Warum manche Honorare Gagen heissen

Warum manche Honorare Gagen heissen 

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Schriftsteller bekommen Honorare, Schauspieler und Sänger dürfen sich hingegen über Gagen freuen. Was macht aber den Unterschied aus?

Es gibt Fragen, die werden selten gestellt, und man muss sie auch nicht unbedingt beantworten können. Zum Beispiel diese: Weshalb erhält ein Schriftsteller ein Honorar, der Schauspieler jedoch, der das Stück des Autors aufführt, eine Gage? Einen Pragmatiker interessiert die Antwort auf diese Frage nur mässig. Er freut sich über ein (möglichst hohes) Entgelt – gleich, ob man es nun Honorar oder Gage nennt. Und überhaupt: Stehen beide Begriffe nicht synonym zueinander? Nicht ganz.

Sogar ein Anwalt mit ausgeprägten schauspielerischen Talenten erhält zum Beispiel keine Gage, sondern ein Honorar. Und auch ein Zahnarzt, der von seinen eigenen Künsten überzeugt ist, wäre wohl mehr als verdutzt, würde man ihn vor dem Aufheulen des Bohrers fragen, welche Gage er für die Behandlung verlange.

Wer etwas aufführt, bekommt Gage

Beide Begriffe lassen sich somit grob folgendermassen voneinander abgrenzen: Künstler, die etwas aufführen – sei es auf der Bühne oder im Film – erhalten eine Gage. Die meisten anderen Freiberufler (Autoren, freie Journalisten, Ärzte, Unternehmensberater usw.) beziehen hingegen Honorare.

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Kaum Unterschiede gibt es hinsichtlich der Höhe von Honoraren und Gagen. In beiden Fällen gilt: die Bandbreite ist in der Regel erheblich. Ein Schauspieler an einem kleinen deutschen Stadttheater muss als Anfänger schon mit einem Bruttogehalt von deutlich unter 2000 Euro pro Monat auskommen. Ein Star wie George Clooney kassierte zwischen 2017 und 2018 rund 239 Millionen US-Dollar (siehe Lese-Link).

Der Autor eines Fachbuchs mit geringer Auflage muss sich meist mit einem dreistelligen Absatzhonorar bescheiden, dafür sollen der amerikanische Ex-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle für ihre Memoiren vom New Yorker Verlagshaus Penguin Random House umgerechnet rund 61 Millionen Dollar kassiert haben. Einen Teil davon wollte das Ehepaar spenden. Das Honorar fiel nicht zuletzt deshalb so hoch aus, weil mehrere Verlage in einem Bieterwettbewerb standen.

Im alten Rom gab’s Ehrengeschenke

Strenggenommen dürften die Bezieher von Honoraren übrigens gar kein Geld annehmen. Zumindest dann, wenn sie das Wort Honorar vom lateinischen honorarium („Ehrengeschenk“) ableiten. Die weisen Herren im alten Rom berieten die Bürger in Rechtsfragen nämlich kostenlos, weil sie sich dadurch politische Vorteile erhofften. Allenfalls ein Sachgeschenk durften sie entgegennehmen.

„Ehrengeschenke“ als Honorar für die Dienstleistungen von Freiberuflern? Das wäre so, als würde zum Beispiel ein Orthopäde seinen Patienten mit den Worten verabschieden: „Vielen Dank, es war mir eine Ehre, Sie behandeln zu dürfen“, während er diskret ein Fläschen Rotwein als „Ehrengeschenk“ entgegennähme.

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