Glocken – mal Kirchengebühr und mal Geldersatz

Glocken – mal Kirchengebühr und mal Geldersatz 

Einst dienten Glocken als frühe Zahlungs- und Tauschmittel, später finanzierten sich Kirchen mit Glockengeld.

Am Gründonnerstag wird es ruhig, die Glocken bleiben stumm. Früher erzählte man den Kindern, die Glocken flögen nach Rom und kehrten erst in der Osternacht zur Auferstehungsfeier wieder zurück. Dann aber läuten sie umso festlicher, was in diesen schwierigen Zeiten von vielen Menschen wahrscheinlich besonders intensiv empfunden wird.

Glockengeld – Geläut gegen Bares

Das Glockengeläut gehört zu Festtagen ganz einfach dazu. Und niemand würde auf den Gedanken kommen, dafür zahlen zu müssen. Dabei war es einst üblich, bei bestimmten Anlässen ein Glockengeld zu berechnen. Schliesslich sind Glocken teuer, und auch der Glöckner musste für seine anstrengende Arbeit einen gerechten Lohn bekommen. Für ein Dreiergeläut – Gewicht: fünfeinhalb Tonnen – muss schon mit einer Investition von deutlich über 100 000 Euro gerechnet werden. Letztlich ist der Preis aber von der Situation an den Rohstoffmärkten abhängig. Vor allem die Zinn- und Kupferpreise fallen im wahrsten Sinne des Wortes schwer ins Gewicht.

Das Glockengeld – erhoben vor allem bei Hochzeiten und Beerdigungen – war früher eine der Haupteinnahmequellen der Kirchen und wurde teilweise von ganz oben verordnet. So heisst es zum Beispiel in einem Edikt des Grossherzogtums Mecklenburg Schwerin vom 24. September 1824 explizit, dass sich die Kirchen aus dem Inhalt der Klingelbeutel sowie mit dem Stuhl- und Glockengeld finanzieren sollten. Das sogenannte Stuhlgeld musste entrichten, wer einen festen Platz während der Gottesdienste wünschte. In manchen Gotteshäusern sind die alten Kirchenplatzschilder bis heute erhalten.

Glocken als vormünzliches Zahlungsmittel

Wer noch tiefer in die Geschichte eindringt, stellt fest: Das Verhältnis von Geld zu Glocken war in der vormünzlichen Zeit ein durchaus profanes. Glocken dienten einst in verschiedenen Regionen als Zahlungsmittel. Freilich mussten sie transportabel und zum Tausch geeignet sein. Glockengeld als vormünzliches Zahlungsmittel ist zum Beispiel aus China bekannt (spätes 2./frühes 1. Jahrhundert v. Chr.). Aber auch in weiten Teilen Afrikas klingelten die Glöckchen, wenn es ans Bezahlen ging. Dort waren vor allem eiserne Doppelglocken gefragt, die Gonga genannt wurden – ein Begriff, der möglicherweise auf den Gong der Glocken („Gonggeld“) zurückzuführen ist.

Kein Gong, sondern ein Klingeln ertönte früher bei den mit Handkurbeln bedienten Registrierkassen. Und heute hört man beim Bezahlen keinen Gong, sondern nur noch die Frage; „Bon“?

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