Diversifikation – eine empirische Betrachtung 

Artikel bewerten

Im letzten Blog-Beitrag habe ich mich mit «Diversifikation» aus einer abstrakten Perspektive auseinandergesetzt. Im Sinne einer Begriffsanalyse ist Diversifikation relativ und deshalb auch die Möglichkeit eines vollständigen diversifizierten Portfolios. Empirisch betrachtet sind für eine effektive Diversifikation exakte Informationen über das Portfolio nötig und können sich Korrelationseigenschaften über die Zeit verändern.

Allerdings waren Investoren während der Erscheinung des letzten Beitrages – im September 2014 – eher mit der praktischen Seite der Diversifikation beschäftigt, denn sowohl Aktien- als auch Anleihenmärkte erlebten einen schwierigen Monat. Nehmen wir das Beispiel eines amerikanischen Investors, der ein Portfolio aus 60 Prozent Anleihen und 40 Prozent Aktien hält: Im September hätte er einen Verlust von -1.3 Prozent verbuchen müssen (10y Treasury: -1.2%, S&P 500 (TR): -1.4%). Die Notwendigkeit von Diversifikation wird vor allem in solchen Monaten deutlich, aber wie hätte ein Investor den September besser überstehen können? Indem er zum Beispiel auf die Diversifikationsvorteile von CTA-Strategien (Commodity Trading Advisor-Strategie) gesetzt hätte.

Diese regelbasierten Strategien, welche versuchen Trends in den verschiedenen Anlageklassen auszunutzen, waren im September positiv. Wie konnte dieses positive Ergebnis erzielt werden? Dank der Managed Accounts Platform kann man die Renditetreiber genau identifizieren. (Hinweis: Die Entwicklung in der Vergangenheit ist weder eine Garantie noch ein Indikator für aktuelle oder zukünftige Ergebnisse.)

Die grössten Beiträge lieferten aus Positionen in Währungen, Edelmetallen und Agrarrohstoffen. Wenn man noch genauer hinschaut stellt man folgendes fest:

  • Währungen: grösster Beitrag aus long-USD Positionen gegenüber EUR und JPY. Im September setzte der US-Dollar seinen Kurs fort wertete in der elften Woche in Folge gegenüber anderen Währungen auf. Zuletzt konnte man solch einen Trend über einen vergleichbar langen Zeitraum 1967 beobachten. Der Euro und der Yen haben jeweils ihren Tiefstand gegenüber dem Dollar der vergangenen 14 Monaten resp. 6 Jahre erreicht.
  • Edelmetalle: grösster Beitrag aus short Silber Positionen. Der erstarkte US-Dollar hat auch die Kurse der Edelmetalle beeinflusst und Silber verlor im September beispielsweise 13 Prozent.
  • Agrarrohstoffe: grösster Beitrag aus short Weizen Positionen. Der Preis ist im September aufgrund verschiedener Analyseergebnisse gefallen, welche nahelegen, dass es erhebliche Ernteüberschüsse geben wird.

Diese positiven Beiträge konnten die Verluste in Aktien- und Zins-Positionen wettmachen.
Ein Monat wie dieser zeigt, welch grosse Diversifikationsvorteile diese Strategien haben. Sie sind breit über alle Anlageklassen diversifiziert und können Trends auf der Long- und Short-Seite ausnutzen. Als Aktien und Anleihen unter Druck waren, haben CTAs die Aufwertung des US-Dollars oder fallende Preise bei Silber in unkorrelierte, positive Renditenquellen umgemünzt.

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 16. Oktober 2014 | Die Börsenblogger
  2. Alexander Wolf at 19:14

    Hallo! Ich halte die Diversifikation ebenfalls sehr wichtig bei der Geldanlage. Denn dadurch wird das Gesamtrisiko auf mehrere Positionen verteilt. Leider ist das vielen Privatanlegern nicht wirklich bewusst. Interessanter Blog übrigens, ich habe ihn gerade erst entdeckt und werde ab jetzt öfter mal vorbei schauen! Weiter so. Viele Grüße, Alex

    • Stefano Lecchini
      Stefano Lecchini at 10:01

      Hallo Alex,
      vielen Dank für dein Feedback. Es freut uns sehr, wenn wir dich hier öfter begrüssen dürfen.
      Die Diversifikation soll tatsächlich auch für Privatanleger im Mittelpunkt der Portfolio-Konstruktion sein.

      Viele Grüsse
      Stefano Lecchini

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.