Wieso ist für eine Regel die a posteriori Kenntnis weniger unproblematisch? Wie zuverlässig sind pro-forma Renditereihen? Und kann der diskretionäre Manager wirklich keine Hinweise für die Gültigkeit seines Ansatzes liefern? Auf diese Fragen werde ich in meinem nächsten Blog-Beitrag eingehen und sowohl einen diskretionären als auch einen systematischen Manager zu Wort kommen lassen.

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 10. April 2017 | Die Börsenblogger

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.