Glücksökonomie: Macht Geld glücklich?

Glücksökonomie: Macht Geld glücklich? 

Ein glückliches Leben ist das Leitmotiv aller Menschen. Wenn wir jedoch fragen, was Glück für sie genau bedeutet, erhalten wir ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Antworten. Wissen wir was Glück ist? Und was hat dieses Wissen oder eben Nicht-Wissen mit Geld zu tun?

Warum sind Kolumbianer viel glücklicher als Russen? Statistisch gesehen verfügen beide Nationen über ein vergleichbares Durchschnittseinkommen. Und doch lacht Kolumbien von der Spitze der Glücksskala, während Russen auf demselben materiellen Niveau anscheinend Trübsal blasen. Geld scheint nicht das Mass aller glücklichen Dinge zu sein. Das Glücksempfinden nimmt gerade in den prosperierenden Ländern Westeuropas nicht mehr zu. In diesen Ländern scheint sich eine gewisse Glücks-Sättigung einzustellen, sobald ein Sockel an materieller Ausstattung erreicht ist.

So ist ausgerechnet das deutsche Glücksempfinden ausgesprochen ineffizient: Für das Glücksniveau der Kolumbianer benötigen Deutsche mehr als das sechsfache Jahreseinkommen und auch wohlhabende Deutsche können es mit den vergleichsweise „ärmeren“ Finnen oder Iren im weltweiten Glücksvergleich kaum aufnehmen.
Geld ist also zumindest kein Glücksautomatismus. Gerade westliche Gesellschaften scheinen in einer Art Endlosschleife des Glücksempfindens gefangen zu sein, die es ihnen nicht erlaubt, mit dem wachsenden Wohlstand auch immer glücklicher zu werden. Es gibt keine Glücksrendite aufs Volkseinkommen. Möglicher Weise liegt das an unseren kulturellen Auslegungen des Glücks. Wir neigen dazu, Glück mit Symbolen dafür gleich zu setzen und verlieren auf der Suche nach Erfolg, Reichtum etc. aus den Augen, worum es uns eigentlich geht. Ein Mensch, der seiner Karriere alles unterordnet, handelt im Sinne des Glücklichseins unökonomisch, weil er nicht sein Glück maximiert, sondern „nur“ seinen Erfolg, also das Vehikel zum Glück. Ähnliches gilt für Konsum, der uns eine schier unendliche Vielfalt möglicher Glücksmomente beschert, die wir aufgrund der Fülle gar nicht mehr geniessen können.

Vielen Glückssuchern unserer Tage wird auf dem Weg des Erfolgs, des Wachstums, etc. eine weitere kulturelle Untugend zum Verhängnis: Moderne Gesellschaften sind gestresster denn je. Wir haben uns im Streben nach Glück ein Gegenstück dazu in Form von Stress eingehandelt. Statistisch gesehen wird dieser insbesondere für Gutverdiener zum Anti-Glück und entfernt uns immer weiter vom Erstrebten.

Glück ist also in erster Linie keine Geldangelegenheit, sondern Auslegungssache und nur bedingt von materiellen Gütern abhängig. Geld macht uns nicht per se glücklich, aber es eröffnet uns mehr Möglichkeiten, unser persönliches Glück zu finden. Geld ist ein Vehikel zum Glück – aber fahren muss man selbst.

Leselinks:

Der Blogbeitrag ist eine Fussnote zum Buch Die Tretmühlen des Glücks des Schweizer Ökonomen Mathias Binswanger. Es zu lesen macht glücklich 🙂 

 

 

Es gibt 5 Kommentare zu diesem Artikel
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  3. Pablo at 14:07

    Ein interessanter Artikel, den man sich zu herzen nehmen sollte. In gewisser Hinsicht ist Geld im Leben der Menschen wichtig, aber lange nicht das Wichtigste. Um sich auch im Alter etwas leisten zu können, sollte man ein wenig vorsorgen. Daher investiere ich gerne in Investmentfonds, die sind pflegeleicht es kommt einiges zusammen, damit auch im hohen Alter nicht auf Kosten des Staats leben muss. Man sollte sich glücklich fühlen und an erster Stelle sollte immer die Gesundheit stehen. Alles andere kann man sich im Leben erarbeiten.

  4. Suzana at 22:07

    Geld ist auf jeden Fall wichtig um glücklich zu sein, ein Baustein von vielen, aber persönlich finde ich Reichtum nicht wichtig. Ich bin der Meinung, dass vor allem wir Frauen nicht so viel Geld benötigen, um glücklich zu sein. Ich freue mich über verschiedene Kleinigkeiten, denen ich im Alltag begegne, es können auch Sachen schöne Grußkarten einen erfreuen.

  5. Franzi Sauer at 11:53

    Geld spielt keine Rolle wenn man nicht glücklich ist. Lieber kein Geld und trotzdem glücklich sein, so kommt man im Leben weiter.

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