ESG-Kriterien: Integration auf mehreren Ebenen

ESG-Kriterien: Integration auf mehreren Ebenen 

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Immer mehr Investoren beziehen sogenannte ESG-Faktoren in ihre Anlageentscheidungen ein. Die Qualität der Nachhaltigkeitsanalyse hängt dabei davon ab, welche Daten für die Bewertung der Anlagen verwendet und wie diese miteinander verknüpft werden.

Viele Anleger sind heute davon überzeugt, dass sich die Integration von Kriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance – kurz ESG-Kriterien – positiv auf die risikobereinigte Rendite eines Investments auswirkt. Die Bewertung der Anlagen anhand dieser Kriterien ist dabei eine Wissenschaft für sich. Wie nachhaltig ein Unternehmen oder eine Organisation agiert, kann nämlich auf verschiedenen Ebenen analysiert werden. Beispielsweise kann man das Management oder den laufenden Betrieb des Unternehmens anhand von ESG-Faktoren beurteilen, oder aber dessen Produkte und Dienstleistungen. Unterschiede ergeben sich auch aus den verwendeten Datenquellen: Beruhen diese auf eigenen Angaben des Unternehmens oder werden sie von unabhängigen Dritten erhoben?

Transparenz als Schlüssel zu nachhaltigen Anlagen

In den vergangenen Jahren hat die Menge der zur Verfügung stehenden Daten zur Beurteilung der Nachhaltigkeit von Geldanlagen deutlich zugenommen. So werden heute öffentlich zugängliche ESG-Daten von etablierten Informationsanbietern wie beispielsweise Thomson Reuters oder Bloomberg gebündelt. Zudem stellen Anbieter von Nachhaltigkeitsresearch und Ratings wie MSCI, Sustainalytics oder ISS-oekom umfangreiche Bewertungsmodelle für Nachhaltigkeitsdaten zur Verfügung.

Das grössere Datenangebot erhöht die Transparenz bezüglich Nachhaltigkeit und ermöglicht Investoren eine holistischere Sichtweise auf die Aktivitäten von Unternehmen und deren Nachhaltigkeitsentscheidungen. Dies bedingt aber, dass man diese Datenfülle in den richtigen Zusammenhang setzt und geschickt für eine umfassende Analyse nutzt.

ESG-Cockpit: Kontroversen als Gradmesser der Wirklichkeit

Bei LGT Capital Partners sind wir bestrebt, die bestehenden Analyseansätze in Sachen ESG laufend zu erweitern. Deshalb haben wir 2008 beschlossen, unser eigenes „ESG-Cockpit“ zu entwickeln, mit dem wir Wertpapiere systematisch nach ESG-Kriterien beurteilen und auswählen. Mit diesem Tool analysieren wir aktuell rund 6500 Unternehmen, mit steigender Tendenz.

Mit der ersten Version des ESG-Cockpits konnten wir eine Vielzahl verschiedener Leistungskennzahlen eines Unternehmens anhand der ESG-Kriterien analysieren. Diese Analyse umfasste rund 20 Themenbereiche wie Emissionen und Abfälle oder Arbeitsbedingungen. Um die ESG-Analyse weiter zu verbessern, haben wir später beschlossen, zusätzlich Informationen zu aktuellen Kontroversen rund um das Unternehmen, wie beispielweise Vorwürfe betreffend Korruption oder Umweltverschmutzung, ins ESG Cockpit einzubeziehen. Hierfür verwenden wir Daten von mehr als 80 000 Informationsquellen in 16 Sprachen, die von einem spezialisierten Research-Unternehmen bereitgestellt werden. Diese Daten stammen von einer Vielzahl externer Informationsquellen wie Medien oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Das Monitoring ermöglicht eine unabhängige Kontrolle der Absichten und Ziele eines Unternehmens im ESG-Bereich quasi in Echtzeit und gibt uns heute ein ganzheitlicheres Bild davon, inwiefern das von uns analysierte Unternehmen nachhaltig wirtschaftet.

Die jüngste Ergänzung des ESG-Cockpits sind die Leistungskennzahlen von Produkten und Dienstleistungen eines Unternehmens. Die drei verschiedenen Analyseperspektiven – die Betrachtung der Betriebsführung, das Monitoring von bekannten Kontroversen sowie die Analyse der Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen – geben uns die Möglichkeit, ein Unternehmen einer umfassenden ESG-Beurteilung zu unterziehen.

Der nächste Erweiterungsschritt des ESG-Cockpits wird der Einbezug der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen sein. Hier möchten wir messen, inwiefern sich unsere Investitionen positiv oder negativ auf die Erreichung der 17 Ziele auswirken.

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