Das High-Tech-Produkt namens Dollar

Das High-Tech-Produkt namens Dollar 

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Münzgeld ist lästig: Wir haben immer dann zu viel davon, wenn unser Geldbeutel aus allen Nähten platzt, und immer dann zu wenig, wenn wir vor der Parkuhr stehen. Dabei sind Münzen vor allem eines: High-Tech.

Die grösste Münzstätte der Welt steht in Philadelphia, von 1790 bis 1800 Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika. Die United States Mint prägt den «Lincoln Penny», den «Jefferson Nickel», den «Dime», den «Quarter Dollar», den «Kennedy Half Dollar», den «Native American Dollar» und, 2007 als Ersatz für den «Greenback» genannten Dollarschein gedacht, den «Presidential Dollar», dessen Rückseite die Freiheitsstatue zeigt und auf dessen Vorderseite jedes Jahr vier neue Porträts ehemaliger US-Präsidenten prangen. Im Startjahr 2007 waren es George Washington, John Adams, Thomas Jefferson und James Madison; in diesem Jahr sind es Warren G. Harding, Calvin Coolidge, Herbert Hoover und Woodrow Wilson.

Der Weg von der Idee zur Dollarmünze ist lang. Am Anfang steht der Entwurf des Künstlers, eine Zeichnung mit klaren räumlichen Konturen, nach ersten Skizzen minutiös ausgeführt mit dem Stift direkt auf dem Bildschirm des Zeichencomputers. Dann ist der Skulpteur an der Reihe: Er verwandelt die Zeichnung in ein dreidimensionales Flachrelief aus Ton, das danach in Gips gegossen und in mühevoller Kleinarbeit verfeinert wird. Augenbrauen, Hautfältchen, Haarsträhnen – all die liebevollen Details dienen weniger der Ästhetik als vielmehr der Fälschungssicherheit.

Dieses Relief hat immer noch die Grösse eines Tellers; die Reduktionsmaschine verkleinert den fertigen Entwurf nun auf einen Zwölftel. Das Gerät besteht im Wesentlichen aus einem Stift, der feinste Erhebungen und Vertiefungen des Gipsentwurfs abtastet und über ein komplexes Getriebe an eine Gravurnadel weitergibt. Auf diese Weise entsteht binnen dreier Tage die erste Stahlform in Originalgrösse, die sogenannte «Reduktion». Sie besteht aus gehärtetem Stahl und zeigt das Münzbild als Positiv; durch das Pressen ungehärteter Prägestempel entstehen die für die Münzherstellung nötigen Negativformen, je eine für die Vorder- und die Rückseite.

Nun werden die vorgestanzten Münzrohlinge, die «Ronden», erhitzt und gerändelt: Der vorstehende Rand der Münze wird das aufwändige Relief vor allzu rascher Abnutzung schützen. Am Ende verwandelt die Prägemaschine die Ronden schliesslich in Münzen, pro Presse 750 Stück pro Minute: Einer der Münzstempel ist fest angebracht, der andere wird mit hohem Druck auf den Rohling gepresst. Am Ende wird der Wahlspruch der USA, «In God we trust», auf die Münzkante geprägt, und fertig ist die nagelneue Dollar. Zusammen mit weiteren 11 Milliarden Umlaufmünzen pro Jahr kann er endlich an Banken und Sammler ausgeliefert werden.

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