Ich präge also bin ich: Geld als Identitätsstifter

Ich präge also bin ich: Geld als Identitätsstifter 

Artikel bewerten

Geld ist nicht alles, Liebe kann man nicht kaufen und Sinn nicht bezahlen. Dennoch prägt Geld unser Selbstverständnis mehr, als wir wahr haben wollen.

In Sachen Geld leben viele Deutsche in einer Zeitkapsel: Obwohl die D-Mark als nationale Währung seit 16 Jahren aus dem Alltag der Menschen verschwunden ist, rechnet knapp jeder Zweite die Euro-Beträge auf Preisschildern weiter um. Die D-Mark bleibt als Währung in den Köpfen, lange nachdem sie aus den Geldbeuteln verschwunden ist. Sie ist das Symbol für das Wirtschaftswunder und inzwischen Teil der nationalen Identität zwischen Rhein und Oder geworden. Das zeigt uns: Wir prägen Geld – aber Geld prägt uns ebenso.

Geld als Institution

Wir machen Geld zur „nationalen Marke“, die wir nicht nur ausgeben, sondern mit ihr Zugehörigkeit demonstrieren. Dass dies auch über den nationalen Kontext hinaus geschieht, zeigt der Schweizer Franken. Er stiftete für die Kantone Einheit nach innen, seine weltweite Bedeutung erlangte er jedoch als Symbol für die Schweiz als internationaler politischer Institution: Die neutrale Insel im teils chaotischen Meer der europäischen Geschichte, der sichere Hafen und stabile Finanzplatz im Auf und Ab der diversen Notenbankpolitiken – ein sicheres Gefühl, das man einwechseln kann.

Geld als „Trade Mark“

Der Inbegriff der Marke, der „Trade Mark“ ist der amerikanische Dollar. Die Karriere der globalen Superwährung begann jedoch sehr bescheiden: Die amerikanischen Siedler dürften das Britische Pfund nicht benutzen und mussten sich mit unsicheren Wechselpapieren zufriedengeben, die in Grossbritannien eingetauscht werden konnten. Als erste währungspolitische Unabhängigkeitsbestrebung handelten die frühen Amerikaner mit indianischem Muschelgeld, prägten dann eigene subversive Münzen und importierten später die „Dolaros“, eine spanische Silberwährung, die Handel ohne den lästigen Umweg über die Bank von England erlaubte. Das Dolaros-Zeichen, ein Symbol der spanischen Kolonialmacht in Südamerika, wurde von den nach Freiheit strebenden Amerikanern für den amerikanischen Traum einfach umfirmiert.

Geld als Modernisierer

Der japanische Yen ist das Symbol der Öffnung Japans gegenüber westlichen Mächten und inter-nationalen Gepflogenheiten. Er löste ab 1870 ein Sammelsurium kaum verrechenbarer Mikrowährungen ab und stellte eine verlässliche Kaufkraftparität zu westlichen Handelswährungen her. So wurde er zur Grundlage für Japans kometenhaften Aufstieg vom in sich gekehrten spirituellen Kaiserreich zur internationalen Grossmacht.

Seit der Antike war unser Geld Symbol für Identitäten, die künstlerisch gestaltet, in Metall geprägt oder auf Banknoten gedruckt werden konnten. Vielleicht ist der Grund unseres Unbehagens gegenüber den Bitcoins und Ethers, den Daten- und Code-basierten Währungen des Cyberzeitalters, dass wir unsere Identität darin nicht mehr wiederfinden können.

Lesen Sie dazu auch

Von Geldbäumen und Glückkastanien

Geld stinkt nicht: von Steuern und Latrinen

Geld anlegen bei LGT

LGT Private Banking: Anlagemöglichkeiten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.