Finanzberatung: Bei Risiken und Nebenwirkungen…

Finanzberatung: Bei Risiken und Nebenwirkungen… 

Bei Fragen zur Gesundheit wendet man sich an den Arzt, um die Steuerklärung kümmert sich der Steuerberater und bei Finanzfragen geht man zur Bank. Im Schnitt 15 Mal pro Jahr haben Private-Banking-Kunde und Bankberater Kontakt – per Telefon, E-Mail oder bei persönlichen Treffen. Dass die vermögenden Bankkunden trotzdem mit der Beratung nicht ganz zufrieden sind, zeigt der aktuelle LGT Private Banking Report.

15 Kontakte pro Jahr – das ist nicht wenig, finde ich. Bei Privatbanken sprechen bzw. schreiben sich Kunde und Berater sogar noch häufiger, wie ein Vergleich zwischen den Bankengruppen zeigt. Hier kommt es zu durchschnittlich 31 Kontakten pro Jahr (Grossbanken: 18, andere Banken: 12) – also fast jede zweite Woche!

Kontakt mit dem Kundenberater 

Interessant ist dabei der Unterschied zwischen den österreichischen und den Schweizer Befragten was die Initiative zur Kontaktaufnahme anbelangt: In der Schweiz kontaktieren 42 Prozent der Private-Banking-Kunden ihren Kundenberater selbst, in Österreich sind es 56 Prozent. Die österreichischen Privatbankkunden sind in diesem Zusammenhang also viel aktiver. Noch grössere Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschlechtern. Die Frauen nehmen wesentlich häufiger die Zügel in die Hand: 46 Prozent der befragten Private-Banking-Kundinnen geben an, in der Regel selbst den Kundenberater zu kontaktieren (Männer: 29 Prozent), nur 34 Prozent der weiblichen Befragten warten, bis sich der Kundenberater bei ihnen meldet (Männer: 50 Prozent).

Eine bessere Rendite dank Beratung

Inhaltlich geht es in den Beratungs- und Telefongesprächen sowie im E-Mail-Verkehr zwischen Kunden und Beratern vorwiegend um die Renditeentwicklung der Anlagen, die langfristig-strategische Ausrichtung des Portfolios und um kurzfristig-taktische Anlageentscheidungen. Erzielen möchten die Private-Banking-Kunden dank der Beratung vor allem eines: eine bessere Rendite. Seit Jahren ist dies – egal ob die Börsen florieren oder ob es an den Märkten bergab geht – eines der wichtigsten Beratungsbedürfnisse. Und meiner Meinung nach ein durchaus verständliches. Denn wenn mit Hilfe des Bankberaters nicht mehr Rendite herausschaut, als wenn man sein Portfolio selbst verwaltet, warum sollte man dann überhaupt eine Beratung in Anspruch nehmen?

Die in der Studie befragten Private-Banking-Kunden sind leider der Ansicht, dass ihr Bedürfnis, dank der Beratung eine bessere Anlagerendite zu erzielen, bestenfalls mittelmässig erfüllt wird – das sollte den Banken zu denken geben. Auf einer Skala von 0 bis 10 geben die Schweizer Befragten beim Erfüllungsgrad nur eine 5.3, die österreichischen Befragten sogar nur eine 4.9. Hier müssen die Banken in Zukunft nachlegen.

Etwas besser erfüllt sind die für Private-Banking-Kunden ebenfalls wichtigen Bedürfnisse in der Beratung, Transparenz und Unabhängigkeit.

Beratungsbedürfnisse - Relevanzranking und Erfüllungsgrad (Schweiz)

Immer weniger Wert wichtig ist Private-Banking-Kunden bei der Beratung der Aspekt der Diskretion. Dieses Bedürfnis hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung verloren – beim LGT Private Banking Report 2010 war es noch das zweitwichtigste Beratungsbedürfnis, bei der Befragung 2012 rangierte es auf Platz 3 und in der aktuellen Studie ist es nur noch das fünftwichtigste Bedürfnis.

Loyalität gegenüber Berater nimmt zu

Die Beurteilung des Beraters fällt bei den Schweizer und österreichischen Kunden recht positiv aus. Rund Dreiviertel der Befragten sind mit ihrem Kundenberater zufrieden, halten ihn für fachlich kompetent und finden ihn sympathisch. Die Loyalität der Kunden gilt denn auch oft eher ihrem Berater als dem jeweiligen Bankinstitut: auf jeden Fall gaben 2014 im Durchschnitt 18 Prozent der Befragten an, dass sie ihrem Kundenberater bei einem Bankwechsel folgen würden, 2012 waren es noch 11 Prozent.

Fazit ist, dass die Banken sich permanent um Beratungsqualität bemühen müssen – davon kann es nicht genug geben. Es reicht nicht aus, sich häufig zu treffen und detailliert über Anlagen und Märkte zu sprechen. Schliesslich möchte man mit seinem Arzt auch nicht nur über die Grippe, den Ausschlag oder die Rückenschmerzen philosophieren, sondern mit seiner Hilfe gesunden. Die Bankberatung muss noch konsequenter auf das eine Ziel einer besseren Performance ausgerichtet werden, sei es indem die Kompetenzen der Bankberater regelmässig geschult werden oder ihre Unterstützung durch Fachstellen noch verbessert wird. Nur wenn das gelingt, wird die Beurteilung der Beratungsqualität in unserer nächsten Studie nicht mehr nur zufriedenstellend ausfallen, sondern gut bis sehr gut.

Der LGT Private Banking Report ist am 21. Mail 2014 erschienen. In regelmässigen Blogbeiträgen betrachte ich verschiedene Aspekte und Ergebnisse der Studie. Das nächste Mal werde ich mich näher mit dem Thema Nachfolgeplanung beschäftigen.

Bereits erschienene Beiträge zum LGT Private Banking Report:

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: LGT Studie: Zufriedenheit ist die Währung im Private Banking « LGT Finanzblog
  2. Pingback: Bankdaten für «big brother»? « LGT Finanzblog

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