The future is female: In Frauen zu investieren zahlt sich aus 

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Möchte man mit seinem Investment positive Wirkung für die Gesellschaft erzielen, sollte man Statistiken zufolge auf Frauen setzen: Von jedem US-Dollar, den Frauen in Schwellenländern verdienen, verwenden sie statistisch gesehen 90 Prozent für die Gesundheit, Ernährung oder Bildung der Familie; ein Mann gibt gerade mal 30 Prozent seines Lohns für diese Zwecke aus. Doch nicht nur aus sozialen Gesichtspunkten zahlt es sich aus, vermehrt auf Frauen zu setzen.

Frauen als Unternehmerinnen und wirtschaftliche Akteure sind mit allerhand gesellschaftlichen Barrieren konfrontiert, insbesondere in Entwicklungsländern: Sie haben oftmals weniger Zugang zu Bildung, Technologien, Finanzmitteln und rechtlichem Schutz. Das World Economic Forum gibt seit 2006 jährlich seinen „Global Gender Gap Index“ heraus und misst darin den Aufholbedarf von Frauen in Bereichen wie wirtschaftliche Teilhabe, Bildungsabschluss, Gesundheit, Überleben und politische Beteiligung. 2017 verschlechterten sich die Zahlen zum ersten Mal. 49.6 Prozent der Weltbevölkerung sind zu Beginn dieses Jahres weiblich und potenziell von Diskriminierung betroffen und wirtschaftlich schlechter gestellt als Männer im selben Umfeld. Der Bedarf an der Förderung von und an Investitionen in Frauen ist also – ebenso wie das Potenzial für positive Wirkung – enorm. Ein amerikanisches Magazin erklärte Frauen sogar zum grössten Wachstumsmarkt in der Weltgeschichte.

Frauen machen Investments attraktiv

In den letzten Jahren hat so genanntes „gender lens investing“ vor diesem Hintergrund immer mehr Aufmerksamkeit erregt. Dabei werden vor einer Investmententscheidung unter anderem folgende Faktoren in Erwägung gezogen: Wie ist der Frauenanteil in der Firma? Kommt das Produkt/die Dienstleistung/die Aktivitäten Frauen zugute? Sind die Gründer weiblich? Sind andere Investoren weiblich? Ist die Mission der Firma im Interesse der Geschlechtergleichstellung, oder fördert diese direkt?

Wenn solche „Gender“-Faktoren berücksichtigt werden, zahlt sich das für Investoren aus: Eine Studie stellte 2016 fest, dass die Kapitalrendite von Unternehmen mit mindestens einer Frau in der Führungsequipe in der vergangenen Dekade um 3.3 Prozent pro Jahr höher lag als bei einem Konzern ohne Frauen im oberen Management. Ein 15-prozentiger Frauenanteil wiederum bringt statistisch betrachtet 50 Prozent mehr Profitabilität als einer von weniger als 10 Prozent. Unter den Fortune 500 Firmen sind jene mit den höchsten Frauenanteilen in ihren Vorständen signifikant erfolgreicher als der Rest. Der 2016 BNP Paribas Global Entrepreneur Report kam ausserdem zum Schluss, dass von Frauen geführte Unternehmen im Schnitt um 13 Prozent höhere Gewinne erwirtschaften. Auch in der Gruppe der Selfmade-Milliardäre haben Frauen Männer unter den Neuzugängen bereits überholt. Nicht ohne Grund spricht sich Investment Legende Warren Buffett bereits seit Jahren dafür aus, dass die Gesellschaft aufhören müsse „nur 50 Prozent des verfügbaren Humankapitals“ voll zu nutzen und dass Frauen die treibende Kraft der Zukunft seien.

Frauen investieren anders

Frauen führen nicht nur anders, sie investieren auch anders. Aktuell liegt der Frauenanteil in Führungspositionen in der Finanzindustrie bei etwa 25 Prozent, im Private Equity Bereich bei gerade mal 10%. Dass die Finanzbranche als Männerdomäne gilt, scheint jedoch nicht am mangelnden Talent der Frauen zu liegen. Ganz im Gegenteil: „Wie ein Mädchen“ zu investieren bedeutet mitunter, mehr Erfolg dabei zu haben. Im Schnitt neigen Frauen dazu, gründlicher zu recherchieren, sie gehen weniger Risiken ein und arbeiten erfolgreicher in Teams. Zudem sind sie meist nicht so sprunghaft wie ihre männlichen Kollegen, geduldiger, nicht so anfällig für Gruppendruck und setzen mehr auf Nachhaltigkeit. Fidelity Investments sorgte im letzten Jahr mit den Ergebnissen einer Analyse von mehr als 8 Millionen individuellen Investment Accounts für Erstaunen: nicht nur würden weibliche Anleger mehr sparen, ihre Investitionen würden jährlich auch mehr erwirtschaften Und trotzdem scheint das Stereotyp der finanziell minder begabten Frau hartnäckig in vielen Köpfen verankert zu sein. In einer ebenfalls von Fidelity durchgeführten Umfrage gaben 91% der Befragten an, dass sie Männer für die kompetenteren Investoren hielten.

Frauen kontrollieren künftig mehr Reichtum

Dass Frauen ihr Vermögen nicht nur kompetent, sondern auch anders als Männer anlegen, könnte in den nächsten Jahren von steigender Bedeutung sein. Schätzungen zufolge wird in den kommenden vier Dekaden weltweit ein Vermögenstransfer in der Höhe von etwa USD 41 Billionen an die nächste Generation stattfinden. Stolze 70 Prozent davon werden an Frauen vererbt. Wer vorausdenkt, der sollte also einen Blick auf weibliche Vorlieben werfen: So wechseln beispielsweise 70 Prozent der Frauen heute ihre Finanzberater innerhalb des ersten Jahres nachdem sie Witwe geworden sind. Wohlhabende Damen sind mit dem bisherigen Angebot der Finanzindustrie unzufrieden. Dies liegt zum Teil daran, dass sie nicht ausschliesslich an der Gewinnmaximierung interessiert sind. 76 Prozent aller Frauen interessieren sich für nachhaltige Investitionen. Diese Präferenz äussert sich auch darin, dass Frauen vermehrtes Interesse an „gender lens investing“ zeigen.

Dürfen weibliche Unternehmerinnen also auf eine Zukunft hoffen, in der sie nicht mehr zu drastischen Massnahmen greifen müssen und etwa unter dem Pseudonym eines fiktiven männlichen Mitgründers kommunizieren, um ernst genommen zu werden? In der zwei X-Chromosomen vielleicht sogar als positives Merkmal wahrgenommen werden? Vorsichtiger Optimismus scheint angebracht.

Es gibt 4 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 15. Februar 2018 | marktEINBLICKE
  2. christian seilern-aspang at 13:40

    Danke für, die immer, sehr aktuellen und interessante Beiträge.

    • Gernot Bilz at 09:07

      Und Ihnen Danke für das Lob. Wir freuen uns, wenn Sie unseren LGT Finanzblog weiterempfehlen.

  3. Pingback: Finanzblogroll - Schulterblick - Finanzartikel KW 07 / 2018

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