Fintech for Good: Können neue Technologien die Welt verbessern?

Fintech for Good: Können neue Technologien die Welt verbessern? 

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Neue Technologien sind zunächst ein grosses Versprechen auf neue Märkte und gute Geschäfte. Bei Finanzanwendungen könnten sie sogar soziale und ökologische Probleme lösen helfen.

Zaatari, Grenzregion zwischen Jordanien und Syrien. Als vor rund sieben Jahren die ersten Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien in die kleine jordanische Wüstengemeinde kamen, fehlte es ihnen am Nötigsten: Wasser, Zelte, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung. Heute ist aus dem eilig errichteten Provisorium im Wüstensand eine Stadt mit rund 80 000 Einwohnern geworden, die viertgrösste auf jordanischem Boden. Die Grundversorgung der Bewohner konnte bald gesichert werden, dafür schuf ihre rasant wachsende Zahl neue Probleme: Weder Hilfsorganisationen noch die jordanische Verwaltung verfügten über die nötige Infra-Struktur, um den Menschen eine Perspektive über das nackte Überleben hinaus zu ermöglichen. Vor allem finanzielle Unterstützung erreichte selten wirklich Bedürftige und viele Projekte und Initiativen zur Linderung der wirtschaftlichen Not scheiterten mangels Finanzierung. In der Folge blühten Schattenwirtschaft und Schwarzhandel. Das World Food Programme der Vereinten Nationen entschloss sich drauf hin, einen Neuanfang zu wagen, der statt weiterer Behörden, Hilfsgüter, Gutscheine und Polizeikräfte auf Technologie setzte.

Zaatari oder die Nothilfe 4.0

Szenenwechsel – in Supermarkt im Flüchtlingscamp: Seit Anfang Mai 2017 werden täglich mehrere Tausend Käufe im Supermarkt des Lagers über eine Blockchain abgewickelt. Bewohner des Camps erhalten nach einer persönlichen Identifizierung über einen Iris Scan eine mobile PIN, mit der sie direkt im Supermarkt einkaufen können. Jede Transaktion wird automatisch mit einem persönlichen Guthaben in der Blockchain verrechnet und dokumentiert. Die Finanztechnologie-Anwendung (Fintech) in Zaatari löst gleich mehrere Probleme der klassischen Flüchtlingshilfe: Sie identifiziert Bedürftige eindeutig, versorgt sie schnell, sicher und bedarfsgerecht mit Geld und ermöglicht darüber hinaus für das World Food Programme sogar das tagesaktuelle Finanz-Management. In Zukunft sollen auch Überweisungen von Familienangehörigen oder die direkte finanzielle Unterstützung von einzelnen Hilfsprojekten über die Blockchain möglich werden.

Fintech – for Good?

Die Blockchain von Zaatari steht für eine wachsende Zahl globaler Pilotprojekte, in denen moderne Technologien zur entscheidenden Logistik für Hilfsprojekte werden, Finanzierungshilfe dort leisten, wo klassische Banken nicht arbeiten können oder für effizienteren Ressourceneinsatz in Naturschutzprojekten und nachhaltiger Landwirtschaft sorgen. Blockchain oder Künstliche Intelligenz reduzieren dabei die teils immensen „Reibungsverluste“ klassischer Verteilungsketten und setzen knappe Mittel hocheffektiv ein. Fintech – also der technologiebasierten Finanzabwicklung – kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Immer mehr Gründer und Startups arbeiten unter dem gemeinsamen Banner „#Fintech4Good“ an vielversprechenden Technologien und Geschäftskonzepten für die Lösung sozialer und ökologischer Probleme. Möglicherweise sind es jedoch gar nicht die Technologien selbst, die damit die Welt wirklich verbessern – sondern die globale Zusammenarbeit Vieler, um sie umzusetzen.

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