ESG – eine Schweizer Erfindung

ESG – eine Schweizer Erfindung 

Den Anstoss gab Kofi Annan als Generalsekretär der Vereinten Nationen. Dass der Managementansatz, der ökologische und gesellschaftliche Aspekte in die Unternehmensentscheidungen einbezieht, auf den Namen ESG hört, geht jedoch auf einen Schweizer zurück.

Beim letzten Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) des vergangenen Jahrtausends in Davos stellte der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan den United Nations Global Compact vor. Der zwischen Unternehmen und den Vereinten Nationen (UNO) geschlossene Pakt zielte darauf ab, die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten. Nachdem 50 multinationale Unternehmen gewonnen waren, startete bereits Mitte 2000 die operative Phase. Mittlerweile verzeichnet der UN Global Compact weltweit über 13 000 Mitglieder – neben Unternehmen auch Forschungseinrichtungen, Wirtschafts- und Arbeitnehmerverbände sowie Kommunen.

Die grosse Tragweite der Finanzwirtschaft

Der UN Global Compact sollte ein erster Schritt sein, der nächste folgte im Jahr 2004. Der UN Global Compact bezog sich auf alle Branchen. Kofi Annan erkannte jedoch bereits damals die grosse Tragweite, welche die Finanzwirtschaft auch in ökologischer Hinsicht hat. Er schrieb über 50 CEOs wichtiger Finanzinstitute an und lud sie zu einer gemeinsamen Initiative unter der Schirmherrschaft des UN Global Compact ein, um Nachhaltigkeitskriterien in die Kapitalmärkte zu integrieren. Die entsprechende Grundlage sollte eine Studie liefern.

„Who Cares Wins“ definiert ESG-Kriterien

Das Mandat dafür holte die Schweizer Regierung ins Land, und ein Jahr später wurde der Bericht mit dem Titel „Who Cares Wins“ vorgestellt. Sein Autor: der Finanzanalytiker Ivo Knoepfel, damals Head of Corporate Environmental Management and Climate Change Adviser bei einem Schweizer Rückversicherer. Der Bericht zeigte, dass die Einbettung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren in die Kapitalmärkte wirtschaftlich sinnvoll ist und zu nachhaltigeren Märkten und besseren Ergebnissen für die Gesellschaft führt.

Gleichzeitig erstellte das UN-Umweltprogramm (United Nations Environment Programme, UNEP) den sogenannten „Freshfield Report“, der zeigte, dass ESG-Themen für die finanzielle Bewertung relevant sind. Beide Berichte bildeten 2006 das Fundament für die Einführung der Principles for Responsible Investment (PRI) an der New Yorker Börse. Ein Jahr später folgte die Gründung der Sustainable Stock Exchange (SSE) Initiative.

ESG als stehender Begriff

Mittlerweile darf man getrost von einem Siegeszug sprechen. Aktuell haben rund 1700 Vermögensverwalter, darunter auch die LGT, die UN-PRI-Richtlinien unterschrieben. Zu Beginn waren dies nur 100 Institutionen. Heute gilt Nachhaltigkeit zumindest bei institutionellen Anlegern eindeutig als Mainstream und „ESG“ ist ein stehender Begriff. Der Erfinder dieses für Environment, Social und Governance stehenden Akronyms ist weitgehend unbekannt. „Ich empfinde die Erfindung eines Akronyms nicht so sehr als besondere Errungenschaft“, erklärte Ivo Knoepfel im Interview mit dem Fachmagazin Institutional Money – und eigentlich möge er Akronyme nicht besonders.

Im Rahmen der neuen Studie von LGT Capital Partners, ESG to SDGs: the road ahead, wurden über 200 alternative Anleger aus mehr als 25 Ländern unter anderem dazu befragt, ob sie ESG-Kriterien bei ihren Entscheidungen berücksichtigen und wie sie diese Kriterien in der Zukunft umzusetzen planen: SDGs bei Investoren hoch im Kurs.

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