Einstein und die Finanzwelt

Einstein und die Finanzwelt 

Ich benutze diesen Blog-Text als eine Art Pinnwand, an die ich ein paar Zettel mit Beobachtungen klebe, die ich in der letzten Zeit gemacht habe.

1. Die spezielle Relativitätstheorie Einsteins (SRT) und die Schweizerische Nationalbank (SNB)

Die Geburtsstunde der SRT und der SNB liegen zeitlich (Herbst 1905) und geographisch (Bern) so nah beieinander, dass man fast behaupten könnte, sie seien Zwillinge:

Es scheint weit hergeholt, dass eine physikalische Theorie und eine wirtschaftliche Institution etwas gemeinsam haben. Ich wage trotzdem, einen gemeinsamen Nenner in dieser (fast) Zwillingsgeburt zu finden: Denn beide Zwillingskinder hatten die Aufgabe, ihrem jeweiligen System ein stabiles Fundament zu geben. Im Fall der SNB sollte die neu erschaffene Bank dem schweizerischen Banken- und Geldsystem Stabilität verleihen. Die SRT hingegen entstand, um Inkonsistenzen aufzulösen, die im Zuge der Zusammenführung der damaligen Systeme der Mechanik und der Elektrodynamik aufgetreten waren.

Beide „Kinder“ sind heute über 100 Jahre alt und sie scheinen gesund und wohlauf zu sein. Ein Zeichen dafür, dass sie bis jetzt ihre Aufgabe hervorragend erfüllt haben. Die Frage bleibt, ob es sich bei den beiden Institutionen um zufällig Gleichaltrige handelt, oder um Zwillinge, deren Existenzen miteinander verbunden sind. Womit wir bei der nächsten Notiz zum fundamentalen Weltgeschehen wären.

2. Bildung und Finanzen

Eine Studie vom Januar 2009 hat die historische Entwicklung des Bildungs- und Entlohnungsniveaus in der US-Finanzbranche relativ zum allgemeinen Arbeitsmarkt untersucht.

Die folgende Graphik zeigt entsprechende Verlaufskurven von 1910 bis zu 2005:

Relative Wage and Education in the Financial industry

Das akademische Niveau in der Finanzindustrie ist demnach bis zur „Great Depression“ gestiegen, ab den 1930er Jahren sank das Bildungsniveau über Jahrzehnte hinweg und verharrte schliesslich auf einem tieferen Niveau. Die Liberalisierung der Märkte in den 1980er Jahren sorgte wieder für einen Anstieg. Damals scheint die Finanzindustrie ihre Anziehungskraft für akademische, gut ausgebildete Personen wieder gefunden zu haben. Die Studie berücksichtigt Daten bis 2005: in den vergangenen 25 Jahren stieg die akademische Qualifikation in der Finanzindustrie rasant an. Wir alle wissen was im Jahr 2008 auf den Finanzmärkten passiert ist – leider fehlt uns die Datenbasis zur entsprechenden Bildung der Köpfe im Finanzwesen. Sonst läge die Überlegung nahe, ob das Bildungsniveau vielleicht seinen Platz unter den Indikatoren finden sollte, welche herangezogen werden, um die nächste Blase oder einen Börsencrash vorauszusagen.

Ob die Schweizer Nationalbank und die Relativitätstheorie Zwillinge sind, haben wir damit natürlich noch nicht bewiesen. Setzt man aber diese beiden Beobachtungen in Zusammenhang, kann man froh sein, dass Einstein nicht 20 Jahre später geboren wurde. Statt 1905 die SRT zu entdecken, wäre er womöglich um 1925 als frischgebackener ETH-Absolvent in die Finanzindustrie gewechselt. Mit sehr negativen Konsequenzen: Die „Great Depression“ hätten wir sowieso gehabt, aber wir müssten vielleicht noch heute auf die Entdeckung der speziellen Relativitätstheorie warten.

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