Chinas Fünfjahresplan und seine Kernbotschaften

Chinas Fünfjahresplan und seine Kernbotschaften 

Die zentrale Steuerung aus Peking von Chinas öffentlichem und geschäftlichem Leben macht sich nicht nur zu Pandemiezeiten bemerkbar. Die Chinesen orientieren sich jeweils strikt an einem Fünfjahresplan, den die Regierung seit 1953 immer wieder neu aufsetzt. Im 14. Fünfjahresplan steht die Technologie im Mittelpunkt.

Vor genau einem Jahr im Dezember 2019 erreichten uns die ersten Nachrichten einer neuartigen Lungenkrankheit aus der chinesischen Region Wuhan. Schnell haben die westlichen Medien einen Vergleich zur SARS-Epidemie im Jahr 2003 gezogen. Am 31. Dezember 2019 wurde dann von offizieller Seite der Ausbruch der Krankheit bestätigt und die gesamte Region um die Metropole Wuhan abgeriegelt. Am 11. März erklärte dann die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Covid-19 zur globalen Pandemie. Der Rest ist Geschichte und hat unser Leben in diesem Jahr in ungeahnten Ausmass beeinflusst und wird es wohl auch im bevorstehenden Jahr 2021 tun.

Im Vergleich zu Europa, wo wir uns zurzeit inmitten der zweiten Pandemiewelle befinden, und den USA, die sich bereits mit der dritten Welle konfrontiert sehen, erlebte das Reich der Mitte nur eine einzige Welle im ersten Quartal 2020.

Seitdem scheint China das Coronavirus einigermassen unter Kontrolle zu haben. Dies ist sicherlich auf die viel strikteren Massnahmen sowie Regeln zurückzuführen, aber auch den Umstand, dass in China praktisch jeder Aspekt des öffentlichen und geschäftlichen Lebens zentral von Peking aus gesteuert wird. Zudem hat China einen stärkeren Weitblick und legt den Fokus auf mehrere Jahre. Bekanntlich verfolgt die Regierung seit 1953 einen Fünfjahresplan. Erst kürzlich verabschiedete der Volkskongress den Plan für die Periode von 2021 bis 2025 sowie einen Entwurf für eine langfristige Strategie – die Vision 2035.

Der 14. Fünfjahresplan enthält vier Kernbotschaften

Die langfristige Planung garantiert quasi einen stabilen Ausblick. Hingegen dürfte die weltweit zweitgrösste Wirtschaft in den kommenden Jahren tendenziell unter demjenigen der letzten fünf bzw. zehn Jahre entwickeln. Dies sollte aber angesichts der enormen Grösse der chinesischen Volkswirtschaft als normale Entwicklung angesehen werden. Der aktuelle Fünfjahresplan enthält vier Kernbotschaften:

1. Qualität vor Quantität:

Das Ziel ist eine Verdopplung des Bruttoinlandprodukts bis 2035 was einer durchschnittlichen Wachstumsrate von gegen +4.5% pro Jahr entspricht, tiefer als die +6.5% in den vergangenen fünf Jahren. Der Fokus wird dabei verstärkt auf Qualität gelegt und in den ersten fünf Jahren kann mit einem Wachstumsziel von +5.0% bis +5.5% gerechnet werden.

2. Weitere Öffnung:

China möchte weiter eine eigenständige Wirtschaft aufbauen, sich aber auch weiter öffnen und von den internationalen Märkten profitieren. Der Plan sieht auch eine schrittweise weitere Öffnung der Finanzmärkte und eine Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit vor.

3. Technologie und Innovation:

Dies wurde von der Regierung klar als eine nationale strategische Säule definiert. China strebt an, in den nächsten Jahren in Schlüsseltechnologien komplett unabhängig zu sein. Peking zielt dabei vor allem auf Bereiche wie «künstliche Intelligenz» oder «Quanteninformation» ab.

4. Umwelt:

China verpflichtet sich, bis im Jahr 2060 CO2-neutral zu sein. Es kann erwartet werden, dass in der Volksrepublik in den kommenden Jahren höhere Standards für den Umweltschutz gesetzt werden, was die Nachfrage nach entersprechender Ausrüstung und Investitionen erhöhen dürfte.

Technologie steht im Mittelpunkt

Nicht erst seit dem Handelskonflikt zwischen China und den USA ist es für Investoren offensichtlich geworden, dass der Fokus weniger auf Strafzöllen liegt, sondern vielmehr darauf, wer global die Führungsrolle im Bereich Technologie und Innovation übernimmt. China möchte sich ganz klar von der starken Abhängigkeit von den USA im Bereich Halbleiter lösen, denn der Gegenwind aus den Vereinigten Staaten wird diesbezüglich auch unter der neuen US-Regierung unter Präsident Biden nicht abflauen. Zu den Gewinnern bei den Massnahmen des Fünfjahresplans dürften unserer Ansicht auch in den kommenden Jahren Internetfirmen gehören, welche von der Digitalisierung und dem «Going-Online» profitieren.

Aktien aus Schwellenländern bieten Potenzial

In der Dezemberausgabe von «LGT Private Banking Europe House View» haben wir den Fokus auf Aktien aus Schwellenländern gelegt, die wir als attraktiv einschätzen. Wir haben eine klare Präferenz für den asiatischen Raum, nicht nur aufgrund der Bewertung, sondern auch weil die wichtigsten Volkswirtschaften in dieser Region, inklusive Japan, die Coronakrise bedeutend schneller in den Griff bekommen haben.

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