Wenn Kirchenglocken zu Geld gemacht werden

Wenn Kirchenglocken zu Geld gemacht werden 

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Vom billigen „Alu-Chip“ bis hin zur wertvollen Platin-Münze: Es gibt kaum ein (Edel)-Metall, das in den vergangenen Jahrhunderten noch nicht in den Geldbörsen oder in den Schatullen von Sammlern gelandet wäre. Mal wurden Kirchenglocken eingeschmolzen, mal neue Legierungen ausprobiert. Eine der ältesten Münzen besteht aus der eher exotischen Legierung Elektron.

Revolutionären ist eben nichts heilig. Zu Zeiten der französischen Revolution beschlagnahmte der Staat Kirchenglocken, um aus der eingeschmolzenen Bronze Münzen herzustellen. So wurde zum Beispiel im Jahr 1792 in Straßburg das 12 Denier-Stück (ein Sou) aus Glockenmetall geprägt. Die dabei verwendete Bronze bestand aus Kupfer und einem bis zu 25prozentigen Anteil an Zinn. Die Kirchenglocken wurden zur Münzenherstellung konfisziert, weil die anderen Bronzematerialien überwiegend der Waffenherstellung dienten.

Heute bestehen die gängigen Anlagemünzen durchweg aus Edelmetallen, also Gold, Silber und Platin. Vergleichweise selten sind Palladiummünzen. Zu den bekanntesten gehört die Ballerinaserie aus Russland. In der Geschichte indessen gab es nur wenige Metalle, aus denen keine Münzen geprägt worden wären. Ob Eisen, Blei, Aluminium, Bronze oder Nickel – alles wurde im wahrsten Sinne des Wortes zu Geld gemacht.

Auf das große Geld hoffte vermutlich auch der deutschstämmige Metallurge und Chemiker Lewis Feuchtwanger, der in den 1830er Jahren in New York Haushaltsgegenstände aus einer eigenen, nickelhaltigen Metalllegierung verkaufte. Er nannte es anfangs „American Silver“ und später „Feuchtwanger’s Composition“. Was für die Küche gut ist, kann für die Geldbörse nicht schlecht sein, dachte sich Feuchtwanger und schlug dem amerikanischen Kongress sein nickelhaltiges „American Silver“ als Münzmetall vor – angeblich in besonderer Weise geeignet für 1- und 3-Cent-Münzen. Doch die Kongressmitglieder ließen sich darauf nicht ein.

Ganz anders die Schweiz: Dort wurde ab 1881 mit dem 20-Rappen-Stück die erste Münze aus reinem Nickel hergestellt und in Umlauf gebracht, Die Trite-Münze aus dem Kingdom of Lydia zwischen 650 und 561 v. Chr. dürfte eine der ältesten Münzen sein. Sie bestand aus Elektron, einer natürlich vorkommenden Gold-Silber-Legierung.

Als besonders billig galten Münzen aus Aluminium. Weltweit die erste Kursmünze aus diesem Metall wurde mit dem 1/10-Penny-Geldstück ab 1907 für Britisch West Afrika geprägt. Sie galt unter anderem in den britischen Teilen Kameruns, in Togo, Gambia und Sierra Leone. Allzu viel hielt man von diesen Münzen offenbar nicht, denn angeblich wurden sie im Laufe der Jahre vor allem als Unterlegscheiben beim Aufnageln von Wellblech verwendet. Später tauchten Münzen aus diesem Metall dann als „Alu-Chips“ in den Geldbörsen der Bürger in der ehemaligen DDR auf.

Relativ neu ist die Verwendung des erst im Jahr 1977 patentierten Materials „Nickel Bonded Steel“ (NBS). Der südamerikanische Ministaat Aruba, unweit von Venezuela, brachte 1995 zu Ehren der niederländischen Königin eine Münze aus NBS heraus. So exotisch das Material auch klingen mag, von hohem numismatischen Wert ist diese Münze nicht. Sie kostet aktuell nur ein paar Euro.

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