Gleichstellung der Geschlechter – auch in der Berufswelt

Gleichstellung der Geschlechter – auch in der Berufswelt 

1.2 (23.33%) 18 vote[s]

Das fünfte Nachhaltige Entwicklungsziel der Vereinten Nationen widmet sich der Gleichstellung der Geschlechter. Um dieses zu erreichen, sind Massnahmen seitens Politik aber auch der Unternehmen gefragt.

Bereits im Jahr 2000 definierten die Vereinten Nationen (UNO) in den Millennium Development Goals, dass die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern eines der grössten Hindernisse für eine nachhaltige Entwicklung, ökonomisches Wachstum und Armutsreduktion darstelle. Mit dem fünften Ziel der Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs), die im Herbst 2015 von der Staatengemeinschaft verabschiedet wurden, wird dieses Thema wieder aufgenommen. Gefordert wird die Chancengleichheit für Männer und Frauen in der wirtschaftlichen Entwicklung, die Eliminierung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, inklusive Früh- und Zwangsverheiratung, sowie gleichberechtigte Partizipation auf allen Ebenen.

Zwangsheirat, auch in Industrieländern

Wie dringlich die Geschlechtergleichstellung ist, zeigt sich in den Diskriminierungsfällen, die es überall auf der Welt in Entwicklungs- und Industrieländern gibt.

So etwa in Form der Zwangsheirat von Mädchen: Die Verheiratung von Minderjährigen mit Erwachsenen ist teilweise gesetzlich sogar erlaubt; zum Beispiel in verschiedenen Staaten der USA, die für die Heirat kein Mindestalter kennen. In einigen Staaten dürfen Mädchen zwar unter 18 Jahren nur mit Einwilligung der Eltern heiraten, doch oft sind solche Ehen von den Eltern arrangiert, und die Minderjährigen haben keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.

Eine andere Form ist die Gewalt gegen Frauen. In vielen Industrieländern werden Frauen gesetzlich vor Gewalt geschützt und können sich gegebenenfalls wehren. In Entwicklungsländern hingegen, gehört Gewalt gegen Frauen oft zum Alltag. Dort werden Frauen oft nicht als Opfer, sondern als Täter gesehen und werden nach Vergewaltigungen beispielsweise bestraft. Dies widerspricht klar der Würde des Menschen.

Bezahlte Pflege- und Hausarbeit

Geschlechtergleichheit umfasst jedoch nicht nur die bekannten Extreme Zwangsheirat oder Gewalt. Sie bedeutet auch, dass Pflege- und Hausarbeit als Arbeit anerkannt und entsprechend entlohnt werden soll. Der Staat soll für Pflegearbeit die entsprechende Infrastruktur und Dienstleistung zur Verfügung stellen und innerhalb der Familie soll diese Arbeit nicht nur einer Person obliegen. Alle Familienmitglieder sollen einen Teil der Hausarbeit, und wo möglich, der Pflegearbeit übernehmen.

Das wäre das Idealbild. Doch leider leisten in Industrie- und Entwicklungsländern vor allem Frauen den grösseren Teil an unbezahlter Haus- und Pflegearbeit. Gemäss OECD ist die Last in ärmeren Ländern noch ungleicher verteilt. Dies verhindert, dass Frauen einer Arbeit im primären Arbeitsmarkt nachgehen oder sich politisch engagieren können. Auch zementiert es Geschlechterrollen, weil Frauen finanziell abhängig bleiben. Gemäss UNO beläuft sich der Wert der unbezahlten Arbeit auf 13 bis 39 Prozent des weltweiten Bruttonationaleinkommens, das heisst, auf mehr als zehn Billionen pro Jahr.

Gleiche Chancen für alle

Das Entwicklungsziel Nummer fünf steht aber auch dafür, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen auf Bildung und Arbeit sowie für gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollen.

Leider zeichnet sich selbst in Industrieländern ein anderes Bild. Obwohl an vielen Universitäten mehr als 50 Prozent der Studierenden weiblich sind, finden sich in der Wirtschaft und speziell in Führungsfunktionen weit weniger Frauen wieder. Frauen gehen auf dem Karriereweg oft verloren. Es wird viel darüber gerätselt, woran das liegen könnte. Als ich Anfang 20 war, war klar: Karriere oder Familie, als Frau konnte man nicht beides haben. Leider hat sich die Situation in den letzten 20 Jahren nicht so verändert, wie ich es mir erhofft hatte. Heutzutage ist es für Frauen mit Kindern nicht einfacher geworden, Karriere zu machen. In 90 Prozent der Fälle ist es die Frau, die zurückstecken muss. Einerseits, weil die Wirtschaft in vielen Teilen noch immer so wie früher funktioniert, andererseits aber auch aufgrund eines konservativen Familienbildes der Arbeitnehmenden.

Herausforderung für Führungskräfte

Als Führungskraft sehe ich die Herausforderungen, die Teilzeitarbeit mit sich bringt. Und trotzdem möchte ich meinen Mitarbeitenden eine interessante Stelle und Teilzeitarbeit bieten. Damit dies gelingen kann, braucht es Flexibilität und Vertrauen von beiden Seiten. Vertrauen darauf, dass zum Beispiel, wenn die Kinder krank sind und von zuhause gearbeitet wird, die Arbeit auch wirklich erledigt wird. Flexibilität, dass die Aufgaben auch an einem anderen Tag erledigt werden können.

Bei der LGT haben wir uns im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie 2025 zum Ziel gesetzt, Diversität am Arbeitsplatz zu fördern. Wir wollen eine Diversity-Strategie entwickeln und implementieren. Diese hat beispielsweise zum Ziel, den Anteil der Frauen in Führungspositionen zu erhöhen und generell ein Arbeitsumfeld zu schaffen, indem Familie und Beruf vereinbart werden können. Weiter wollen wir den globalen Austausch unter den Mitarbeitenden verstärken. Wir wollen junge wie auch ältere Mitarbeitende für uns gewinnen, sie weiterbilden und im Unternehmen halten. Zudem möchten wir Minderheiten sowie Menschen mit Einschränkungen fördern.

In Sachen Diversity gibt es viel zu tun. Ich bin optimistisch, dass das Bewusstsein und die Offenheit für mehr Diversität heute bereits grösser ist, und wir uns als Unternehmen in den nächsten Jahren weiter verändern werden.

Ursula Finsterwald, Head Group Sustainability Management der LGT

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.