Global Macro: Innovation einer traditionellen Anlagestrategie

Global Macro: Innovation einer traditionellen Anlagestrategie 

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Global Macro-Fonds versuchen mit komplexen Finanzmarktinstrumenten von globalwirtschaftlichen Entwicklungen zu profitieren – und sind dabei weitgehend frei von Beschränkungen. Diese Art von Hedge-Fonds gilt als die „Königsdiziplin der Kapitalanlagen“ doch das Aufkommen von technologiebasierten systematischen Strategien sowie das schwierige makroökonomische Umfeld machen ihnen das Leben schwer.

Global Macro als Innovation: Trade des Jahrhunderts?

Der Ursprung der Global-Macro-Strategien geht in die frühen Siebzigerjahre zurück. Die Commodities Corporation in New Jersey wendete diesen Anlagestil erstmals an. Sie untersuchte Wirtschaftsdaten und traf Entscheidungen aufgrund von Fundamentalanalysen. Der bekannteste Hedge-Fonds, der diesen opportunistischen Investitionsansatz vertritt, ist der Quantum-Fonds von George Soros. Dieser erlangte im Jahre 1992 mit der Spekulation gegen den überhöhten Kurs des Britischen Pfunds und der Schwedischen Krone Berühmtheit. Der Fonds erwirtschaftete innert weniger Wochen zwei Milliarden US-Dollar.

In den letzten Jahren hat die Bedeutung von Fundamentalanalysen jedoch abgenommen. Computerbasierte, systematische Hedge-Fonds-Strategien haben sie vielfach verdrängt. Mithilfe von Trading-Algorithmen verarbeiten diese Strategien herkömmliche Informationen schneller und können dank Big-Data-Technologien auch umfassende Datensätze präzise analysieren. Experten schätzen, dass jährlich bis zu sieben Prozent der weltweiten Hedge-Fonds-Anlagen in der Höhe von drei Billionen US-Dollar von diskretionären Strategien wie Global Macro in systematische Ansätze fliessen.

Irrationales Finanzmarktumfeld und die Kosmetik der Notenbanken

Das schwierige makroökonomische Umfeld ist eine weitere Herausforderung für Global-Macro-Strategien. Die weltweiten Finanzmarktinterventionen der Nationalbanken erschweren wirtschaftliche Prognosen. Obwohl die Notenbanken immer stärker von der engen Orientierung der Geldwertstabilität abweichen und realwirtschaftliche Ziele formulieren, bleibt es schwierig, die finanzwirtschaftlichen Konsequenzen abzuschätzen. Zudem verursachen die weltweiten Zentralbankinterventionen eine Entkoppelung von Finanz- und Realwirtschaft. Ein Indiz dafür ist die Diskrepanz zwischen dem VIX-Index, welcher das Aktienmarktrisiko misst, und dem Global-Economic-Policy-Uncertainty-Index, einem Indikator für die reale wirtschaftliche Unsicherheit. Bis 2011 bewegten sich die beiden Indikatoren im Gleichschritt, danach trennten sich ihre Wege. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten nahmen deutlich zu, während das Aktienmarktrisiko auf ein Allzeittief fiel. Aus ökonomischer Sicht sehr fragwürdig.

Divergenz von Aktienmarktrisiko und wirtschaftlichen Unsicherheiten (Quelle: Bloomberg)

Divergenz von Aktienmarktrisiko und wirtschaftlichen Unsicherheiten (Quelle: Bloomberg)

 

Kombinierte Strategien: Mensch und Maschine im Duett

Doch obwohl systematische Hedge-Fonds-Strategien an Bedeutung gewonnen haben, sollte man Global-Macro-Strategien keinesfalls abschreiben. Der Trend zu computerbasierten Strategien bietet auch Chancen für eine Renaissance. So nützen immer mehr Global-Macro-Fonds systematische Risikomanagementansätze, um mit vorgegebenen Limiten emotional getriebene Verluste zu minimieren – sie treffen quasi rationale, situationsbezogene und abgewogene Entscheidungen und umgehen damit menschliche Schwächen. Einige Firmen gehen noch weiter. Sie versuchen die Vorteile eines systematischen Investitionsansatzes mit denen eines diskretionären zu kombinieren und führen Partnerschaften mit Firmen im Bereich der Datenanalyse. Datenvisualisierungssysteme sollen die Händler bei der Analyse und Implementierung von Positionen unterstützen. Diese Kombination von Technologie und menschlicher Vorstellungskraft könnte zukünftig ein wertvoller Renditetreiber sein.

Veränderungen als Chance

Die letzten Jahre waren für Global-Macro-Manager definitiv schwierig. Viele Fonds haben sich jedoch der Herausforderung gestellt und dem neuen Umfeld angepasst. Die traditionelle Fundamentalanalyse gepaart mit systematischen Ansätzen bietet eine gute Basis für die Zukunft. Die “Könige der Kapitalanlagen“ scheinen die Zeichen der Zeit also erkannt zu haben und entwickeln sich weiter – ganz im Sinne von: „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“

Leselink:
Saijel Kishan geht auf Bloomberg News der Frage nach, ob und inwieweit Fondsmanagement von Maschinen übernommen werden kann: Robots are eating Money Managers’ Lunch

Bild: By Niccolò Caranti (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 21. Juli 2017 | Die Börsenblogger

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