Schweizer Franken knackt 1.20-Meilenstein – SNB vor der Wende?

Schweizer Franken knackt 1.20-Meilenstein – SNB vor der Wende? 

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Der Schweizer Franken hat sich seit der überraschenden Freigabe des Wechselkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor gut drei Jahren erstmals wieder auf das damalige Niveau gegenüber dem Euro abgeschwächt. Was steckt dahinter?

Seit der kürzlichen Abschwächung des Schweizer Frankens dürfen nicht nur die Schweizer Wirtschaftsakteure, sondern insbesondere die helvetischen Währungshüter aufatmen, kämpften sie doch vehement gegen eine für die wichtige Exportwirtschaft schädliche Währungsaufwertung. Noch Anfang März hatte der EUR/CHF-Wechselkurs bei 1.15 notiert und nach der durch Marktdruck erzwungenen Freigabe der SNB-Kursuntergrenze am 15. Januar 2015 war er kurzzeitig erstmals mehr wert als ein Euro gewesen. Wieso hat sich der Franken jetzt nun abgeschwächt?

Mögliche Gründe

Zurückzuführen ist die Abschwächung des Frankens vor allem auf einen starken Euro. Dieser hat Aufwind erhalten, da in naher Zukunft von der Europäischen Zentralbank (EZB) eine weniger lockere Geldpolitik erwartet wird. Gleichzeitig hält die SNB beharrlich an negativen Leitzinsen fest. Zum schwächeren Franken haben daher zusammenfassend folgende Faktoren geführt:

  • Die ausserordentlich expansive Geldpolitik begleitet von Devisenmarktinterventionen, welche die SNB verfolgt.
  • Die geldpolitische Wende der EZB: Die EZB hat vor dem Hintergrund eines positiven Konjunkturausblicks in der Eurozone und eines global synchronen Wachstumsschubs die geldpolitische Wende eingeleitet und begonnen, ihre quantitative Lockerung (QE) zu beenden. Im ersten Halbjahr 2019 dürfte die Zentralbank dann auch die Zinsen erstmals anheben.
  • Der Risikoappetit der Anleger wurde in den vergangenen Jahren jeweils nur von relativ kurzen Phasen der Risikoaversion unterbrochen.
  • Die Kaufkraftparität des Frankens: Der Franken war aus Sicht einer erheblichen kaufkraftparitätischen Überbewertung reif für eine Korrektur. Die Kaufkraftparität des Frankens ist aktuell bei etwa 1.20.

Abwärts- wie auch Aufwertungspotenzial überschaubar

Der Schweizer Leistungsbilanzüberschuss, der nach wie vor geringe Inflationsdruck sowie der aufgrund aktueller geopolitischen Spannungen wiederauflebende Status der Schweiz als „sicherer Hafen“ dürften das weitere Abwärtspotenzial des Frankens begrenzen. Jedoch scheint auch das Aufwertungspotenzial überschaubar. Einerseits ist der Franken auf Basis der Kaufkraftparität nicht unterbewertet. Bei einer deutlichen Aufwertung würde zudem die SNB vermutlich wieder eingreifen. Phasen der Risikoaversion haben sich rückblickend zudem immer wieder als allenfalls temporäre Treiber für einen stärkeren Franken erwiesen und sorgten nicht für nachhaltige Verschiebungen im Wechselkursniveau.

Schlüssel bleibt die Notenbankpolitik

Zum Schluss bleibt die Notenbankpolitik der SNB – im Gefolge die EZB – ausschlaggebend für die weitere Kursentwicklung des Frankens. Dabei hat es die SNB nach aktuellen Aussagen von Direktoriumspräsident Thomas Jordan gar nicht eilig, ihre Geldpolitik anzupassen. Die Abschwächung des Frankens gehe zwar in die richtige Richtung, jedoch sei die Schweizer Währung immer noch ein „sicherer Hafen“, erklärte Jordan. Die Situation bleibe also fragil und anfällig für Veränderungen von einem Tag auf den anderen. Vor diesem Hintergrund bleibe die SNB vorsichtig. Sie sehe derzeit noch keinen Grund für eine Wende in ihrer geldpolitischen Ausrichtung. Die Rückkehr der grossen Zentralbanken zur geldpolitischen Normalität sei aber ein positives Zeichen und würde kleineren Volkswirtschaften helfen und in Zukunft mehr Handlungsspielraum geben.

Fazit
Die Abhängigkeit der SNB von externen Faktoren, insbesondere der EZB-Politik, aber auch geopolitischer Entwicklungen (Safe-Haven Effekt) bleibt bestehen. Es lässt sich jedoch sagen, dass sich Währungspaare längerfristig immer an der Kaufkraftparität orientieren. In diesem Falle sollte eine Abschwächung des Frankens der SNB längerfristig den Weg zu einer Normalisierung der schweizerischen Geldpolitik ebnen.
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