Gott als Währungshüter: der sakrale Ursprung des Geldes

Gott als Währungshüter: der sakrale Ursprung des Geldes 

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Geld und Wert sind Glaubensfragen. Für die Sumerer im vorantiken Mesopotamien war die religiöse Verankerung sogar die Bedingung dafür, dass Gold und Geld überhaupt einen Wert haben konnten.

Der Materialwert eines Schweizer Frankens beträgt heute nur noch einen Bruchteil seines Verkehrswerts. Wenn wir mit ihm bezahlen, handeln wir mit dem Glauben daran, dass er einen bestimmten Tauschwert hat. Irgendwann in der Menschheitsgeschichte musste dieser Urglaube an Geld, Wert und Preise definiert worden sein, sonst wäre die Geschichte des Geldes als Handelswert gar nicht denkbar. Die Spurensuche zum Ursprung des Geldwertes führt uns zur Hochkultur der Sumerer, in das fruchtbare Land zwischen Euphrat und Tigris, vor rund 3 000 Jahren.

Der Tempel als Zentralbank

Eine Ziege hat einen genuinen Wert für ihren Besitzer, ebenso ein Sack Hirse oder eine Kuh. Sie sind untereinander gut tauschbar, aber ihr Wert taugt nicht wirklich für komplexe Handelsbeziehungen mit Fernhandel und Preisfindung durch Angebot und Nachfrage. Dorfgemeinschaften im Schilfgürtel des Zweistromlandes können untereinander per Warentausch handeln, Städte und Reiche nicht mehr. Die Sumerer, Gründer der frühesten Städte der Menschheitsgeschichte, waren also geradezu gezwungen, das Tausch-Preisproblem zu lösen, um ein wirtschaftliches Fundament für den Aufstieg ihres Reichs zu schaffen.

Doch was konnte den Glauben an einen bestimmten Wert aufrechterhalten, den es als Gebrauchswert selbst gar nicht besass?

Mond- und Sonnengöttin sprangen den Sumerern bei diesem Urdilemma der Wertbestimmung bei. Gold repräsentierte für die Sumerer die Sonnengöttin, Silber symbolisierte die Mondgöttin. Da das Sonnenjahr rund 13 Mal so lange dauerte, wie die Umrundung der Erde um den Mond, legten die sumerischen Priester den Wert zwischen den beiden Edelmetallen 13 zu 1 fest und bestimmten Preise für diverse Waren in Gold und Silber. Religion war somit der erste Wertstifter für Gold und Silber, die Priesterschaft übernahm die Kurs- und Preisbestimmung.

Geld als Glaubensfrage

Mit dem Glauben lässt sich nicht handeln – aber ohne ihn eben auch nicht. Die metallenen Symbole der sumerischen Himmelsgöttinnen konnten natürlich nicht für Feilscherei und Schuldenmachen verwendet werden. Deshalb blieben Gold und Silber als eine Art Buchwährung in den Steintempeln der Städte, wo ihre sakrale Bedeutung gewahrt werden konnte und der Kurswert gleichsam göttlich verankert blieb. Händler erhielten statt der Metalle kunstvoll gestaltete Tontäfelchen, in die der Wert in Tempelgold und -silber eingeprägt worden war. Der Handel zwischen den Städten fand nun in den Innenhöfen der Tempel statt, wo Händler Waren umschlugen und Priester den Glauben an den Wert des Tongeldes bezeugten.

Als Wahrer des Glaubens und des Handels dürfte die Priesterschaft mit Preis und Geld auch die erste Kirchensteuer der Geschichte eingeführt haben, denn mit der Erfindung des Geldes nahm auch der Prunk der sumerischen Tempel sprunghaft zu. Das Geld der Sumerer war eine Glaubensfrage – im Grunde ist es das heute immer noch.

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