Welthandelspoker – G20-Treffen als grosse Bühne für Trump & Co.

Welthandelspoker – G20-Treffen als grosse Bühne für Trump & Co. 

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Die Zeichen stehen gut, dass US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping am G20-Gipfel Ende Juni endlich den Handelskrieg beenden könnten. Doch die erwartete Euphorie an den Finanzmärkten wird wohl nicht lange währen.

Am 28. und 29. Juni treffen sich die Staats- und Regierungschefs der zwanzig grössten Industrienationen und wichtigsten Schwellenländer im japanischen Osaka. Die Ambitionen der Gastgeber sind nicht überraschend hoch. So stehen auf der offiziellen Agenda von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe, der aktuell den G20-Vorsitz innehat, als brennendste Themen unserer Zeit:

  • Wirtschaftswachstum und Abbau von Ungleichheiten
  • Hochwertige Infrastruktur und Gesundheitssysteme
  • Klimawandel und Plastikmüll in den Ozeanen
  • Digitale Wirtschaft
  • Herausforderungen der Demographie

Das ganz grosse Thema – zumindest für die Finanzmärkte und Investoren – dürfte daher der bis dato ungelöste US-chinesische Handelsstreit sein. Der G20-Gipfel könnte die perfekte Bühne für die Inszenierung eines grossen „Deals“ – sprich eines Handelsabkommens zwischen den USA und China – bieten. Mit Spannung wird deshalb in erster Linie das Aufeinandertreffen von US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping erwartet.

USA vs. China: Zuckerbrot und Peitsche

In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass der amerikanische Präsident das Pokerspiel am Verhandlungstisch liebt. Dabei geht der mächtigste Mann der Welt nicht ungern Risiken ein. Einmal droht er unverblümt mit der Peitsche, um dann wieder seinen „Gegnern“ mit Zuckerbrot bei der Stange zu halten und die eigene Verhandlungskraft zu stärken. Schlussendlich will Trump aber vor allem eines: Gewinnen! Gewinnen kann Trump, respektive die USA aber nur mit einer Einigung, denn auch die Vereinigten Staaten und ihre Unternehmen sind, trotz immensem Binnenmarkt, auf Importe und Exporte angewiesen. Vorerst geht es aber darum, die besten Karten in der Hand zu halten und diese gut zu spielen. Das G20-Gipfeltreffen bietet dazu eine hervorragende Gelegenheit.

EU: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

An den Finanzmärkten würde eine Einigung zwischen Washington und Peking kurzfristig wohl für Euphorie sorgen. Dies könnte für Anleger jedoch ein Trugschluss sein, denn der Handelskrieg wäre damit nicht vorbei, sondern könnte sich geographisch einfach verlagern. So dürfte nach China vor allem Europas Autoindustrie in Trumps Visier kommen. Der transatlantische Dissens würde dabei nicht nur die Weltwirtschaft, sondern auch die Börsenstimmung belasten.

Vorerst hat Trump aber eine Entscheidung über die mögliche Einführung von Strafzöllen auf europäische Autoimporte für sechs Monate aufgeschoben. Die Amerikaner wollen damit wahrscheinlich einen Zweifrontenkonflikt vermeiden. Sollte sich Washington nach Peking nun auf Brüssel „einschiessen“, drohen auch die zurzeit geplanten Verhandlungen zwischen der Europäischen Union (EU) und den USA über die Abschaffung der Zölle auf Industriegüter zu scheitern. US-Zölle auf europäische Autos und Autoteile würden eine Eskalation der transatlantischen Spannungen bedeuten, da der Wert der EU-Autoausfuhren auf den amerikanischen Markt etwa zehnmal höher ist als jener aller Stahl- und Aluminiumausfuhren der EU zusammengenommen.

Für Investoren gilt deshalb weiterhin Vorsicht. Längerfristig dürfte eine neuverhandelte Welthandelsordnung durchaus förderlich sein für die Weltwirtschaft. Die Frage ist, wieviel Porzellan auf dem Weg zerschlagen wird.

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