Fintechs: Die digitale Revolution und ihre kreativen Kinder

Fintechs: Die digitale Revolution und ihre kreativen Kinder 

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Fintechs sind die Ideenschmieden für neue digitale Anwendungen im Finanzbereich. Doch die Revolution, die von ihnen ausgeht, könnte anders verlaufen als es die aktuellen Schlagzeilen vermuten lassen.

Noch vor wenigen Jahren glaubte man in den Zentralen der Versandhauskonzerne Quelle und Neckermann an die immerwährende Herrschaft des gedruckten Katalogs und an die Bestellung per Postkarte. Inzwischen sind die Giganten des klassischen Bestellwesens durch Online-Händler wie Ebay und Amazon abgelöst worden. Die Internet-Riesen gingen aus ehemals kleinen Start-ups hervor. Andere klassische Handelshäuser, wie beispielsweise die Schweizer Migros, erkannten früh die Chancen des digitalisierten Handels und bauten ihre Geschäfte dementsprechend um und aus. Wird sich die Geschichte der kleinen digitalen Davids in einem Markt der etablierten, aber bisweilen schwerfälligen Grossunternehmen auch im Finanzsektor wiederholen?

Weltweit versuchen rund 12 000 so genannter Fintechs, mit digitalen Technologien die Finanzgeschäfte der nächsten Generation zu entwickeln. Mit schnellen Webanwendungen, interaktiven Marktplätzen oder komfortablen Apps auf dem Smartphone besetzen sie Nischen jenseits des klassischen Bankgeschäfts. Die frühen Pioniere der Fintech-Szene konzentrierten sich meist auf die Vereinfachung des Zahlungsverkehrs. Inzwischen werden über Fintech-Projekte auch Kredite vergeben, Börsenkurse gemeinsam bewertet, Versicherungen oder Immobilien angeboten, Bitcoins gehandelt und vieles mehr.

Derzeit scheint es, als würde sich die Geschichte von Neckermann, Quelle und Co. im Finanzsektor nicht wiederholen. Zum einen sind viele Fintechs ausserhalb ihrer Nische auf die Infrastruktur von Banken angewiesen. Zum anderen haben viele Traditionshäuser den Weckruf der Fintechs verstanden und kooperieren mit Start-ups wie Gini, Easyfolio und Fintura. Finanzinstitute nutzen deren Innovationskraft und entwickeln so selbst bessere Apps und innovative Finanzprodukte, oder sie erschliessen gleich neue Geschäftsfelder. Die Start-ups profitieren umgekehrt vom Finanz-Know-how der Etablierten. Die Herausforderung durch Fintechs hat nicht nur neues Denken ausgelöst, sondern auch Milliarden-Investitionen in neue Technologien. Diese neue Dynamik durch Kooperation könnte zur eigentlichen Revolution im Finanzmarkt werden und eine andere verhindern, die für Banken wie Fintechs gleichermassen herausfordernd ist: Die Ausweitung des Herrschaftsbereichs von Internetriesen wie Google und Apple auf den Finanzsektor.

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