Eintracht macht stark

Eintracht macht stark 

Artikel bewerten

Die Idee des Anlagefonds geht auf einen Bankenzusammenbruch zurück.

Oft muss zuerst etwas passieren, bevor etwas geschieht. Das gilt auch für die Finanzmärkte: 28 Jahre jung war der holländische Börsenhändler Adrian van Ketwich, als er miterlebte, wie 1772 die schottische Ayr-Bank und in deren Gefolge weitere britische und niederländische Banken wegen Klumpenrisiken in ihren Kreditportefeuilles Pleite gingen. Nicht nur die Banken, sondern auch viele Bankkunden verloren teilweise ihr gesamtes Vermögen. Van Ketwich zog aus dieser Finanzkrise die richtigen Lehren: Er übertrug das kaufmännische Prinzip der Risikostreuung auf Kapitalanlagen. 1774 lud er Investoren zur Zeichnung von 2000 Anteilen des weltweit ersten Anlagefonds ein. Der Fonds hiess «Eendragt Maakt Magt», auf Deutsch Eintracht macht stark. Er richtete sich vermutlich eher an kleinere Anleger und der Name war Programm: Indem mehrere Investoren ihr Vermögen bündelten, konnten sie ihre Anlagen und damit auch ihre Risiken breit streuen und waren damit viel besser gegen den Zusammenbruch eines einzelnen Investments geschützt.

Wie bei heutigen Anlagefonds gab es einen Gründungsprospekt, der eine «gute und stets ordentliche Führung» vom Portfoliomanager verlangte und festlegte, in welche Anlagen der Fonds investieren durfte. Die 2000 Anteile wurden in 20 Klassen unterteilt. Jede Klasse sollte aus mindestens 20 verschiedenen Wertschriften bestehen. Von keinen einzelnen Titel sollten mehr als drei Anteile gekauft werden und soweit möglich musste darauf geachtet werden, dass die einzelnen Titel gleich gewichtet waren.

Die Geschicke dieses ersten Fonds und ähnlicher, die bald darauf lanciert wurden waren eng mit ihrem wichtigsten Investment verbunden, der Finanzierung von Plantagen in der Karibik. Der 4. Englische Krieg von 1780 verringerte den Wert dieser Anlagen und führte zu Dividendenkürzungen. 1799, also am Ende der auf 25 Jahre festgelegten Laufzeit des Eendragt Maakt Magt, lag der Kurs deutlich unter dem ursprünglichen Ausgabepreis. Die Investoren erklärten sich damit einverstanden, mit die Liquidierung zu warten, bis der Fondspreis wieder auf mindestens 100 Prozent des Nominalwerts von 500 Gulden anstieg. Obwohl sie sich lange gedulden mussten, lohnte sich ihr Entscheid letztlich: Zwar sank der Preis bis 1811 weiter bis auf ein historisches Tief von rund 125 Gulden. Dann allerdings erholte er sich wieder. 1824, also gut 50 Jahre nach der Lancierung, wurde den verbliebenen Investoren ein Liquidierungssumme von immerhin 561 Gulden ausbezahlt. Obwohl also nicht alles plangemäss lief, ist die Geschichte doch ein schönes Beispiel für zwei Anlagegrundsätze, die auch heute noch gelten: Erstens: Risiken sollten nicht nur nach Titeln, sondern auch geografisch und nach Branchen diversifiziert werden. Und zweitens: Es lohnt sich, beim Anlegen einen langen Atem zu haben.

Leselinks:
Wirtschaftsprofessor K. Geert Rouwenhorst von der Yale School of Management hat die Geschichte der ersten Anlagefonds detailliert untersucht.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 16. Juni 2015 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 21. Juni | Pipsologie

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.