Finanzfasten: Die einen sparen, die anderen spenden

Finanzfasten: Die einen sparen, die anderen spenden 

Vor Kurzem hat die 40-tägige Fastenzeit bis Ostern begonnen. Viele verzichten auf Alkohol und Süssigkeiten, doch manche versuchen sich auch mit Finanzfasten – der Diät für die Geldbörse.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Von wegen. Zwar ging in der vergangenen Woche die Narretei – jedenfalls die offizielle – in dieser Saison zu Ende, was bei überzeugten Karnevalisten regelmässig für etwas Wehmut sorgt. Dafür begann die Fastenzeit. Und dieser selbst gewählte Verzicht bis Ostern erlebt seit Jahren einen regelrechten Boom. Fasten bedeutet eben längst nicht mehr, nur auf alkoholische Getränke oder Süssigkeiten zu verzichten. Nachhaltiges und ökologisches Fasten steht seit Jahren hoch im Kurs. Das kann bedeuten, ein paar Wochen das Auto stehen zu lassen und in öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen („Autofasten“), oder aber – wo immer es geht – auf Verpackungen zu verzichten („Verpackungsfasten“). Wer es sich leisten kann, versucht seine im Internet verbrachte Zeit zu reduzieren („Internetfasten“).

Geldbörse auf Diät setzen

Und dann wäre da noch die Diät für die Geldbörse, das sogenannte Finanzfasten. Es bedeutet nicht nur, auf bestimmte Annehmlichkeiten zu verzichten, wie zum Beispiel auf das Essen in einem guten Restaurant, um damit Geld zu sparen. Finanzfasten heisst auch, seine Ausgaben zu kontrollieren und überflüssigen finanziellen Ballast abzuwerfen. Braucht man etwa eine bestimmte Versicherungspolice noch, oder ist das Risiko schon längst entfallen? Gibt es keine günstigere Alternative zu dem aktuellen Mobilfunkvertrag? Wollte man eigentlich nicht schon immer auf die Zigarre nach dem Menü verzichten, um Geldbeutel und Gesundheit zu schonen? Und muss man immer seiner Sammelleidenschaft nachgeben? Diese und andere selbstkritische Fragen stellt sich der Finanzfastende.

Wer hingegen für gemeinnützige Zwecke sparen möchte, besinnt sich vielleicht auf die alte Tradition des Fastenopfersäckleins, die bis heute in vielen Familien gepflegt wird. In einer bewusst schlicht gehaltenen Papiertüte wird während der Fastenzeit Geld gesammelt. In der Regel am Palmsonntag können die Fastenopfersäcklein während der Gottesdienste in die Körbe für die Kollekte gelegt werden. Wer’s lieber bargeldlos mag, überweist die angesparte Summe einfach.

Mit Cappuccino-Fasten zur Million?

Eher dem eigenen Geldbeutel zugutekommen soll die sogenannte Cappuccino-Formel, die ein deutscher Finanzautor vor einiger Zeit seinen überraschten Lesern vorstellte – und die auch etwas mit Fasten zu tun hat. Wer demnach konsequent auf diese wohlschmeckende Mischung aus Espresso und Milchschaum verzichtet, kann Millionär werden. Huch, so einfach ist das? Aber wir ahnen es: Die Sache hat einen Haken. Erstens dauert das „Cappuccino-Fasten“ dann nicht nur von Aschermittwoch bis Ostern, sondern sage und schreibe 25 Jahre lang. Und man muss eine Anlageform finden, die in der gesamten Fastenzeit 10 Prozent Zinsen p.a. einbringt. Ausserdem braucht man einen wichtigen Partner – ein Finanzamt, das den Cappuccino-Verzicht mit „Steuerfasten“ belohnt. Ziemlich unrealistisch. Deshalb: Fasten in all seinen Varianten mag Seele und Körper guttun. Für den Vermögensaufbau darf’s hingegen ruhig etwas üppiger ausfallen.

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