Finanzmärkte: Trumps Wahlsieg als Wachstumssignal?

Finanzmärkte: Trumps Wahlsieg als Wachstumssignal? 

Nach einer kurzen Schockreaktion haben die Finanzmärkte die Wahl des umstrittenen Immobilienmoguls Donald Trump zum US-Präsidenten positiv aufgenommen. Ein Blick auf seine Wirtschaftsversprechungen und die traditionell grosszügige Haushaltspolitik der Republikaner zeigt: Die Finanzmärkte reagierten durchaus logisch.

In den USA sind seit dem Ende des zweiten Weltkriegs die Staatsausgaben und Infrastrukturinvestitionen unter republikanischen Präsidenten in der Regel stärker gestiegen, als unter demokratischen. Die nicht-militärischen Bruttoinvestitionen wuchsen unter Republikanern im Schnitt um knapp 5 Prozent pro Jahr, im Vergleich zu etwas mehr als 3 Prozent unter den Demokraten. In der zweiten Amtszeit von Präsident Barack Obama (D) sanken die Investitionen sogar, was erst zweimal der Fall war: in der jeweils ersten Amtszeit von Dwight Eisenhower (D) und Richard Nixon (R). Nehmen wir den staatlichen Konsum dazu, dann wuchs dieser unter republikanischen Präsidenten um knapp 2.1 Prozent pro Jahr, im Vergleich zu etwas mehr als 1.8 Prozent unter ihren demokratischen Kollegen. Und wie gesagt: Die Militärausgaben sind hier ausgenommen.

Trumps grossspurig klingendes Versprechen, doppelt so viel wie Hillary Clinton in den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur investieren zu wollen, ist also durchaus glaubwürdig – gerade deswegen, weil die Republikaner nun neben dem Repräsentantenhaus auch die Mehrheit im Senat halten. Etwas sarkastisch ausgedrückt: Der Kongress scheint nur dann sparfreudig zu sein, wenn es darum geht, die Ausgabenpläne der Demokraten zu durchkreuzen.

Dazu kommt, dass die Zinsen auf einem historischen Tiefststand verharren, der US-Dollar stark ist und liquide, praktisch risikolose Anlagen – aufgrund der weltweit grosszügigen Anleihenkäufe der Notenbanken – knapp sind. Die US-Regierung scheint also nicht nur willens zu sein, sich im grossen Stil in der eigenen Währung zu verschulden, auch die Marktbedingungen dafür sind günstig.

Trumps erste Rede nach dem Wahlsieg wurde sehr positiv aufgenommen, weil er sowohl aussen- wie auch innenpolitisch einen versöhnlich-freundlichen Ton gewählt und seine Konjunkturinvestitionspläne betont hatte. An den Finanzmärkten machte sich Erleichterung breit.

Doch welche Elemente des Trump-Siegs erklären diese positive Reaktion der Märkte?

  • Entscheidungsfreudige und handlungsfähige Regierung:
    Im Kongress gibt es klare Mehrheitsverhältnisse. Zumindest bis zu den nächsten Wahlen in zwei Jahren ist den Republikanern die Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus gesichert.
  • Protektionistische Massnahmen traten rhetorisch in den Hintergrund:
    Dadurch werden auch die im schlimmsten Fall erwarteten Handelskriege als unwahrscheinlich angesehen. Ein Restrisiko bleibt, da Trump selbst existierende Handelsabkommen kritisierte und von Zöllen gegenüber China, Mexiko und anderen Ländern sprach. Kommentare der wirtschaftspolitischen Beratern aus dem Umfeld Trumps, wie etwa von Wilbur Ross, lassen jedoch vermuten, dass Trump hier pragmatisch vorgehen will.
  • Steuersenkungen:
    Trump will sowohl Unternehmenssteuern als auch Einkommen- und Lohnsteuern senken und die steuergünstige Repatriierung von rund zwei Billionen US-Dollar im Ausland gehaltener Firmengewinne bewerkstelligen. Die Unternehmenssteuer soll von 35 Prozent auf bis zu 15 Prozent sinken. Diese Vorstellungen sollen weitgehend mit den Ansichten der Republikaner im Repräsentantenhaus kompatibel sein. Das könnte dazu führen, dass amerikanische Unternehmensgewinne in Zukunft eher im eigenen Land bleiben und dort investiert oder zumindest verwaltet werden. Die Steuereinnahmen aus der Repatriierung sollen in die Infrastruktur fliessen.
  • Staats- und Militärausgaben:
    Wie hoch das Infrastrukturinvestitionsprogramm letztlich ausfallen wird, ist nicht klar. Nach Trumps Wahlkampfaussagen wäre jedoch alles unter 500 Milliarden US-Dollar möglicherweise eine Enttäuschung. Ebenfalls sollen die Rüstungsausgaben steigen, wovon nicht nur die Waffenindustrie profitieren würde.
  • Inflationstolerante Federal Reserve:
    Diese Massnahmen könnten kurz- bis mittelfristig umso wirksamer ausfallen, je länger die US-Notenbank bei ihrer zögerlichen Zinserhöhungspolitik bleibt. Ohne den Ausblick auf grosszügige Staatsausgaben und öffentliche Investitionen weckte die Ankündigung von Zinserhöhungsabsichten in den letzten zwei Jahren oft deflationäre Gespenster. Gehen wir jedoch davon aus, dass Trump seine Pläne weitgehend verwirklichen kann, dürfte diese Gefahr gebannt sein. Die derzeitige Haltung der Fed wäre angesichts des ausgabenfreundlichen Kurses des Weissen Hauses tendenziell sogar eher zu wenig streng.

Schlussendlich kann Trumps Wahlsieg als eine de facto Lockerung der monetären Bedingungen aufgefasst werden. Das lieben die Märkte natürlich und das verschafft den Aktien und den Inflationserwartungen einen Auftrieb. Die Tatsache, dass die langfristigen Marktzinsen nach der Wahl deutlich stärker gestiegen sind als die kurzfristigen Zinsen, unterstreicht diesen inflationären Erwartungseffekt des Wahlsiegs. Inflationsswaps und inflationsgekoppelte Anleihen suggerieren ebenfalls eine inflationstolerante Haltung der Fed.

Ungeachtet der Kontroversen um die Ansichten oder den politischen Stil des Wahlsiegers (welche auch nicht meinen persönlichen Präferenzen entsprechen), ist es Trump gelungen, bereits wenige Stunden nach Bekanntgabe des Ergebnisses zumindest fürs Erste ein deutliches Wachstumssignal zu setzen.

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Bild: By Max Goldberg CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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