Dualer Stimulus: Fast wie Helikoptergeld

Dualer Stimulus: Fast wie Helikoptergeld 

Notenbanken und Regierungen weltweit haben ihre Geldtaschen geöffnet, um ihre Volkswirtschaften vor den Folgen des Corona-bedingten Lockdowns zu retten. Ihre Stimuli sind derart massiv, dass man fast von Helikoptergeld sprechen könnte.

Aufgrund der Lockdowns in den wichtigsten globalen Volkswirtschaften – verschuldet durch die Covid-19-Pandemie – ist der aktuelle Wirtschaftszyklus im Vergleich zu anderen Rezessionen einzigartig.

Nach der Vollbremsung kommt der Wiederaufstieg

Für das globale Wirtschaftswachstum kam die jüngste Kontraktion einer schnellen Seilbahnfahrt vom Berggipfel hinab gleich. Der Wiederaufstieg bzw. das Erklimmen des Gipfels wird aber nun zu Fuss erfolgen und nicht bequem via Seilbahn. Der Aufstieg dürfte daher signifikant länger dauern als die rasante Talfahrt. Ob es nun zu einer V-, U- oder W-förmigen Erholung kommt, ist aus heutiger Sicht schwierig abzuschätzen. Wir erwarten aber eine kontinuierliche Verbesserung aufgrund des dualen Stimulus. Denn die Covid-19-Krise hat Stimuli-Programme von Zentralbanken und Regierungen ausgelöst, welche in der modernen Zeitrechnung als beispielslos bezeichnet werden können.

Quantitative Geldlockerung 2.0

Schon vor der Corona-Krise waren die Bilanzen der wichtigsten Notenbanken im historischen Vergleich aufgeblasen. Dies immer noch als Folge bzw. Nachwehen der grossen Finanzkrise (GFK) vor mehr als zehn Jahren. Die Währungshüter sind der Auffassung, was damals funktioniert hat, wird auch dieses Mal zum Erfolg führen. Das Resultat ist beeindruckend und kommt in Abbildung 1 zum Ausdruck.

Abbildung 1

Im Vergleich zur GFK wurden nun die Bilanzen nicht nur stärker ausgedehnt, sondern auch viel schneller. Die Zentralbanken betreten somit absolutes Neuland. Hinzu kommt, dass sich auch die Rhetorik der US-Notenbank stark verändert hat und nun absolute Aussagen wie «uns wird die Munition niemals ausgehen» ins Repertoire genommen wurden. Diese Art der Kommunikation kannten die Marktteilnehmer bislang nur vom ehemaligen Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi. Die ursprünglichen Mandate der US-Notenbank und der EZB werden immer weiter ausgedehnt und ihr Einfluss immer grösser – und ja, es kommt einer Manipulation schon sehr nahe. Wegen der Einzigartigkeit der Covid-19-Krise hat der Stimulus der Notenbanken aber nicht genügt und die Regierungen der G4-Nationen und China waren gefordert.

Fiskalstimulus wie in Kriegszeiten

Im Vergleich zur GFK bewegen sich die Fiskalstimuli der G4-Nationen und China in neuen Dimensionen (Abb. 2). Als neutraler Betrachter könnte der Eindruck entstehen, dass sich die einzelnen Staaten bzw. Regionen in einem Wettbewerb befinden: Wer schnürt das grösste Konjunkturpaket, um die Wirtschaft vor den katastrophalen Folgen der Covid-19-Krise zu schützen?

Abbildung 2

Die USA verzeichnete zuletzt im zweiten Weltkrieg ein derartiges Budgetdefizit im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt. Auch in der Eurozone sind die Maastricht-Kriterien schon fast zur Makulatur verkommenen, denn unter dem Label «Pandemie» ist derzeit jeder Betrag bzw. jedes Budget mehrheitsfähig. Kein Politiker möchte in diesem brisanten Umfeld seine Wähler enttäuschen. Die Konsequenzen sind massiv, werden aber für den Moment medial wie auch mental stark verdrängt. Mittel- bis langfristig wird aber «jemand» diese Zeche zahlen müssen.

Mit dem dualen Stimulus sind wir nicht mehr weit vom Helikoptergeld entfernt, einer extremen Form der expansiven Geldpolitik, bei dem das neu geschaffene Zentralbankgeld direkt an Staat und Bürger verteilt wird. So haben Regierungen (Fiskalpolitik) und Notenbanken (Geldpolitik) seit dem Ausbruch der globalen Pandemie gegen 18 Billionen US-Dollar in die Wirtschaft gepumpt. Um dies in Relation zu setzen: Dies ist, als ob wir seit Beginn der Neuzeitrechnung – also in den vergangenen 2020 Jahren – jede Stunde einen Betrag von einer Million US-Dollar ausgegeben hätten. In der Tat ein astronomischer Betrag, der kaum fassbar ist und viele neue Fragen aufwirft.

Dualer Stimulus nahe am Helikoptergeld

Derartige Summen müssen die Kapitalmärkte massiv beeinflussen, und sie tun es auch. So haben wir in den letzten Monaten eine starke Erholung bei Aktien gesehen – die Flut hebt alle Boote an. Es ist aber Vorsicht angebracht, denn wenn dieser Stimulus in den kommenden Monaten abebben wird und die Helikopter am Boden bleiben, dann wird ein wichtiger Unterstützungsfaktor für die Märkte fehlen. Dann wird sich nämlich die Spreu vom Weizen trennen oder anders gesagt: Bei allen Anlageklassen wird der Anleger sehr selektiv seine Titel aussuchen müssen.

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Monika Wernli at 11:07

    Also ich hab nicht so ganz den Durchblick, wie es in Europa läuft, aber in Amerika ging der Grossteil der Hilfsgelder (ca. 85%) an Grosskonzerne und Millionäre, während 40 Mio Amerikaner aus dem Niedriglohnsektor nicht nur ihren Job, sondern auch ihre Krankenversicherung verloren haben. Und die Situation wird sich noch verschlimmern, wenn jetzt demnächst die Arbeitslosengeld-Aufstockung und das Mietenmoratorium auslaufen…
    Eine sehr kurzsichtige Politik, den eine auf Konsum basierte Wirtschaft braucht Konsumenten…

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.