Eugene Fama: Nobelpreis für eine Hypothese voller Widersprüche? 

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Eugene Fama, der Vater der Effizienzmarkthypothese (EMH), hat den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaft mit zwei weiteren US-Wirtschaftsprofessoren erhalten. Damit scheint die EMH im Olymp des Wissens angekommen zu sein. Und das, obwohl die Grundstruktur dieser Hypothese nicht unproblematisch ist, birgt sie doch in sich Widersprüche. Aber schauen wir uns das doch mal genauer an:

Es gibt verschiedene Versionen der EMH. In der Grundform sagt sie folgendes aus: Der Preis einer Aktie zur Zeit «t+1» kann nicht mit dem Informations-Set, das zum Zeitpunkt «t» verfügbar ist, vorhergesagt werden. Die Variationen der EMH hängen davon ab, wie das Informations-Sets «S» definiert ist, das man für die Annahme verwendet:

  • S(1) = historische Preis-Zeitreihen -> schwache Form der EMH
  • S(2) = öffentlich verfügbare Information -> semi-starke Form der EMH
  • S(3) = alle Information (öffentlich und privat) -> starke Form der EMH

Die Vertreter der EMH sehen die Ursache für die Unvorhersehbarkeit des Preises darin, dass der aktuelle Preis die zum Zeitpunkt «t» verfügbaren Information über ein Unternehmen bereits vollständig wiederspiegelt und das Vorhandensein neuer Information zum Zeitpunkt «t + 1» unverzüglich im neuen Preis abgebildet wird.

Es gibt allerdings eine Gruppe von Investoren, die kaum an die EMH glaubt. Long/Short Equity Manager stützen ihre Strategien zum Beispiel auf Informations-Sets, die vor allem auf dem in S(2) und S(3) beschrieben beruhen. Auf dieser Grundlage wollen sie konsistente, positive Renditen erzielen. Sie vertreten die Ansicht, dass es sehr wohl möglich ist, die Preisentwicklung einer Aktie aufgrund einer vertieften Datenanalyse vorauszusagen. Gerade diese Investoren, die nicht an die EMH glauben, tragen dazu bei, dass die relevanten Informationen in den Aktien-Preisen zum Zeitpunkt «t+1» abgebildet werden. Die Uneinigkeit und die Differenzen über die EMH sind somit eine notwendige Bedingung für ihre Gültigkeit: um die EMH als eine wahre Hypothese zu betrachten, muss man annehmen, dass es eine Gruppe von Investoren gibt, die nicht an diesen Ansatz glaubt und die daher durch ihre Verarbeitung von Informationen (was nach der EMH nicht möglich oder sinnvoll ist) die Effizienz der Märkte steigert. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass jemand der an die EMH glaubt, gleichzeitig starke Argumente finden kann, um dieselbe Hypothese in Frage zu stellen.

Mit diesen Widersprüchen rund um die EMH hat sich der Philosoph Roy A. Sorensen vor über dreissig Jahren in einer Analyse im „The Journal of Portfolio Management“ ausgiebig und aufschlussreich befasst. Dass Philosophen in Wirtschaft-Fachzeitschriften Artikel veröffentlichen, ermöglicht eine spannende Erweiterung der Perspektive und ist nur zu begrüssen – ganz unabhängig davon, ob die Nobelkommission diese liest oder nicht.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 14. November 2013 | Die Börsenblogger

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