Globalisierung – der Anfang vom Ende oder doch das Ende vom Anfang?

Globalisierung – der Anfang vom Ende oder doch das Ende vom Anfang? 

„America First“ und Handelskrieg: Seit der Präsidentschaft Trumps häufen sich die Zeichen für eine Deglobalisierung.

Seit der Wahl von Donald Trump vor über drei Jahren zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist viel Wasser den Rhein runtergeflossen. Für die Medien war die Wahl ein Weihnachtsgeschenk sondergleichen. Der Gesprächsstoff rund um Trump bzw. die Nachrichtenflut will auch fast ein Jahr vor den nächsten US-Präsidentschaftswahlen nicht abreissen.

Zu viele Themen scheinen um das Amt oder die Person im Umlauf zu sein. Von Amtsmissbrauch über direkten Angriff auf politische Gegner bis hin zum permanenten „Fire and Hire“-Prinzip seines Stabes bzw. der Belegschaft. Es gibt wohl kaum ein Thema, welches in den letzten 36 Monaten nicht angesprochen wurde. Mit der nötigen Distanz kann aber festgehalten werden, dass es nur ein Thema gibt, welches sowohl für die Kapitalmärkte wie auch geopolitisch von zentraler Bedeutung ist.

Es ist der Handelskonflikt zwischen den zwei Supermächten: den USA und China. Der Konflikt ist für die Medien ein gefundenes Fressen, da es aufgrund der permanenten Kehrtwende des Weissen Hauses fast immer etwas Neues zu berichten gibt. Die Relevanz dieser News ist für die Märkte aber nicht immer von Bedeutung, und dennoch beschäftigt uns das Thema stark.

Kann ein Handelskrieg gewonnen werden?

Schon in der ersten Vorlesung der Volkswirtschaftslehre zum Thema internationale Beziehung und Handel wird den Studenten eines schnell klar: Beim Thema „Zoll“ kann es kaum einen Gewinner geben. Es ist deshalb umso verwunderlicher, dass in diesem Konflikt eine Partei weiter der festen Überzeugung ist, den Handelskrieg gewinnen zu können. Mit diesem Wissen stellt sich daher die Frage, geht es in dieser Auseinandersetzung zwischen den beiden Grossmächten nur um einen simplen Zollstreit? Oder ist die Dimension eine ganz andere?

Selbstverständlich ist die Dimension eine ganze andere und der Zollstreit ist bestenfalls ein Scharmützel zwischen zwei Jugendlichen. Die Ursache liegt viel tiefer begraben und lässt sich mit dem bipolaren Umfeld während des kalten Kriegs in den 70iger bzw. 80iger Jahren zwischen der UDSSR und den USA vergleichen. Damals im letzten Jahrhundert, wie heute im 21. Jahrhundert ging und geht es um die Vorherrschaft der Welt bzw. darum, wer die Nummer 1 ist. Dabei geht es nicht nur um eine mögliche militärische Führung, sondern auch um den Anspruch in Bezug auf Wirtschaftsleistung, Technologie und geistiges Eigentum die Nummer 1 zu sein – um nur einige Punkte zu nennen. In der Vergangenheit hat ein solcher Wechsel der globalen Führung nie freiwillig stattgefunden und ist nie reibungslos über die Bühne gegangen. Welches wären die möglichen Konsequenzen dieser bevorstehenden Machtablösung?

Hat die Deglobalisierung schon begonnen?

Mit dem Slogan „America First“ wurde Trump im November 2016 zum 45. Präsidenten der USA gewählt. Seither wurden fast alle Allianzen zumindest einmal in Frage gestellt und mit der permanent verschärften Rhetorik wurde die globale Wirtschaft in diesem Jahr an den Rand einer Rezession geführt. Im speziellen hat das verarbeitende Gewerbe unter dem Handelskrieg in den letzten Quartalen gelitten.

Die Marktteilnehmer haben ihre Meinung relativ schnell gemacht: Mit der Wahl von Donald Trump und den damit verbundenen Konsequenzen hat das Ende der Globalisierung begonnen. In der Tat kann seit einiger Zeit beobachtet werden, dass es Tendenzen für eine Deglobalisierung gibt. Wie in dieser Grafik gut ersichtlich ist, scheint die globale Wirtschaft bereits im Jahr 2015 in Bezug auf Handelsaktivität ihren Höchststand der letzten 50 Jahre erreicht zu haben.

Handel in % der globalen Wirtschaftsleistung 1960 - 2016
Handel in % der globalen Wirtschaftsleistung 1960 – 2016

Aus heutiger Sicht ist dies erst eine Tendenz, aber noch kein endgültiges Urteil, ob wir am Beginn einer Deglobalisierung angekommen sind. Hingegen kann festgehalten werden, dass diese mögliche Trendumkehr bereits über ein Jahr vor der Wahl von Trump begonnen hat. Trump war also nicht der Auslöser, sondern bestenfalls der Beschleuniger. Stehen wir nun am Anfang vom Ende oder am Ende vom Anfang?

Die nächste Dekade beginnt im bipolaren Umfeld

Bekanntlich liegt diese Antwort immer im Auge des Betrachters. Stehen wir am Anfang vom Ende der ultimativen Globalisierung, welche mit der Integration des gesamten chinesischen Arbeitsmarktes in den globalen Arbeitsmarkt vor über 30 Jahren begonnen hat? Mit den heutigen Herausforderungen in Bezug auf die globale Erderwärmung sicherlich eine klare Affirmation. Oder stehen wir am Ende vom Anfang der ersten Stufe der Technologie- bzw. Informationsgesellschaft? Mit der Einführung des ersten Smartphones im Jahre 2007 hat ein schneller Wandel nicht nur in der Technologie stattgefunden, sondern auch in unserer Gesellschaft. Wir informieren uns und kommunizieren heute komplett anderes, als dies zu Beginn dieser Dekade der Fall gewesen ist. Auch hier kann festgehalten werden, dass wir am Ende dieser Dekade angekommen sind und die Anfänge der Informationsgesellschaft hinter uns gelassen haben.

Der Anleger muss sich bewusst sein, dass mit dem Beginn der neuen Dekade durchaus auch ein Zeitalter der Bipolarität eingeläutet wurde. Ob dies auch das Ende der Globalisierung ist, kann aus heutiger Sicht noch nicht gesagt werden und sollte für den Moment stark bezweifelt werden. Eines ist jedoch schon heute mit grosser Wahrscheinlichkeit vorhersehbar, dass die Veränderungen nicht nur die beiden Grossmächte stark beeinflussen werden, sondern auch die Kapitalmärkte schon heute in ihren Bann gezogen haben. Somit können die Gewinner der letzten Dekade schnell zu den Verlierern der kommenden werden. Jedoch werden auch viele Firmen vom neuen Setup profitieren können. Beim Investieren sollte der Fokus daher vermehrt auf einer aktiven Selektion liegen.

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