Go West: Die Finanzierung des amerikanischen Traums

Go West: Die Finanzierung des amerikanischen Traums 

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„Venture Capital“ steht im Englischen weniger für „Risiko-Kapital“, als für das Finanzieren von Unternehmungen und Chancen. Diese sprachliche Nuance scheint typisch für die amerikanische Mentalität zu sein: Auch der amerikanische Traum vom neuen Leben im Westen wurde mit Hilfe von Investoren verwirklicht.

Kurz nach der Unabhängigkeit hatten die jungen Vereinigten Staaten wenig gemein mit der kulturprägenden globalen Supermacht von heute. Den Zeitgenossen erschien das ferne Amerika Ende des 18ten Jahrhunderts wohl eher als eine Art überseeische Schweiz, in der eine Schar beherzter Siedler der Weltmacht Grossbritannien mit Mut und Idealen ihre Freiheit und Selbstbestimmung abgetrotzt hatten. Die Zukunft des jungen Staates war zunächst keineswegs gesichert. Belauert von mehreren imperialen Mächten und ohne ein etabliertes Gemeinwesen musste der Bund der 13 Gründerstaaten seine Zukunft erst noch finden.

Sanierungsfall Amerika: Land als Währung

Die Vereinigten Staaten erkauften ihre Unabhängigkeit mit horrenden Kriegsschulden, meist bei ausländischen Banken. Für die Erschliessung des Westens, jenes damals noch zaghaften Traums vieler Zuwanderer, hatte Amerika anfangs schlicht kein Geld. Alexander Hamilton, US-Finanzminister und legendärer Ökonom (1755 -1804), machte aus der Not des jungen Landes eine Tugend: Er schuf eine zentrale Bankinstanz, die die Schulden der Bundesstaaten übernahm. Gleichzeitig liess er grosse Ländereien in den noch unerschlossenen Gebieten des Ohio-Beckens auf die öffentliche Hand übertragen. Seinen Gläubigern bot er nun Landrechte als Tilgung. Vor allem holländische Banken erwarben so riesige Gebiete der amerikanischen Wildnis.

Go west: Zukunft als Investition

Banken und Investoren teilten ihre Ländereien meist in kleine Parzellen und verkauften sie mit sprudelnden Gewinnen an Siedler weiter. Die Siedler selbst verschuldeten sich häufig für ihr Land und ihren Traum. Ihre Kredite zwangen sie, ihre Erträge zu verkaufen und vor allem die Metropolen an der Westküste zu beliefern. Auch hierfür schuf die US-Regierung geeignete Investitionsmöglichkeiten: Strassen und Schienenwege wurden finanziert, indem jeder fertige Kilometer zusammenhängender Strecke mit einem einige Kilometer breiten Streifen Land links und rechts der Trasse belohnt wurde. Die Aussicht auf Rohstoffe sorgte vor allem unter den frühindustriellen europäischen Ländern für zusätzliche Investitionen.

Die Investitionspolitik der US-Regierung liess den jungen Staat die Herkules-Aufgabe der Besiedelung des Westens fast spielend bewältigen. Sie lieferte die Grundlage für Amerikas strahlenden Aufstieg in den Kreis der Grossmächte – viele Kritiker sahen in ihr jedoch auch die Begründung grosser Ungleichheit zwischen Arm und Reich – und damit für den Schatten des amerikanischen Traums.

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