Japan: Abgeschottet dank geschlossener Grenzen

Japan: Abgeschottet dank geschlossener Grenzen 

Viele Staaten hatten in den vergangenen Wochen ihre Grenzen geschlossen und nur den Warenverkehr erlaubt. Das machte im 17. Jahrhundert auch Japan – für mehr als 200 Jahre.

Über zweihundert Jahre lang hatte sich Japan von der Welt fast völlig abgeschottet. Ferngehalten sollten nicht nur die „Südbarbaren“ genannten Portugiesen und Spanier werden, sondern auch Japaner, die länger als fünf Jahre im Ausland gelebt hatten und dort möglicherweise zum Christentum konvertiert waren.

Bereits ab 1580 erliessen die japanischen Machthaber wiederholt Edikte, um die Aktivitäten der Portugiesen und Spanier im Land einzuschränken. 1639 wurden die letzten von ihnen radikal und endgültig ausgewiesen. Als einziger Handelspartner verblieb die Niederländische Ostindien-Kompanie, „kaserniert“ auf der künstlichen Insel Dejima im Hafen von Nagasaki.

Die japanischen Machthaber wollten mit der Abschottung des Landes im Wesentlichen die Ausbreitung des Christentums verhindern. Sie zeigten sich jedoch weiterhin äusserst interessiert an wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen. Nach einer ersten, restriktiven Phase wurde die Einfuhr ausländischer Bücher mit der Ausnahme christlicher Schriften völlig freigegeben. Die Erkundung des Westens – als Rangaku, „Hollandkunde“ oder „Hollandstudien“ bezeichnet – wurde nachhaltig gepflegt. Der Leiter der Niederlassung musste einmal jährlich nach Edo reisen, um dem Shogun die Referenz zu erweisen und über gesellschaftliche Entwicklungen in Europa und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berichten. Durch den Kontakt mit Kaufleuten, Handelsassistenten und Ärzten der Niederländischen Ostindien-Kompanie, die als einzige Europäer in Nagasaki anlanden durften, lernten die Japaner die Errungenschaften der industriellen und wirtschaftlichen Revolution des Westens kennen. Dank des hohen Bildungsgrads (der Alphabetisierungsgrad betrug zwischen 70 und 80 Prozent) wurden die Informationen bis in die Regionen verbreitet.

Als 1853 ein Geschwader amerikanischer Kriegsschiffe die Öffnung Japans gegenüber dem Westen erzwang, war die zuvor gepflegte intensive Erkundung des Westens eine wichtige Grundlage für die rasante Entwicklung Japans zur Weltmacht.

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