Frankreich: Der Wähler überrascht die Märkte positiv

Frankreich: Der Wähler überrascht die Märkte positiv 

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Die Märkte haben auf die erste Runde des französischen Präsidentschaftswahlkampfs mit Begeisterung reagiert – der Euro schnellte sofort nach Bekanntgabe der Ergebnisse kräftig nach oben. Noch stärker stiegen die Währungen der EU-Mitglieder, die (noch) nicht im Euro sind, vom polnischen Zloty bis hin zu den tschechischen, schwedischen und dänischen Kronen.

Aktien legten weltweit kräftig zu. Der Yen oder das Gold – die globalen Top-Favoriten der Risikoscheuen – wurden sofort abgestossen.

Aber warum diese «plötzliche» Begeisterung?

Das Wahlergebnis in Frankreich ist schliesslich genau wie prognostiziert ausgefallen. Dass sich die Wirtschaftsdaten im Euroraum stetig aufhellen, stellt ebenfalls nichts Neues dar. Es ist also offensichtlich, dass sich hinter dem Wahlergebnis etwas verbirgt, das von den Anlegern bisher nicht gänzlich gewürdigt wurde. Auch wenn mehrere Erklärungen möglich sind, überzeugt mich folgendes am meisten:

Unterschiede zu Brexit und Trump

Denken wir zunächst kurz an letztes Jahr zurück: Das Brexit-Referendum und der Wahlsieg von Donald Trump in den USA hatten die Finanzmärkte bekanntlich verunsichert, wenn auch nur sehr kurzfristig. Dabei lagen die Meinungsfragen eigentlich nicht wirklich falsch, wie oft salopp vereinfachend behauptet wird. Vielmehr fielen die tatsächlichen Wahlergebnisse in die extremen Pole der von den Statistikern angegebenen Bandbreite. Das beunruhigt natürlich. Es erinnert daran, dass viele Menschen ihre Meinung und Stimmung für sich behalten, was auf gesellschaftliche Spannungen, Entfremdungsprozesse und damit versteckte soziopolitische Brennpunkte hinweist.

Überraschende Berechenbarkeit

Das französische Ergebnis überraschte also eben genau damit, dass es praktisch kaum vom Durchschnitt der Prognosen abwich. Positiv ist das deswegen, weil es einerseits auf eine gewisse Stabilisierung der politischen Spannungen in Europa hinweist und andererseits die politische Berechenbarkeit zukünftiger Entwicklungen erhöht.

Es signalisiert, dass der «populistische Extremismus» in Europa seinen Höhepunkt überschritten haben könnte. Auf jeden Fall verweist es darauf, dass bisher bis zu einem gewissen Grad tabuisierte oder aus sonstigen Gründen von der Politik nicht genügend aufgegriffenen Themen nun offen angesprochen werden können. Daran ist natürlich nichts auszusetzen – im Gegenteil: Nur so können Probleme nachhaltig gelöst werden. Und Demokratie bleibt letztendlich Kernelement langfristig erfolgreicher und stabiler Marktwirtschaften.

 

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