Finance-Information-Overload: Warum uns Quantität nicht besser macht

Finance-Information-Overload: Warum uns Quantität nicht besser macht 

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In der Informationsgesellschaft von heute ist auch der Laie schnell und umfangreich zu Entwicklungen an den Kapitalmärkten informiert. Aber hilft das „Mehr“ an Marktinformationen wirklich dabei, das „Richtige“ zu erkennen und damit besser zu entscheiden?

Die wichtigen 5 – 10 Prozent

Die pure Quantität der Informationen gibt sicherlich keinen Aufschluss darüber, ob der Finanzmarktteilnehmer von heute besser informiert ist, als es seine Väter oder Grossväter vor ihm gewesen sind. Der renommierte US-Professor Steve Hanke bezeichnete unlängst 90 bis 95 Prozent der heutigen Informationsflut schlichtweg als „Noise“ oder sogar als irreführend. Mit Fake-News hat dies aber wenig zu tun, sondern nur mit der Feststellung, dass ein Grossteil der Informationen die Kapitalmärkte bestenfalls auf Tagesbasis beeinflusst, aber null Konsequenzen mittel- bis langfristiger Natur hat.

Marktinformationen und die Kunst der Relevanz

Schnell wird der erfahrene Marktakteur mit einer gewissen Prise Pragmatismus zur Schlussfolgerung kommen, dass die wirklich wertvollen Informationen diejenigen 5 bis 10 Prozent sind, welche die Märkte – Aktien, Obligationen oder Währungen – mittel- bis langfristig beeinflussen. Die Krux am Ganzen ist einerseits, dass diese nicht immer die gleichen sind, sondern je nach Wirtschaftszyklus variieren. Andererseits besteht die wahre Herausforderung in der Abschätzung, wann die Märkte eine bestehende Information als relevant erachten und wann nicht. Eine Information kann schon seit Wochen im Markt vorhanden sein, aber wird noch nicht als kursrelevant erachtet. Zu antizipieren, wann und in welchem Ausmass sich die Interpretation der Märkte ändert, ist die hohe Schule der Prognose.

Interpretieren ist wichtiger als Informieren

Ein patentiertes Rezept für Relevanzprognosen gibt es nicht. Eine Markt-Information wird von den diversen Finanzexperten jeweils anders interpretiert, so wie einige das Glas halb voll andere halb leer betrachten. Gerade diese unterschiedlichen Sichtweisen sind dafür verantwortlich, dass die einen Verluste und die anderen Gewinne machen. Beim Eintreffen von relevanten Informationen ist auch immer die Reaktion des Marktes zu beobachten: Ist diese bereits im Vorfeld antizipiert worden, kommt sie plötzlich und wirkt sich unmittelbar aus oder wird sie erst in den darauffolgenden Tagen eingerechnet? Es gibt da weder einen einfachen noch einen schnellen Weg.

Auf jeden Fall ist der Ausgangspunkt ein solides Zahlenset bestehend aus Top-Down- wie auch Bottom-Up-Daten. In Kombination mit einer gebührenden Kapitalmarkterfahrung kann der individuelle Marktteilnehmer dann eine gute Prognosefähigkeit entwickeln und mit der Zeit immer besser Relevanz und Wirkung voraus interpretieren. Der Schlüssel liegt also bei jedem selbst und der Fähigkeit, mit Daten und Erfahrung Entwicklungen zu antizipieren und fundiertere Prognosen zu entwickeln, als es der Mainstream tut.

LGT Anlageexperten analysieren laufend Trends und Entwicklungen an den Finanzmärkten, um LGT Kunden bei ihren Anlageentscheidungen optimal zu unterstützen. Hier finden Sie aktuelle Marktinformationen auf einen Blick.
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