ESG-Derivate: Nachhaltiges Investieren in Terminkontrakte

ESG-Derivate: Nachhaltiges Investieren in Terminkontrakte 

Nachhaltiges Investieren ist bei den Investoren längst angekommen. Nun tut sich auch einiges im Derivatemarkt. Doch sind diese neuen Kontrakte bereits Alternativen zu den klassischen Produkten?

Durch den grundlegenden Wohlstandstransfer an eine jüngere, umweltbewusstere Generation steht bei vielen Finanzdienstleistern die Integration von ESG-Kriterien mittlerweile ganz oben auf der Agenda. Investoren achten bei der Geldanlage zunehmend auf die Themen Umweltschutz, soziales Verhalten und faire Unternehmungsführung. Immer mehr Investoren springen auf den Zug auf und das Thema Nachhaltigkeit ist allgegenwärtig.

Im Bereich der direkten Aktieninvestments lassen sich ESG-Kriterien relativ leicht integrieren. Firmen können daran gemessen werden, ob sie im Einklang mit der Umwelt wirtschaften (Environment) – bei Wertschätzung von Gesellschaft und Mitarbeitern (Social) und unter Einhaltung von Richtlinien zur Unternehmungsführung (Governance). Schwieriger ist die Beurteilung in den übrigen Anlageklassen oder anderen Instrumenten wie Terminkontrakten. Aber auch hier wird an Lösungen gearbeitet, um beispielsweise einem Futures Investor eine saubere Anlage zu bieten. Die Ausgangslage ist aber eine andere.

Standardisierte, unbedingte Terminkontrakte

Ein Terminkontrakt, oder auch Futures-Kontrakt, ist ein Übereinkommen zwischen zwei anonymen Marktteilnehmern, einem Verkäufer und einem Käufer. Dabei verpflichtet sich der Verkäufer, eine bestimmte Menge eines Finanzinstrumentes oder einer Ware zu einem bestimmten Preis und Zeitpunkt zu liefern. Umgekehrt muss der Käufer das zugrundeliegende Instrument respektive die Ware per Liefertermin abnehmen. Bei Gold-Futures-Kontrakten basiert der Kurs beispielsweise auf dem Preis einer Feinunze Barrengoldes, dessen Erfüllungstermin in der Zukunft liegt. Der Futures-Kurs ist somit ein börslich ermittelter Referenzpreis einer zukünftigen Transaktion und unterscheidet sich vom momentanen Marktwert des zugrundeliegenden Instruments.

Derivate auf dem ESG-Prüfstand

Aus ESG-Perspektive ist der Handel mit Derivativen, wie Futures-Kontrakten, aus verschiedenen Gründen unproblematischer als der Handel mit Cash-Instrumenten. So veräussern Händler von Rohstoff-Futures diese normalerweise vor Ablauf der Terminfrist, um das Halten der physischen Ware zu umgehen. Wie im Beispiel zuvor ist der Finanzinvestor nicht an der Goldbarre interessiert, sondern an der Preisbewegung des Terminkontrakts. Daher haben Futures längerfristig keinen Einfluss auf das Produktions- respektive Preisniveau des zugrundeliegenden Rohstoffs und sind aus ESG-Perspektive unproblematisch. Bei Aktien-Futures kommt noch dazu, dass diese im Gegensatz zu direkten Aktieninvestments den Firmen kein Working-Capital zur Verfügung stellen und damit keine umstrittenen Businessmodelle unterstützen.

Kurzfristig können Terminkontrakte aber sehr wohl die Spotpreise beeinflussen. Einerseits müssen die Zuflüsse in den Derivatemarkt mit physischen Lagerbeständen gedeckt werden. Andererseits können die Preisbewegungen an den Terminbörsen das Verhalten der Anbieter beeinflussen und dazu führen, dass diese die Produktion verzögern oder Waren horten. Wie gross dieser Einfluss tatsächlich ist, ist nicht klar. Es scheint aber, dass dieser historisch gering war, denn es gibt keine wesentlichen Unterschiede der Volatilität von börsen- respektive ausserbörslich gehandelten Rohstoffen.

Steigendes Angebot an nachhaltigen Terminkontrakten

Trotzdem, durch den Anstieg des verantwortungsvollen Investierens über die letzten Jahre hinweg, arbeitet auch die Derivatebranche an Lösungen. Die Nasdaq lancierte bereits im Oktober 2018 einen Terminkontrakt auf eine Version des „OMX Stockholm 30 Index“, welcher Unternehmen mit geringen ESG-Standards ausschliesst. Dies war der erste börsennotierte, ESG-konforme Terminkontrakt weltweit. Mittlerweile hat die Nasdaq weitere ESG-Futures auf den dänischen, norwegischen und finnischen Aktienindex lanciert. Zudem sind andere Anbieter, wie die CME und Eurex, mit ihren eigenen ESG-Terminkontrakten in den Markt eingestiegen.

Leider beschränken sich diese neuartigen Terminkontrakte bisher auf den Aktiensektor. So gibt es noch keine Rohstoff-Futures auf Bio-Rinder oder Soja aus nachhaltigem Anbau. Auch im Bereich der festverzinslichen Anlagen fehlt es an ESG-Derivaten.

Anforderungen an die Korrelation und Liquidität

Das Angebot ist also limitiert und die Anforderungen der Investoren beträchtlich. Die Erfahrung mit den ersten ESG-konformen Terminkontrakten zeigt, dass diese hauptsächlich die folgenden zwei Merkmale aufweisen müssen, um erfolgreich zu sein. Einerseits ist es wichtig, dass die ESG-Version eine hohe Korrelation zum gewünschten Exposure hat und Investoren keine Rendite aufgeben. Analysen haben ergeben, dass ESG-Ausschlüsse die Performance auf dem Terminmarkt nicht beeinträchtigen. Der Praxisvergleich unterstreicht dieses Bild. Die Renditen vom „E-mini S&P 500“ und dem „E-mini S&P 500 ESG“ respektive dem „Stoxx Europe 600“ und dem „Stoxx Europe 600 ESG“ sind praktisch identisch:

Data: Bloomberg, LGT. SLBA Index: E-mini S&P 500 ESG Futures; ESA Index: E-mini S&P 500 Futures.
Data: Bloomberg, LGT. FUEA Index: Stoxx Europe 600 ESG Futures; SXOA Index: Stoxx Europe 600 Futures.

Zudem ist es wichtig, dass die Kontrakte zahlreich gehandelt werden und genügend Liquidität vorhanden ist. Im Gegensatz zum klassischen „E-mini S&P“-Kontrakt hat der „E-mini S&P 500 ESG“-Kontrakt aber ein viel geringeres tägliches Handelsvolumen. Geplante Transaktionen können darum nicht immer schnell und kostengünstig umgesetzt werden.

Nachhaltige Derivate als Chance

Das fehlende Handelsvolumen widerspiegelt das noch geringe Interesse an diesen ESG-Terminkontrakten. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass der Handel mit Derivaten unproblematischer ist als jener mit Cash-Instrumenten. Zudem sind die ESG-Terminkontrakte noch nicht lange im Markt. Das grosse Wachstum von ESG-bezogenen Produkten wird zukünftig aber auch keinen Halt vor Derivaten machen. Das wachsende Interesse wird deren Attraktivität steigern und für grössere Investoren interessant machen. Das Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft unseres Planeten wächst und die Finanzbranche hat die Möglichkeit die Zukunft durch positive Veränderungen mitzugestalten. Nachhaltige Derivate können einen Teil dazu beitragen.

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