Geopolitik trübt die Anlegerstimmung

Geopolitik trübt die Anlegerstimmung 

Der Handelsstreit zwischen den USA und China und die Proteste in Hongkong belasten die Stimmung der vermögenden Anleger. Dies zeigt eine kürzlich veröffentlichte Umfrage unter High-Net-Worth (HNW)-Investoren in Singapur und Hongkong.

Die Einschätzung der Entwicklung der Weltwirtschaft auf kurze Sicht hat sich in den vergangenen vier Monaten verschlechtert. Nur 46% der vermögenden Anleger in Singapur und Hongkong, die im Rahmen des zweiten LGT Asia Investor Sentiment Surveys Mitte Juni befragt wurden, erwarten, dass sich die Lage in den nächsten drei Monaten verbessert. Im Februar waren es noch 56% der Befragten. Besonders auffällig bei den neuen Ergebnissen: Die Zahlen sind in Hongkong deutlich stärker zurückgegangen als in Singapur.

Grund für die veränderte Stimmung unter Anlegern scheinen die geopolitischen Entwicklungen der letzten Monate zu sein, wie die zwischenzeitlich ausgesetzten, aber wieder aufgenommenen Handelsgespräche zwischen den USA und China sowie die Proteste in Hongkong. Zudem haben sich die Erwartungen an die Politik der Zentralbanken seit Februar drastisch verändert. Waren die Anleger zu Beginn des Jahres noch von Zinserhöhungen ausgegangen, stellt sich nun die Frage, wie schnell die US-Notenbank Fed die Zinsen senken wird.

Grosse Unsicherheit an den Finanzmärkten

Die Ergebnisse des LGT Asia Investor Sentiment Surveys zeigen, dass 35% der Befragten in den nächsten zwölf Monaten mit Zinssenkungen rechnen, 26% gehen immer noch davon aus, dass sich die Fed auf Zinserhöhungskurs befindet. Zudem hat sich der erwartete Zeitpunkt der nächsten US-Rezession von der ersten auf die zweite Jahreshälfte 2020 verschoben. Nach unserer Einschätzung widerspiegeln diese Ergebnisse die hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten, wobei besonders die Spannungen im Handel zwischen den USA und China einen langen Schatten werfen.

Auch in Sachen Vermögensallokation deutet vieles darauf hin, dass die Geopolitik ihre Spuren hinterlassen hat. Im Vergleich zum Februar haben sich die Cash-Bestände in den Portfolios der Befragten leicht erhöht. Anleger scheinen eine defensivere Haltung gegenüber risikoreichen Investments einzunehmen.

Das ist besonders interessant, denn eigentlich sind die globalen Aktien während der Umfrage um etwa 4% gestiegen, während der US-Dollar weitgehend stabil blieb. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Anlegerstimmung von Entwicklungen ausserhalb der Märkte beeinflusst wird, wie jüngst, wenn sich die Beziehungen zwischen den USA und China plötzlich verschlechtern.

Erste Zeichen für Handelsumlenkung

Doch wie weiter im Handelsstreit? In der Juni-Umfrage gingen 47% der Befragten davon aus, dass die zwei grössten Wirtschaftsmächte der Welt in diesem Jahr ein Abkommen treffen könnten. 33% (Februar: 12%) von ihnen meinten, dies könnte noch Jahre dauern.

Wie sich diese Ergebnisse nun nach dem G-20-Treffen verändern, wird sich zeigen. Das Treffen fiel in Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen den USA und China jedenfalls besser als erwartet aus. Die bestehenden Zölle werden zwar nicht abgebaut, beide Seiten konnten sich jedoch einigen, wenigstens keine neuen Restriktionen aufzuerlegen, solange die Gespräche andauern. Darüber hinaus haben die USA ihre Massnahmen gegenüber dem chinesischen Technologieunternehmen Huawei gelockert. US-Unternehmen dürfen nun wieder Komponenten an Huawei liefern.

Solche Signale für mehr „Flexibilität“ könnten die Bedenken der Anleger ein wenig zerstreuen. Denn es gibt in Asien immer mehr Hinweise auf Störungen in den Zulieferketten, die auf die anhaltenden Handelsstreitigkeiten zurückzuführen sind. Konkret sehen wir Anzeichen einer „Handelsumlenkung“, bei der insbesondere Vietnam Marktanteile von China für den Versand bestimmter Produkte in die USA übernimmt. Unserer Meinung nach wäre es unzutreffend, dieses Ergebnis als „Endphase“ zu betrachten, da jedes Land, das einen hohen und steigenden Überschuss im Warenhandel mit den USA entwickelt, früher oder später unter die Lupe genommen und möglicherweise mit Handelsmassnahmen wie Zöllen konfrontiert wird, wie jüngst der Fall, als die USA Stahlimporte aus Vietnam mit Strafzöllen belegt haben. Dies bedeutet, dass die USA nebst Vietnam, auch andere Länder bald ähnliche Forderungen stellen könnte.

Umsichtig bleiben

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die LGT in Asien eine defensive Positionierung der Portfolios, insbesondere, da wir ein langsameres Wachstum der globalen Wirtschaft sowie der Unternehmenserträge erwarten. Kurzfristig mögen sich risikoreiche Anlagen aufgrund des G-20-Treffens lohnen, betrachtet man jedoch den Konjunkturzyklus, ist in den kommenden Quartalen eine umsichtige Strategie zu bevorzugen. Dies beinhaltet den schrittweisen Aufbau von festverzinslichen Positionen und die Anwendung von qualitativ hochwertigen Aktienanlagethemen mit niedrigem Beta.

Über den LGT Asia Investor Sentiment Survey

Mit dem LGT Asia Investor Sentiment Survey ermittelt die LGT vierteljährlich ein Stimmungsbild unter den vermögenden Anlegern in Hongkong und Singapur sowie deren Meinung zur Weltwirtschaft und aktuellen Themen an den Finanzmärkten. Die Befragung des LGT Asia Investor Sentiment Surveys wurde vom 3. bis 16. Juni 2019 zum zweiten Mal durchgeführt. An der Onlinebefragung haben je 153 bzw. 154 vermögende Anleger aus Hongkong und Singapur teilgenommen.

Weitere Resultate des LGT Asia Investor Sentiment Surveys finden Sie unter www.lgt.com/asia.

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