Für Bankkunden kein #Neuland

Für Bankkunden kein #Neuland 

“Internet is just a hype” – dessen war sich Bill Gates im Jahr 1996 sicher. Da hat sich der Microsoft-Gründer ganz schön geirrt. Millionen von Menschen können sich ein Leben ohne Internet heute gar nicht mehr vorstellen – sei es im Berufsleben oder in der Freizeit. Wie aber sieht es mit der Nutzung des Internets aus, wenn es um Finanzen geht? Setzen auch Bankkunden in der Kommunikation mit ihrem Finanzinstitut oder in der Informationsbeschaffung zu Finanzthemen verstärkt auf das World Wide Web? Ja, das tun sie – aber nicht in jedem Bereich und über alle Altersklassen hinweg. Das zeigen die Ergebnisse unseres aktuellen LGT Private Banking Report.

So sagen rund vier Fünftel der vermögenden Privatpersonen, dass sie das Internet nutzen, um von zu Hause aus über das Internet Informationen über ihr Depot abzufragen oder um Aufträge an ihre Bank zu übermitteln. Für rund zwei Drittel der Befragten ist auch die Kommunikation per Mail mit dem Kundenberater wichtig oder sehr wichtig. Über das Mobiltelefon Depotabfragen tätigen zu können oder Aufträge an die Bank zu übermitteln, ist aber nur für rund ein Drittel der Befragten wichtig.

Generationsübergreifend online

Erwartungsgemäss sind die bis 49-Jährigen aktiver, was die Nutzung technologischer Kommunikationsalternativen anbelangt. Aber die Alters-Differenz ist wesentlich geringer als man vermuten würde. Wie die untenstehende Grafik zeigt, gibt es vor allem bei Mobile Banking einen grösseren Unterschied zwischen den bis 49- und den über 69-Jährigen.

Technikeinsatz bei der Kommunkiation

Was die Nutzung von E-Banking generell anbelangt, haben die „älteren Semester“ in den letzten Jahren nochmals aufgeholt. Während 2012 63 Prozent der Befragten über 69-Jährigen angaben, E-Banking zu nutzen, hat sich die Zahl bei der diesjährigen Studie noch einmal auf 70 Prozent erhöht. Insgesamt – also über alle Altersgruppen hinweg – fragen rund zwei Drittel der Private-Banking-Kunden regelmässig via E-Banking Depot-Informationen ab und übermitteln Aufträge an ihre Bank. Nur rund 20 Prozent geben an, E-Banking in keinerlei Weise zu nutzen.

Kein Austausch in den sozialen Medien

Etwas anders sieht es bei der Nutzung von sozialen Medien aus. 40 Prozent der Befragten gaben an, grundsätzlich Social-Media-Dienste in Anspruch zu nehmen – bei den bis 49-Jährigen sind es 63 Prozent, bei den ab 70-Jährigen jedoch nur noch 20 Prozent. Beliebte Plattformen sind Facebook, LinkedIn oder Xing. Wenn es um Finanzen geht, setzen vermögende Privatkunden aber kaum auf Social Media. Nur in rund der Hälfte der Fälle werden soziale Medien in Zusammenhang mit Finanzthemen genutzt. Und wenn, dann „nur“ um sich Informationen zu Wirtschafts- und Finanzfragen oder zu Anlagemöglichkeiten zu beschaffen. Und nicht – wie es ja dem eigentlichen Sinn sozialer Medien entspräche –, um einen aktiven Dialog über Finanzthemen mit anderen Nutzern zu pflegen. Während vermögende Privatkunden also innerhalb der Familie detailliert über ihre Finanzen sprechen, wie ich in meinem letzten Blogbeitrag erläutert habe, gilt gegenüber der Social-Media-Community bei den persönlichen Finanzen offenbar die Devise „Über Geld spricht man nicht“.

Nutzung von Social Media

Soziale Medien und neue Technologien werden also immer mehr zu Meinungsbildungskanälen. Sie können die Beratung durch eine Bank nicht ersetzen, aber beeinflussen. Für die Banken und Finanzinstitute bedeutet das, dass sie sich noch stärker darum bemühen müssen, mit der schnellen Entwicklung der Social-Media-Plattformen Schritt zu halten und Innovationen in die eigenen Geschäftsmodelle zu integrieren. Denn anders als für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das Internet für uns alle eben kein #Neuland mehr.

 

Der aktuelle LGT Private Banking Report ist am 21. Mai 2014 erschienen. In regelmässigen Blogbeiträgen habe ich mich an dieser Stelle bereits unterschiedlichen Aspekten der Studie gewidmet, z.B. der Vermögenszusammensetzung, den Bankbeziehungen, der Beratungsqualität oder der Nachfolgethematik. In meinem nächsten und letzten Blogbeitrag in dieser Serie werde ich mich der Frage widmen, was vermögende Privatpersonen von der zunehmenden Regularisierung im Crossborder-Banking halten.

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