Keine Panik bei Private-Banking-Kunden

Keine Panik bei Private-Banking-Kunden 

Nichts dürfte Anleger in diesem Jahr mehr beschäftigen als die Corona-Krise. Die wirtschaftlichen Folgen drohen ähnlich massiv zu werden, wie in der Finanzkrise 2008. Der neue LGT Private Banking Report zeigt, was vermögende Anleger von damals gelernt haben und wie sie mit der Corona-Krise umgehen.

Rund 37% der Schweizer Private-Banking-Kunden stufen die Corona-Krise als weniger einschneidend ein, als die Finanzkrise von 2008, und 60% geben sogar an, dass sie auch angesichts der Corona-Krise keine Angst um ihr Vermögen haben. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte LGT Private Banking Report. Nehmen die Anleger die gegenwärtige Krise auf die leichte Schulter?

Krisen wecken Ängste, beeinflussen Anlagenmix aber nur kurzfristig

Wenn Anleger während den Corona-bedingten Marktturbulenzen zwischen Februar und April 2020 Anpassungen am Portfolio vorgenommen haben, dann meist, um günstige Kurse zu nutzen. Panikverkäufe blieben aus. Ein Studienergebnis, dass wir auch bei der LGT bestätigen können. Denn für den Anlageerfolg während solcher Krisen ist bekanntlich die taktische, kurzfristige Vermögensallokation ebenso wichtig wie die strategische, langfristige. Das perfekte Zusammenspiel dieser zwei Strategien muss gefördert werden, damit Anleger sicher durch turbulente Zeiten navigieren und kurzzeitige Chancen nutzen können.

Im Langzeitvergleich zeigt sich, dass Anleger wohl genau diese Strategie befolgen und sich von Krisen kaum beeindrucken lassen. Wenn, dann flüchten sie nur kurzzeitig in Cash oder Gold. So liegt der Cash-Anteil in den Portfolios seit 2010 zwischen 28% und 34% und fluktuierte je nach Börsenlage gegenläufig zum Aktienanteil, der sich zwischen 33% und 38% bewegte (vgl. Abbildung 1).

Der Cash-Anteil in den Portfolios hat in den vergangenen zehn Jahren zwischen 28% und 34% je nach Börsenlage fluktuiert und eine gegenläufige Entwicklung zum Aktienanteil gezeigt.

Dieses scheinbar überlegte und nicht durch Emotionen gesteuerte Handeln könnte auch eine wichtige Lehre aus der letzten Finanzkrise sein. Aufgrund der damaligen Erfahrungen wollen gut Zweidrittel der Befragten Anlageentscheidungen heute auf der Grundlage von Fakten treffen. Zudem meiden 63% nun vermehrt Anlagen, die sie nicht verstehen. Eine Konsequenz daraus: Die Portfolios sind ungenügend diversifiziert. Anleger setzen auch zwölf Jahre nach der Finanzkrise primär auf Aktien, Anleihen und Cash. Alternative Anlagen wie Private Equity, mit denen die Diversifikation zusätzlich optimiert werden könnte, fristen weiterhin ein Schattendasein.

Private Banking: Zu selbstständige Kunden sind „at risk“

Eine weitere Konsequenz der Finanzkrise 2008 ist die erhöhte Skepsis gegenüber Banken und Beratern. Ist das Vertrauen in und die Zufriedenheit mit den Banken in den Folgejahren zwar zurückgekehrt, so wurde es während der Corona-Krise erneut auf die Probe gestellt (vgl. Abbildung 2). Dies hat dazu geführt, dass Anleger, die Anlageentscheidungen auf eigene Faust und ohne Berater treffen, aus Sicht der Banken besonders „absprunggefährdet“ sind. Diese Kunden sind Banken und Beratern gegenüber sowieso schon kritischer eingestellt und genau bei 60% von ihnen hat sich die Zufriedenheit mit Bank und Berater zwischen Januar und April 2020 verschlechtert. Diese sogenannten Soloisten machen heute 41% der befragten Private-Banking-Kunden aus. Es scheint, als hätte die aus der Krisenerfahrung resultierende kritischere Haltung dazu geführt, dass sich dieser Teil der Anleger komplett von den Banken abgewendet hat und Anlageentscheidungen heute autonom trifft. Dieser Trend scheint irreversibel.

In der Corona-Krise wurden Vertrauen und Zufriedenheit in die Banken auf die Probe gestellt: Rund 50% der Befragten ist im Vergleich zum Jahresanfang mit der Hauptbank weniger zufrieden. Lediglich bei gut einem Viertel der Anleger konnten die Banken in dieser Zeit punkten.

Für einen grossen Teil der Anleger ist die persönliche Bankberatung aber auch zwölf Jahre nach der Finanzkrise unerlässlich. Anfang 2020 treffen 42% der vermögenden Anleger ihre Investmententscheidungen gemeinsam mit ihrem Bankberater oder haben diese komplett an ihre Bank delegiert. Nur noch rund ein Fünftel der Befragten überlegt, ob ein Kundenberater überhaupt noch benötigt wird. Dass die Nachfrage nach Bankberatung trotz technologischer Fortschritte auch zwölf Jahre nach der Finanzkrise unverändert hoch ist, ist bemerkenswert. Gleichzeitig stützen die Ergebnisse aber auch die Überzeugung der LGT, dass die Digitalisierung die persönliche Beratung nicht einfach ersetzen kann. Denn gerade in schwierigen Zeiten schätzen unsere Kunden den Austausch mit ihrem Berater sehr, um die richtigen Anlageentscheidungen zu treffen.

Im Rahmen des LGT Private Banking Reports führte die Abteilung für Asset Management der Johannes Kepler Universität Linz unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Teodoro D. Cocca im Januar und Februar 2020 die seit 2010 sechste Befragung zum Anlageverhalten von Private-Banking-Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Insgesamt wurden 358 Personen befragt. Zentrales Kriterium für die Teilnahme an der Befragung war das frei verfügbare Anlagevermögen: in Deutschland und Österreich mehr als EUR 500 000 und in der Schweiz mehr als CHF 900 000. Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Finanzmärkte wurde im April 2020 eine Anschlussbefragung mit den bereits im Januar durch das LINK Institut befragten Private-Banking-Kunden in der Schweiz durchgeführt.

LGT Private Banking Report 2020

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