Geldbeutel: Von der „Geldkatze“ zum Luxus-Accessoir

Geldbeutel: Von der „Geldkatze“ zum Luxus-Accessoir 

Es gab Zeiten, da waren die Geldbörsen wertvoller als deren Inhalt. Einige besonders ausgefallene und luxuriöse Exemplare zeigt noch bis zum 3. November eine Sonderausstellung im Pariser Museum Monnaie: Die Kunst der Geldbörsen.

Aus dem frühen 19. Jahrhundert ist eine besonders archaische Form der eigenen Bonitätsprüfung überliefert. Wer etwas kaufen wollte, griff so diskret wie eben möglich an einen schlauchartigen Stoffbeutel, den man in der Regel am Gürtel trug und darin seine Münzen aufbewahrte. Wer fühlte, ob er noch Münzen im Beutel hatte, rubbelte die (Geld)-Katz‘. Daher nannte man diesen Vorgang „Rubbeldiekatz“ – eine Redewendung, die in weiten Teilen des deutschen Sprachraums als Synonym für „sofort“ und „schnell“ bis heute erhalten geblieben ist.

Goldenes Zeitalter der Geldbörsen

Etwa ab 1830 wurden die Münzen dann zunehmend in Geldbörsen aufbewahrt, die eher Schmuckstücke als einfache Münzbeutel waren. Geldbörsen sagten viel aus über die betreffenden Moden ihrer Zeit und den sozialen Status ihrer Besitzer. Im „goldenen Zeitalter“ der Geldbörsen zwischen 1830 und 1890 lästerte mancher in Frankreich, der Wert des luxuriösen Geldbeutels sei mitunter höher als dessen Inhalt.

Für die Herstellung von Geldbörsen wurden zunehmend hochwertige Materialien verarbeitet, zum Beispiel Leder, Brokat, Elfenbein, Holz und Gold. Schon bald gehörten die verspielt anmutenden Luxus-Geldbörsen zur Garderobe der Damen. In den etwas grösseren Varianten bewahrte man später nicht nur Geld, sondern auch Schmuckutensilien und Nähzeug auf.

Besonders edle Geldbörsen wurden in Frankreich, Italien, Österreich, Russland und England gefertigt. Bekannte Luxus-Manufakturen und Juweliere wie Hermès und Boucheron kreierten für ihre anspruchsvollen Kunden aufwändige und entsprechend teure Geldbörsen.

Schon Ötzi hatte ein Portemonnaie

Wer sich für dieses interessante Nischenthema der Numismatik interessiert, dem sei ein Abstecher nach Paris empfohlen. Im dortigen Museum Monnaie ist noch bis zum 3. November eine Sonderausstellung zur Geschichte der Geldbörsen mit über 200 Exponaten zu sehen (Öffnungszeiten und Adresse: siehe Leselink). Darunter befindet sich als Beispiel für den eher praktischen Münztransport ein Röhrenbehälter aus lederumwickeltem Metall aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Oder aber ein Portemonnaie aus Holz mit Miniaturmalerei aus dem belgischen Spa. Es darf auch etwas exotisch sein – wie das Beispiel einer zu einem Portemonnaie umfunktionierten Muschel beweist.

Die Geschichte der Geldbehältnisse ist allerdings weitaus älter als es diese Exponate vermuten lassen. Den ältesten bekannten Geldbeutel fand man bei der Mumie des Höhlenmenschen Ötzi.

Leselink
Informationen zur Ausstellung im Museum Monnaie de Paris mit Adresse und Öffnungszeiten

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