Globale Konjunktur: Überhitzungsgefahr in der Verlängerung?

Globale Konjunktur: Überhitzungsgefahr in der Verlängerung? 

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In der K.O.-Phase einer Fussball Weltmeisterschaft kommt es zur Verlängerung, falls der Spielstand nach 90 Minuten unentschieden ist. Kaum jemand wird bestreiten, dass sich die globale Wirtschaft, im Speziellen diejenige der USA, in einem spätzyklischen Stadium befindet. Kommt nun der Abpfiff bzw. das Ende? Oder sehen wir noch eine Verlängerung?

Es bahnt sich die Verlängerung an

Die US-Volkswirtschaft befindet sich nun schon seit über 36 Quartalen auf Expansionskurs – im historischen Vergleich ist das einer der längsten überhaupt. Die Kapazitätsauslastung steigt stetig und der US-Arbeitsmarkt befindet sich auf dem Niveau von Vollbeschäftigung – ja es gibt bereits erste Anzeichen einer Überhitzung, zumindest, wenn man die Dauer betrachtet. Bei intensiver Analyse wird jedoch offensichtlich, dass die derzeitige Expansion sogar unterdurchschnittlich ist, wenn man die Stufe des kumulierten BIP-Wachstums betrachtet: -22% (2009-2018) vs. 25% (historischer Durchschnitt seit dem 2. Weltkrieg). Somit besteht also wachstumsseitig weiter Luft nach oben, oder, im Fussball-Jargon gesprochen, es bahnt sich wohl eine Verlängerung an.

Kräfteverschleiss: Fiskalimpuls der US-Regierung zur unsteten Zeit

Wie diese Grafik eindrücklich zeigt, befindet sich der Arbeitsmarkt auf Niveau „Vollbeschäftigung“. Gleichzeitig steigt das Staatsdefizit weiter deutlich an. Die Schere driftet stark auseinander.

Konjunktur

Unter diesen Vorzeichen wäre ein Fiskalimpuls seitens der US-Regierung gar nicht notwendig. Die Verlängerung kündigt sich zwar an, doch die US-Regierung spart ihre Kräfte nicht. Einen derartigen Impuls durch den Staat so spät im Zyklus hat es in den letzten 60 Jahren noch nie gegeben. Erst einmal – während des Vietnam-Kriegs – hat eine US-Regierung die Staatsausgaben spät im Wirtschaftskzyklus via Fiskalimpuls in dieser Dimension erhöht. Die Statistiken zeigen uns heute klar, dass es dann in den Folgejahren zu einem starken Anstieg der Inflation gekommen ist – es bleibt abzuwarten, ob sich die Geschichte genauso wiederholen wird.

Bedingungslose Offensive: Wie die Politik der US-Regierung die Inflation angekurbelt

Neben dem Fiskalimpuls gibt es derzeit drei weitere politische Bestrebungen seitens der US-Regierung, welche die Inflation in den kommenden Quartalen ankurbeln dürfte: Erstens dürfte der Handelskonflikt der USA mit den wichtigsten Partnern ein primärer Treiber der Inflation sein. Es ist unbestritten, dass Zölle oder aufkommende Handelsbarrieren primär höhere Preise bedeuten und es volkswirtschaftlich keinen Sieger geben kann. Die derzeitigen Bestrebungen der US-Regierung deuten auf einen klaren Preisschub in den nächsten Quartalen hin.

Ein zweiter und ebenfalls nicht zu unterschätzender Punkt ist die Migrationspolitik der Regierung Trump. In der Vergangenheit konnte der US-Arbeitsmarkt immer auf zugewanderte „kostengünstige“ Arbeitskräfte zurückgreifen. Durch die Einwanderung in den letzten Jahrzehnten wurde ein Grossteil der aufkommenden Lohninflation absorbiert. Mit den nun strengeren Kontrollen besteht die Gefahr, dass dem Arbeitsmarkt der USA wichtige Arbeitskräfte nicht zur Verfügung stehen und somit die Lohninflation weiter angekurbelt wird.

Ein dritter wichtiger Preistreiber ist die Auflösung des „Iran-Deals“ und die damit verbundene Verknappung des Rohöl-Angebots. Dies dürfte den Ölpreis weiter in die Höhe treiben, welcher eins zu eins einen Effekt auf den Benzinpreis hat.

Weltklasse: Realer Kapitalerhalt mit einem kühlen Kopf

Zehn Jahre nach dem Beginn der grossen Finanzkrise von 2008/2009 befinden wir uns am Scheideweg zwischen Wachstum und anziehender Inflation. Mit Notenbankgeld geflutete Kapitalmärkte – 15 Billionen Schweizer Franken – suchen weiter nach einer attraktiven Renditemöglichkeit. Die globale Wirtschaft sowie die Kapitalmärkte befinden sich folglich am Vorabend der Verlängerung, wie die Wachstumszahlen nahelegen. Die Inflation hingegen könnte der grosse Überraschungsfaktor in der K.O.-Phase sein. Jeder Investor muss deshalb einen kühlen Kopf bewahren und seine Vermögensallokation sehr selektiv gestalten. Bei anziehender Inflation werden Staatsanleihen – heutzutage sogenannte zinslose Risikoanlagen – sehr schnell zu realen Verlusten führen. In den kommenden Jahren wird der reale Kapitalerhalt des Portfolios immer mehr in den Vordergrund rücken. Neben realen Werten werden auch selektiv Aktien dazu gehören. Es wird sich um Firmen handeln, die aufgrund ihrer Marktpositionierung und ihres proprietären Businessmodells einen Grossteil der Inflation an ihre Konsumenten weitergeben können. Um in der Verlängerung reüssieren zu können, wird oft nur ein Geniestreich von einem Weltklassespieler benötigt.

 

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 11. Juli 2018 | marktEINBLICKE

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