(F)internet der Dinge: Zahlen Sie mit Ihren guten Daten

(F)internet der Dinge: Zahlen Sie mit Ihren guten Daten 

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Siri, Alexa und Co. können längst mehr als die Wohnbeleuchtung regulieren und Einkäufe tätigen. Das Internet der Dinge wird erwachsen – mit ihm entsteht die Zukunft des Bezahlens.

Erinnern Sie sich noch an die ersten Handies? An jene ziegelsteingrossen Ungetüme von der Eleganz eines Toasters, die ihre Benutzer allein durch ihr Gewicht während des Telefonierens ins Schwitzen brachten? Möglicherweise schmunzeln kommende Generationen genauso, wenn sie auf den Zahlungsverkehr unserer Tage zurückblicken – denn das Internet der Dinge wird auch unseren Umgang mit Geld grundlegend verändern.

Die physische Welt und ihr digitaler Datenzwilling

Bis zu 25 Milliarden Geräte werden gemäss Studien in den kommenden vier Jahren nicht nur digital, sondern miteinander vernetzt sein. Kühlschränke werden zu Einkaufshelfern, Autos zu Datenplattformen und selbst unsere Kleidung zum tragbaren Gesundheitslabor, die nicht nur kleidet, sondern Klima reguliert und Körpertemperatur misst und notfalls sogar den nächsten freien Arzt kontaktieren kann. Die physische Welt wird durch das so genannte Internet der Dinge in ein digitales Paralleluniversum eingebettet, in dem zumindest potenziell alles mit allem verbunden ist: Gegenstände wie Smart Watches kommunizieren mit uns, aber auch untereinander, unsere Wahrnehmung wird virtuell ergänzt und angereichert, etwa wenn wir mit virtuellen Assistenten einkaufen. Jede unserer Handlungen wird von Datenströmen begleitet, die uns einerseits Entscheidungshilfen bieten, aber andererseits unser Verhalten permanent beobachten und auswerten. Diese Datafizierung aller Lebensbereiche eröffnet für unseren Umgang mit Geld völlig neue Möglichkeiten:

F(inanz)internet: Daten als Universalwährung

Das potenziell allumfassende Internet der Dinge wird die vielen „Medienbrüche“ und Zwischenschritte einer finanziellen Transaktion einfach mittels Datentransfers überbrücken können: Wir zahlen mit Daten und benötigen dafür weder physisches Geld, noch Börse, weder Bonitätsprüfung noch Kreditrahmen. Unsere vernetzten Geräte – egal ob Kleid, Brille oder Verkehrsmittel – sind in der Lage, jede Zahlung über die Datenautobahn abzuwickeln, Finanzcheck inklusive. Preis und Bezahlung benötigen noch unser Einverständnis – alles andere kann ohne unser explizites Zutun geschehen. Die schöne, neue, vernetzte Datenwelt löst viele Probleme des Zahlungsverkehrs, wie wir ihn heute kennen – aber sie schafft auch gravierende neue Herausforderungen: Unsere Identität wird zum entscheidenden Mosaikstein im digitalen Datenuniversum. Ihr Verlust ist viel gravierender als jeder verlorene Personalausweis, denn die allumfassende Vernetzung streut und potenziert auch die Risiken. Der Schutz digitaler Identitäten im Finternet der Dinge wird zu einer Schicksalsaufgabe für Finanzinstitute werden – und aller anderen Partner im globalen Datenuniversum.

Leselinks

  • Ralf Keuper setzt sich auf dem Blog Bankstil umfassend mit den Herausforderungen des digitalen Identitätsschutzes in der Finanzwelt auseinander (16.03.2018): The New Data Deal
  • Die amerikanische Unternehmensberatung Centric Digital präsentiert zahlreiche Anwendungsbeispiele für das „Finternet der Dinge“ (16.08.2017): Fin-ternet: Understanding the Internet of Financial Things

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