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G20: Globalisierung zwingt zur Zusammenarbeit

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13.07.2017 - Gesellschaft:

Vergangene Woche hat der G20-Gipfel in Hamburg stattgefunden. Es ist nicht nur ein (teures) Zusammenkommen von politischen Schwergewichten. Er ist auch eine Folge der Globalisierung, der zunehmenden Verflechtung der Völker auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene. Solcherlei Treffen von internationalem Kaliber erscheinen als eine Notwendigkeit, um als weltweite Völkergemeinschaft die Zukunft zu gestalten. Doch wie effektiv sind G20 und Co? Was bringen diese Gipfeltreffen, ausser hohen Kosten, die schlussendlich der Steuerzahler trägt? Gibt es Alternativen?

G20 i2017 in Hamburg

Global Governance: Gemeinsam die richtigen Antworten für alle finden

Die Liste der länderübergreifenden Themen, die die Staatenlenker diskutieren müssten, ist lang: Klimawandel, die Digitalisierung, Handels-, Geo- oder Migrationspolitik sowie die Bedrohung durch internationalen Terrorismus wären einige Beispiele für die Punkte auf der Gipfelagenda. Zur Diskussion oder gar zur Erarbeitung von umsetzbaren Lösungsansätzen kommt es jedoch oft gar nicht, weil sich die Staatschefs selten über die Dringlichkeit oder gar Notwendigkeit einer solchen Diskussion einigen können. Und so hat auch der G20-Gipfel keine abschliessenden Antworten auf die brennendsten Fragen gefunden.

Doch auch wenn die Ansichten und Meinungen zu den globalen Brennpunkt-Themen teilweise fundamental auseinandergehen, ist ein persönliches Zusammentreffen und der Austausch auf Ebene der Entscheidungsträger eminent wichtig. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte als Gastgeberin des G20-Gipfels: „Wer glaubt, die Probleme dieser Welt mit Isolationismus und Protektionismus lösen zu können, der unterliegt einem gewaltigen Irrtum“, denn mehr als je zuvor gelte: „Nur gemeinsam wird es uns gelingen, die richtigen Antworten auf die zentralen Fragen unserer Zeit zu finden.“ Das gelte übrigens für G20 genauso wie für die Europäische Union. Keine der grossen globalen Herausforderungen mache heutzutage vor Ländergrenzen Halt, hielt Merkel fest. Eine, wie ich finde, nüchterne, aber realistische Feststellung und richtige Schlussfolgerung.

Bilanz der Globalisierung: Vorteile überwiegen längerfristig die Nachteile

Meiner Ansicht nach können durch die Globalisierung wirtschaftliche und politische Beziehungen sowohl zwischen einzelnen Staaten, als auch zwischen Personen verbessert werden und sich stetig befruchten. Der Austausch in grenzüberschreitenden Bereichen wie Politik und Wirtschaft, Technik und Wissenschaft, Forschung und Kultur, ist der Antrieb für Weiterentwicklung, von der wir alle profitieren können.

Einen direkt spürbaren Vorteil der globalen Vernetzung im täglichen Leben stellt beispielsweise die ständige Verfügbarkeit aller erdenklichen Güter zu jeder Zeit und zu wettbewerbsfähigen Preisen dar, was unser Leben signifikant vereinfacht. Zudem führt ein breites Warenangebot zu tieferen Preisen und somit einer geringeren Inflation. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist bei internationalen Wirtschaftskrisen oder politischen Konflikten nicht nur vorteilhaft, sondern eine Notwendigkeit, zu der es keine Alternative gibt.

Von der durch die Globalisierung getriebenen Ankurbelung der weltweiten Wirtschaft profitieren insbesondere die Entwicklungs-und Schwellenländer. Die Nachfrage nach günstig produzierten, grundlegenden Produkten und Dienstleistungen sorgt für zusätzliche Arbeitsplätze und grösseres Unternehmertum in der lokalen Bevölkerung. Die stärkere Wirtschaftsleistung der einzelnen Staaten trägt somit langfristig auch zur Bekämpfung der Armut bei. Immer mehr Menschen in den unteren und mittleren Einkommenssegmenten vermögen ihren Familien eine Lebensgrundlage und Chance auf verbesserte Lebensqualität zu bieten. Der grossen Mehrheit der Bevölkerung geht es in den Schwellenländern heute materiell besser als ihren Vorfahren.

