Geld stinkt nicht: Von Steuern und Latrinen

Geld stinkt nicht: Von Steuern und Latrinen 

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Wann immer es um Geld geht, das aus obskuren Quellen stammt, fällt die Redensart «Geld stinkt nicht». Ihr Ursprung verrät eine Menge über den Umgang mit Finanzen im alten Rom.

Vespasian (9–79 n. Chr.), mit vollem Namen Titus Flavius Vespasianus, war Machtmensch, Politiker, General, loyaler Gefolgsmann Neros und wurde, nach dessen Selbstmord im Jahr 68 n. Chr., durch geschicktes Taktieren und Paktieren Kaiser von Rom. Realpolitiker, der er war, wusste er, dass seine Herrschaft auch vom Pegel der Staatskasse abhängen würde. Zu viele Politikerkollegen, vom einfachen Senator bis hoch zum Kaiser, hatte er an leeren Kassen scheitern sehen.

Not macht erfinderisch

Arbeiter beim Aufhängen nasser Wäsche

Arbeiter beim Aufhängen nasser Wäsche (By Wolfgang Rieger)

Damit ihm nicht Gleiches widerführe – und weil Nero einen nahezu bankrotten Staat hinterlassen hatte –, führte Vespasian zur Sanierung der öffentlichen Finanzen alte, abgeschaffte Steuern wieder ein, erhöhte die bestehenden und dachte sich neue aus. Unter diesen neuen Abgaben befand sich auch eine Latrinensteuer: In Rom war menschlicher Urin, so unappetitlich das klingen mag, nämlich ausgesprochen begehrt. Das darin enthaltene alkalische Ammoniak wurde für das Gerben von Leder, das Walken von Stoff und sogar für die Wäsche der römischen Togen gebraucht. Als Waschmittel diente eine Mischung aus Urin, Seifenkraut, Pottasche und Tonerde. Zur Gewinnung des begehrten Harnstoffs wurden in der Umgebung belebter Strassen daher „amphorae in angiporto“ aufgestellt, „Amphoren in Seitengassen“, die von jenen Römern benutzt wurden, die sich die Gebühren der vornehmeren Bedürfnisanstalten nicht leisten mochten. Die vollen Behälter wurden von den „coriarii“ und den „fullones“, den Gerbern und den Urinwäschern, regelmässig geleert. Ausgrabungen etwa in Pompeji zeigen, dass diesen Amphoren praktischerweise die engen Hälse abgeschlagen wurden, um ein zielsicheres Pinkeln zu erleichtern, weshalb die Gefässe im Volksmund auch ganz einfach „vasae curtae“ hiessen.

Riech mal! – Pecunia non olet

Auf Anordnung des Kaisers sollte nun das Aufstellen dieser stillen Örtchen auf einmal steuerpflichtig werden. Der römische Geschichtsschreiber Sueton berichtet, dass Vespasians Sohn Titus von dieser Abgabe alles andere als angetan war: Es sei nicht recht, so begehrte er auf, dass sich der Staat an öffentlichen Latrinen bereichere. Da nahm Vespasian einen Sesterz in die Hand, der aus den ersten Erträgen der neuen Pinkelsteuer stammte, hielt ihn seinem Sohn unter die Nase und fragte barsch: „Na, stört dich der Geruch?“ Titus, verwirrt, verneinte kleinlaut, worauf sein Vater zurückgab: „Nein? Und doch kommt das von der Pisse her.“ In verkürzter Form – „pecunia non olet“, „Geld stinkt nicht“ – fanden Vespasians Worte Eingang in den deutschen Zitatenschatz.

Nicht nur das Diktum, sondern auch die römischen Pissoirs leben bis heute weiter: In Frankreich nennt man die männliche Stehtoilette noch immer „vespasienne“, als dunkle Erinnerung an römische Latrinen und einen gerissenen Kaiser.

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