Vom «Wert» der Kunst und von der Kunst der «Wertanlage»

Vom «Wert» der Kunst und von der Kunst der «Wertanlage» 

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Getroffen haben sie sich sicher nie, der flämische Maler Peter Paul Rubens und Fürst Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein – und doch verbindet sie vieles. Rubens war schon ein halbes Jahrhundert tot, als Johann Adam Andreas I. innerhalb von kurzer Zeit eine unglaubliche Rubens-Sammlung aufbaute. Vom Sammelfieber gepackt, verschuldete er sich schwer, um ab 1692 den grossen «Decius Mus-Zyklus» zu kaufen. Zu den schönsten seiner Erwerbungen zählen für mich die Bilder, die Rubens von seinen Kindern gemalt hat: das Doppelporträt seiner Söhne Albert und Nikolaus und vor allem das Porträt seiner Tochter Clara Serena im Alter von fünf Jahren. Die Direktheit und Intensität mit der Clara dem Betrachter entgegenblickt, berührt immer wieder von neuem.

Fürst Johann Andreas Adam I. war nicht der erste Sammler im Hause Liechtenstein – und nicht der letzte. Schon im 16. Jahrhundert hatten seine Vorfahren damit begonnen, Kunstwerke zusammenzutragen. Auch heute noch werden die Fürstlichen Sammlungen laufend ergänzt und erweitert. Es ist natürlich naheliegend, dass wir bei der LGT die Bilder aus den Fürstlichen Sammlungen für unseren visuellen Markenauftritt verwenden – so zum Beispiel auch auf der Titelseite dieses Blogs. Für mich stellen die Bilder eine Verbindung zu den Werten her, welche die Fürstenfamilie als Eigentümerin der LGT verkörpert: langfristiges Denken und Handeln, Individualität, Konstanz und Zuverlässigkeit. Werte, die im Übrigen auch einer erfolgreichen Partnerschaft von Bank und Kunde zugrunde liegen sollten.

Für die Fürsten von Liechtenstein war Kunst immer beides: «Kapitalanlage» und «Wertanlage», eine Investition in materielle und immaterielle Werte. Die Fürstlichen Sammlungen sind nur zustande gekommen, weil aus der wirtschaftlichen Tätigkeit der Familie die nötigen Mittel zur Verfügung standen, um sie aufzubauen, zu erhalten und zu erweitern. So trägt heute auch die LGT zum Fortbestand der Sammlungen ihren Teil bei. Die Funktion der Sammlungen als Kapitalanlage zeigt sich auch daran, dass die Fürstenfamilie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg etliche bedeutende Werke verkaufen musste, um das eigene wirtschaftliche Überleben zu sichern, so zum Beispiel die berühmte «Ginevra de Benci» von Leonardo da Vinci, die heute in der National Gallery of Art in Washington hängt.

Wenn sich heute Unternehmen gerne mit edler Kunst schmücken oder als Mäzene, so ist gegen diese Verbindung von Kultur und Kommerz grundsätzlich nichts einzuwenden. Kunstinvestitionen sollen aber möglichst auch in Neues und nicht nur in Bewährtes erfolgen. Auch die Fürsten bestellten oft Werke bei zeitgenössischen Künstlern: Massimiliano Soldani-Benzi schuf Skulpturen für Johann Adam Andreas I. und Marcantonio Franceschini stattete seine Paläste aus. Seit dem 19. Jahrhundert ist dieser zeitgenössische Aspekt in der Sammeltätigkeit des Fürstenhauses allerdings nicht mehr so präsent.

Nicht zuletzt sollte die Motivation einer Sammeltätigkeit immer auch darin bestehen, Besonderes für die Allgemeinheit zu erhalten und zugänglich zu machen. Daran hielt sich auch Johann Adam Andreas I., der schon zu Lebzeiten die Rubensbilder in seinem schicken Stadtpalais an der Wiener Bankgasse präsentierte. Dieses Palais wurde übrigens im April 2013 zu neuem Leben erweckt – nach vier Jahren umfassender Sanierungsarbeiten mit Gesamtbaukosten von rund 100 Millionen Euro. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich gerne in einem meiner nächsten Beiträge aufgreifen werde.

Soldano Benzi: Venus MediciLeonardo da Vinci: Ginevra de BenciRubens: Söhne

FranceschiniPorträt des späteren Fürsten Johann I. von Liechtenstein, Friedrich OelenhainzRubens: Clara-Serena

Anmerkung:
Zur Zeit werden mit Unterstützung der LGT erstmals Teile der Fürstlichen Sammlungen im National Museum of Singapore gezeigt.

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