Verlierer der Globalisierung: Nährboden für Populismus

Die Vorteile der globalen Verflechtung können sich jedoch auch in Nachteile, sowohl in den Industrieländern, als auch in den Entwicklungs-und Schwellenländern verwandeln. Jobs von weniger qualifizierten Arbeitnehmern werden in Billiglohnländer verlagert. Dadurch werden zwar Arbeitsplätze in den Billiglohnländern geschaffen, jedoch vielfach zu schlechten Arbeitsbedingungen und mit ungenügender sozialer Absicherung. Andererseits leiden die Arbeitnehmer in den Industriestaaten unter steigendem Lohndruck, Arbeitslosigkeit und Existenzängsten. Damit wird vielfach die Schere zwischen Arm und Reich grösser, was sich wiederum in den in jüngster Zeit zu beobachtenden nationalistisch geprägten Wahlergebnissen, nicht nur in den USA, äussert. Ohne die vielerorts spürbaren negativen Auswirkungen der Globalisierung, wie die Verschiebung von traditionellen Arbeitsplätzen (beispielsweise von ehemaligen Industriestädten der USA), wäre Donald Trump wohl nicht zum US-Präsidenten gewählt worden. Auf beiden Seiten des Atlantiks profitierten Populisten von der Unzufriedenheit jener Bevölkerungsgruppen, die sich durch die Globalisierung benachteiligt fühlen (respektive teilweise auch sind).

Die durch die Globalisierung notwendige internationale Zusammenarbeit wird ständig bedroht durch Populisten und andere Nutzniesser der Ohnmacht der Globalisierungsverlierer. Will man ihnen den Boden entziehen, müssen internationale Konferenzen auch Lösungen für diejenigen Bevölkerungsschichten finden, die von den positiven Ergebnissen der Globalisierung bislang nicht profitieren – aber auch das bestätigt ihre zentrale Bedeutung für die Weltgemeinschaft, ebenso wie die Notwendigkeit, echte Lösungen auch für die sozialen Fragen zu finden.

Globale Abhängigkeit: Der Garant für Frieden und Stabilität

Keine Frage, Globalisierung kann Angst machen. Sie scheint mir aber eine logische Konsequenz menschlichen und technischen Fortschritts. Gut beraten ist, wer sich den – zugegeben massiven – Herausforderungen stellt, um neue Chancen auszumachen und Opportunitäten zu nutzen. Die globale Vernetzung dürfte uns zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Rücksichtnahme in wirtschaftlichen, sozialen und politischen Fragen zwingen und dazu auffordern, über den Rand der eigenen Komfortzone zu schauen und eine Sensibilität für die Bedürfnisse von Menschen aus anderen Ländern und fremden Kulturen zu entwickeln. So verstanden bietet uns Globalisierung die Chance, eine positive gesamtwirtschaftliche Wirkung zu erzielen, die immer mehr Menschen zugutekommt.
Trotz unbestritten grosser Missstände und massiver Ungleichheit ist die Globalisierung ein Schlüssel zum ökonomischen Erfolg und dank einer „erzwungenen“ Abhängigkeit ein Garant für ein friedliches Zusammenleben und Stabilität.

Anmerkung des Autors zur G20
Die Gruppe der zwanzig grössten Industrienationen (G20) ist das zentrale Forum zur internationalen Zusammenarbeit in Finanz- und Wirtschaftsfragen. Die G20-Staaten stehen für fast zwei Drittel der Weltbevölkerung, über vier Fünftel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und drei Viertel des Welthandels. Die Beschlüsse der G20 können Signalwirkung haben und den Anstoss für Reformen auf nationaler und multinationaler Ebene geben. Ende 2016 übernahm Deutschland den Vorsitz der G20.

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3 Kommentare

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